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Schlingerkurs der Lufthansa verunsichert Mitarbeiter

Schlichtung zwischen streikenden Flugbegleitern und Airline

Von Christian Bremkamp, Deutschlandfunk

Seit 13 Monaten verhandelt Ufo mit der Lufthansa über höhere Entgelte
Seit 13 Monaten verhandelt Ufo mit der Lufthansa über höhere Entgelte (picture alliance / dpa /)

Nach Tagen des Schweigens sprechen sie wieder miteinander. Das war eine gute und wichtige Nachricht, die da am Mittag über die Ticker lief. Nicht nur, weil der heutige 24-Stunden-Ausstand die Fluggesellschaft erneut einen Millionenbetrag kosten und weiter an ihrem Image kratzen dürfte.

Viel wichtiger ist die Signalwirkung nach innen. Längst geht es nämlich nicht mehr nur um einen klassischen Tarifkonflikt. Ob fünf oder 3,5 Prozent mehr Gehalt – in diesem Punkt hätte längst eine Einigung erzielt werden können. Die Frontlinie verläuft inzwischen ganz woanders und es geht ans Eingemachte. Wo steht das Unternehmen und wo will es hin? Auf diese entscheidenden Fragen hat die Konzernspitze um Christoph Franz bislang keine schlüssigen Antworten geliefert, auch den Flugbegleitern gegenüber nicht.

Vision "Lufthansa 2020"? – Fehlanzeige! Stattdessen machen seit Monaten immer neue Gerüchte die Runde, vor allem, was die Gründung einer neuen Billig-Airline angeht. Solch ein Schlingerkurs verunsichert – die Kunden, vor allem aber die eigenen Mitarbeiter. Die sehen sich zudem mit einem rigiden 1,5 Milliarden Euro Sparprogramm konfrontiert, genannt "Score", im Hausgebrauch aber längst in "Scare", also: Angst, umbenannt.

Es ist klar, dass die Lufthansa auf eine veränderte Marktsituation reagieren muss. Die Kerosinpreise befinden sich weiter auf Höchstniveau, und die Konkurrenz aus dem arabischen Raum wird immer aggressiver. In dieser Situation nur zu sagen "weiter so", das wäre fahrlässig. Und das müssen auch die Flugbegleiter akzeptieren, die zu Recht auf eine faire Bezahlung pochen, die Realitäten dabei aber nicht aus den Augen verlieren dürfen.

Es geht mal wieder ums Maß halten UND! um gegenseitigen Respekt. Aus den Äußerungen der streikenden Flugbegleiter ist nämlich vor allem eines herauszuhören: Enttäuschung, das Gefühl, im Unternehmen nicht mehr wertgeschätzt zu werden. Das mag eine subjektive Wahrnehmung sein, aber auch die muss man ernst nehmen. Das ist eine Aufgabe für Lufthansa-Chef Christoph Franz, hier ist er gefordert. Keine leichte Übung bei so viel zerbrochenem Porzellan, zugegeben.

Aber ein erster Anfang scheint ja gemacht: Das Thema Leiharbeit auf der Berlin-Strecke soll schon bald der Vergangenheit angehören. Nun muss auch der Gewerkschafts-Vorsitzende Nicoley Baublies einen Schritt nach vorn machen, damit aus dem Sondierungstreffen bald schon wieder echte Tarifgespräche werden können. Denn wie hatte Baublies es kürzlich formuliert? Lufthansa drohe ihre "Seele" zu verlieren. Das will niemand: Die Chefetage nicht, die Flugbegleiter nicht und die Kunden schon gar nicht!

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