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StartseiteUmwelt und VerbraucherSchlechte Aussichten für Kleinsparer03.05.2013

Schlechte Aussichten für Kleinsparer

Leitzinssenkung drückt weiter auf Rendite von Lebensversicherungen

Zinsen werden in den nächsten Jahren weiter angepasst werden müssen, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg mit Blick auf die Lebensversicherer. Kleinanleger müssen sich wohl auf ein Zinsniveau von nur rund einem Prozent einstellen. Wann die EZB mit einer Zinssteigerung die Trendwende einleitet, ist kaum vorhersehbar.

Niels Nauhauser im Gespräch mit Susanne Kuhlmann

Auch bei Lebensversicherungen sinkt die Verzinsung. (picture alliance / dpa / Jörg Schmitt)
Auch bei Lebensversicherungen sinkt die Verzinsung. (picture alliance / dpa / Jörg Schmitt)

Susanne Kuhlmann: Auf Dauer Niedrigzinsen – für die meisten Kleinsparer ist die jüngste Entscheidung der Europäischen Zentralbank, den Leitzins auf 0,5 Prozent zu senken, keine gute Nachricht, manche sprechen von Enteignung. Auch wer eine Lebensversicherung als Altersvorsorge hat, muss sich wohl darauf gefasst machen, dass der Zinstrend demnächst abwärts zeigen wird. Am Telefon in Stuttgart ist Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Herr Nauhauser, macht die gestrige Zinsentscheidung Lebensversicherungen unattraktiv?

Niels Nauhauser: Nein, das ist ja nicht nur die gestrige Zinsentscheidung. Was die EZB für Zinsen festlegt, das sind immer die sehr, sehr kurzfristigen Tageszinsen. Und wir beobachten schon seit vielen Monaten ein sinkendes Zinsniveau. Also der deutsche Staat leiht sich im Moment für rund ein Prozent Geld bei Kreditgebern, bei seinen Anlegern, und das wirkt sich auf die Lebensversicherung schon seit vielen Monaten und Jahren aus, insofern ist es nicht der eine Zinsschritt, sondern es sind die Abläufe der Zinsschritte in den letzten Jahren und Monaten seit der Finanzkrise, die sich auswirkt und die einfach die möglichen Erträge für Versicherer deutlich einschränkt.

Kuhlmann: Um das noch einmal zu verdeutlichen, wie hat sich die Zinsentwicklung bei Lebensversicherungen in den vergangenen Jahren, die Sie ansprachen, denn schon verändert?

Nauhauser: Gut, die Lebensversicherer legen das Geld im Wesentlichen in Staatsanleihen an, da sind auch Unternehmensanleihen drin und eine ganz, ganz kleine Dosis an Aktien, und was man hier erzielen kann in den letzten Jahren, war unterschiedlich. Teilweise wurden sechs, sieben, acht Prozent noch erzielt, das ist allerdings schon sehr lange her, in den letzten Jahren konnte man hier nur noch zwei oder drei Prozent erzielen. Viele Versicherer schreiben aber weiterhin Werte gut ihren Kunden, die über drei Prozent liegen. Und diese hohen Zinssätze können Sie heute nur noch bezahlen, weil sie eben viele Anlagen in der Vergangenheit schon gekauft haben und hier noch über entsprechende Reserven verfügen, die sie jetzt an ihre Kunden ausschütten. Und das ist klar, wenn der Zinstrend so weiter anhält, wie er jetzt ist, das heißt, für sichere Anlagen gibt es nicht viel mehr als ein Prozent, dann ist auch der Abwärtstrend bei der Lebens- und Rentenversicherung schon vorgezeichnet.

Kuhlmann: Aber auch langlaufende Anlagen laufen ja irgendwann aus. Wann wird so eine Umbruchzeit kommen?

Nauhauser: Ich kann Ihnen nicht sagen, wie sich das jetzt ganz genau weiterentwickelt. Fest steht nur: Der Marktzins ist derzeit sehr, sehr niedrig. Die Versicherer werden die Zinsen in den nächsten Jahren weiter anpassen müssen, wenn die Zinsen nicht deutlich steigen. Und man muss sich aber bei der Altersvorsorge und bei der Geldanlage auf dieses sehr, sehr niedrige Zinsniveau einstellen, es geht leider nicht anders. Es ist im Moment einfach das, was der Markt hergibt – die EZB wird die Zinsen auch irgendwann wieder anheben, aber ich kann Ihnen nicht sagen, ob das nächstes Jahr oder erst in fünf oder zehn Jahren gar passieren wird.

Kuhlmann: Noch ganz kurz, ist die Situation für Ältere im Moment besser?

Nauhauser: Für diejenigen, die schon eine Versicherung seit vielen Jahren haben, ist es tatsächlich gut, diese beizubehalten, weil vor 10 Jahren und länger noch hohe Garantiezinsen vereinbart wurden. Und diese Garantiezinsen müssen also die Versicherer ihren Kunden weiterhin gutschreiben, das können sie auch, und bei diesen Verträgen ist also der Schaden nicht so schlimm. Bei den Verträgen, die heute abgeschlossen werden, ist es natürlich viel stärker, weil dort nur Zinsen von 1,75 Prozent garantiert werden dürfen, mehr nicht – und davon gehen auch noch die Kosten ab, sodass hier unterm Strich eine Rendite garantiert bleibt, die unter einem Prozent liegt.

Kuhlmann: Der historische Tiefstand beim Leitzins führt zu Einbußen bei der Lebensversicherung – soweit Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Ihnen danke nach Stuttgart!


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.


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