• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 06:10 Uhr Informationen am Morgen
StartseitePISAplusSchlechtes Image07.05.2011

Schlechtes Image

Der Bachelor hat's noch schwer

Auf der Kontaktmesse der Kieler Universität "contacts" zeigte sich die große Unsicherheit, die noch immer über den Bachelor-Abschluss und seinen Wert besteht. Rund 5000 interessierte Studenten und Absolventen trafen dort auf 60 Firmen.

Von Axel Schröder

Die Einführung der Bachelor- und Masterabschlüsse hat vielerorts für Kritik und Proteste gesorgt. (AP)
Die Einführung der Bachelor- und Masterabschlüsse hat vielerorts für Kritik und Proteste gesorgt. (AP)

Eine halbe Stunde nach Eröffnung der "contacts", der Kontaktmesse der Kieler Universität, ist der weiße Zeltbau vor dem Audimax schon gut besucht. Die Studentinnen und Studenten stehen Schlange vor den 60 Firmenständen, wollen wissen, welche Abschlüsse sie für eine Anstellung mitbringen müssen. Nachgefragt bei den Personalmanagern scheint sich das Standardargument gegen die Bachelor-Abschlüsse zu bestätigen: Es fehle an Tiefe und an praktischer Erfahrung der Absolventen, so Thorsten Brodersen von Funkwerk, einem Anbieter von Kommunikationssystemen:

"Ich habe manchmal das Gefühl, dass diejenigen, die dieses Studium machen, wenn sie zu uns kommen selber das Gefühl haben, sie wissen noch zu wenig. Eine gewisse Unzufriedenheit der Studierenden an sich."

"Ein Stück weit merken wir, dass viele Bachelor-Studenten zum Teil die Zeit fehlt. Weil viel Stoff in wenigen Studienjahren untergebracht ist. Das macht es für einige ein bisschen schwierig, Praxiserfahrung zu sammeln, weil sie eben viel Stoff in wenig Zeit lernen müssen. Wenn man das noch irgendwie anpassen könnte durch einen komprimierteren Lernauftrag, wäre das vielleicht eine Möglichkeit."

Diesen Vorschlag macht Pia Jedamcyk, Referentin in der Personalabteilung beim Medizintechnik-Anbieter Stryker. Das Unternehmen, so Jedamcyk, begegne den Schwächen des Bachelor-Abschlusses mit eigenen Angeboten:

"Wir bieten ein industriebegleitetes Studium an, wo die Bachelor-Studenten in den Semesterferien Vollzeit für uns arbeiten, in der Woche als Aushilfskraft, ganz früh ins Unternehmen reinschnuppern können. Und das ist sehr, sehr schön."

Allerdings haben Bewerber mit einem Master in der Tasche am Ende oft die besseren Jobchancen als ihre Konkurrenten mit dem Bachelor, so Jedamcyk.

Unter den Studenten sind die Meinungen zu den Abschlüssen geteilt:

"Ich habe bisher nur sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich studiere BWL, und gerade da ist es halt sinnvoll, dass die Leute, die schnell in die Praxis wollen, wirklich schnell in die Unternehmen kommen und die anderen, die wirklich weiter gehen wollen, dass die dann eben ihren Master machen und dann weitergehen."

" Ich bin mir nicht ganz sicher, inwieweit der Bachelor von den Unternehmen wirklich anerkannt wird. Oder was man damit erreichen kann. Ist einfach eine große Unsicherheit."

Und die Ausdehnung der Bachelor- und Master-Abschlüsse auf das Lehreramts-Studium hätte ganz absurde Folgen:

"Was soll ein Lehramts-Student mit seinem Bachelor? Wenn er dann seinen Master-Schnitt, also den Mindestschnitt von 2,5 nicht bekommt, hat er einen Bachelor in der Tasche, kann damit aber nicht unterrichten. Und wenn man dann Fächer wie Deutsch und Geschichte studiert, steht man damit, glaube ich, ziemlich schlecht da mit einem Bachelor."

Nach einem Rundgang über die Messe steht Gerhard Fouquet, Präsident der Christian-Albrechts-Universität, vor dem Zelt. Er gibt zu: Am Image des Bachelors müsse man noch arbeiten. Aber einen mangelnden Praxisbezug kann er, zumindest in Kiel, nicht erkennen. Er fordert, wieder und wieder zu überprüfen, ob die Stofffülle nicht weiter reduziert werden könne. Gerhard Fouquet erklärt, warum das oft ein zäher Prozess ist:

"Die Universitäten sind eigentlich in den letzten Jahren erfolgreich dabei, die Anzahl der Prüfungen zu reduzieren, was nicht ganz einfach ist. Weil man die Professorinnen und Professoren davon überzeugen muss, dass das, was sie gerade vertreten, eigentlich nicht so wichtig ist, dass man es unbedingt in einer Endnote einspeisen muss."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk