Schleier über Kundus

Von Martin Gerner · 27.08.2010
Die Bilder haben an Aktualität nichts eingebüßt: brennende Tanklaster, zivile Opfer, Verlust der Unschuld. Ein Jahr nach dem fatalen Luftangriff unter deutschem Befehl spürt der Autor in Kundus den Ereignissen nach. Er erlebt eine Bevölkerung zwischen den sich verschärfenden Fronten, zwischen Aufständischen und ausländischem Militär. Welche Lebensentwürfe, Ziele und Träume lassen sich angesichts zunehmender Einschränkungen überhaupt noch formulieren?
Ein Wahlbeobachter engagiert sich voller Hoffnung auf demokratische Verhältnisse und wird bitter enttäuscht. Eine 18-jährige Radiojournalistin redet über Fortschritte in ihrem Leben, obwohl sie gezwungen ist, die Burka zu tragen. Ein Schüler dreht seinen ersten Film in einer Stadt, in der das letzte Kino gerade geschlossen wurde, weil die globale DVD-Kultur auch hier Einzug gehalten hat.

Während der Aufnahmen zu dem Feature explodieren erneut drei Tanklaster, diesmal mitten in der Stadt. Unfall oder Anschlag? Ein merkwürdiges Schweigen liegt über diesen und anderen Vorgängen.