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StartseiteCampus & KarriereSchlechte Noten für den Chef21.08.2009

Schlechte Noten für den Chef

Online-Studie der Ruhr-Universität Bochum bewertet Führungskräfte

Viele Mitarbeiter sind mit ihren Vorgesetzten unzufrieden. Umgekehrt halten sich Chefs häufig für gute Führungskräfte. Das zeigen erste überraschende Ergebnisse einer Online-Studie der Ruhr-Universität Bochum.

Von Solveig Bader

Ein Chef verlangt viel von seinen Mitarbeitern. Die Frage ist, wie. (Stock.XCHNG / Tom Denham)
Ein Chef verlangt viel von seinen Mitarbeitern. Die Frage ist, wie. (Stock.XCHNG / Tom Denham)

"Ich bin nicht zufrieden, weil meine Chefin mich mobbt. Sie nimmt mir Aufgabenbereiche weg, sie redet schlecht über mich, ganz viel, anderen Mitarbeitern sagt sie die negativen Eigenschaften. "

"Es gibt normale Differenzen im Alltagsablauf. In welchen Punkten sind sie sich oft nicht einig? Das hängt vom Stil der Personalführung ab, wie da geführt wird, wo es da Probleme gibt."

Viele Arbeitnehmer sind mit ihrem Chef unzufrieden. Das spiegelt sich auch in der Online-Befragung der Ruhr-Universität Bochum wider. 3500 Teilnehmer haben mitgemacht. Und dabei kamen viel Chefs ziemlich schlecht weg. Für den Diplompsychologen Patrick Schardien der Ruhr-Universität Bochum ein überraschendes Ergebnis.

"56 Prozent gaben ihrem Chef eine Benotung im unteren Drittel, das hatten wir zwar in der Tendenz erwartet, aber nicht in diesem Ausmaß."

110 Fragen umfasst die Studie. Dabei können die Teilnehmer ihren Chef bewerten – auf einer Punkte-Skala zwischen null und neun. Dabei geht es um Kategorien wie Kritikfähigkeit, Vertrauen, Teamorientierung oder Reifegrad. Hauptkritikpunkte der Teilnehmer: Sie bekämen zu wenig Anerkennung vom Chef und vertrauten ihm nicht. Rüdiger Hossiep leitet die Studie. Als Wirtschaftspsychologe hat er jahrelang mit Führungskräften zusammengearbeitet. Seiner Meinung nach würden sie aufgrund von Sparmaßnahmen der Unternehmen immer weniger und schlechter geschult, zum Beispiel in Führungstrainings.

"Dabei ist offenbar vieles an Weiterentwicklung der eigenen Führungsarbeit auf der Strecke geblieben. Die Weiterentwicklung der Führungsarbeit hat immer etwas mit der persönlichen Weiterentwicklung zu tun, man kann sagen, mit der Reifung. Und Menschen haben wenig Lust, sich von anderen führen zu lassen, die sie für unreif halten. So nach dem Motto: Wenn der in Bezug auf sich selbst im Dunkeln tappt, dann kann der mir den Weg auch nicht ausleuchten."

Rüdiger Hossiep macht aber auch die Wirtschaftskrise für das schlechter werdende Führungsverhalten verantwortlich. Zunehmender Druck belaste die Chefetagen und werde nach unten weitergegeben.

"Es geht zum Teil auch um die eigene Existenz der Firma, es geht um den Job an vielen Stellen, hier versucht man sich im Sinne von Effizienzbemühungen immer besser aufzustellen; und da ist man natürlich geneigt, vordergründig diese weichen Faktoren, die aber eine sehr große Rolle spielen wie etwa Führung oder das Umgehen miteinander, hinten anzustellen."

Auch wenn das viele Mitarbeiter so sehen, die Chefs haben da häufig eine ganz andere Wahrnehmung. Die Studie der Ruhr-Universität Bochum hat auch Führungskräfte befragt, wie sie sich selbst anonym einschätzen. Hier sind die Ergebnisse noch überraschender.

"Hier ist es krass, dass sehr viele Führungskräfte sich extrem positiv selbst wahrnehmen und so beschreiben, und das hat sicherlich auch etwas mit zunehmendem Druck zu tun."

Wie es zu den unterschiedlichen Wahrnehmungen kommt, das soll nun erforscht werden. Teilnehmer an der Studie bekommen auf Wunsch eine kostenlose Auswertung ihrer Ergebnisse. Die kann zum Beispiel dazu genutzt werden, sein Führungsverhalten auf den Prüfstand zu stellen und zu verbessern. Vorgesetzte können auch das Führungsverhalten von anderen Führungskräften, die ihnen unterstellt sind, einschätzen. Der kostenlose und anonyme Test läuft noch weiter.

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