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StartseiteForschung aktuellSchmerbauch aus dem Mutterleib01.06.2006

Schmerbauch aus dem Mutterleib

US-Forscher untersucht pränatale Prägung für Fettleibigkeit

Genetik. – In Helsinki trifft sich derzeit die Gemeinde der Humangenetiker zum 11. Treffen der Humangenom-Organisation <papaya:link href="http://www.hugo-international.org/hugo/" text="HUGO" title="HUGO" target="_blank" />. Im Zentrum steht, welche Rolle das Genom bei Phänomenen wie Fettleibigkeit spielt. Offenbar spielt die Regulierung der Gene, die bereits im Mutterleib festgelegt wird, eine bedeutende Rolle. Der Wissenschaftsjournalist Michael Lange erläutert sie im Gespräch mit Uli Blumenthal.

Fettleibigkeit wird in hohem Maß im Mutterleib bestimmt. (AP)
Fettleibigkeit wird in hohem Maß im Mutterleib bestimmt. (AP)

Blumenthal: Herr Lange, welchen Anteil haben die Gene für die Entstehung von Übergewicht?

Lange: Die Gene spielen eine ganz große Rolle. Das wissen die Wissenschaftler aus der Untersuchung von Adoptivkindern. Wenn man das Gewicht von adoptierten Kindern nimmt, also Kindern, die direkt nach der Geburt adoptiert wurden, dann stellt man fest, dass sich dieses Gewicht viel stärker an den biologischen Eltern orientiert als an den Eltern, die die Kinder adoptiert haben. Also die Umwelt ist nicht so wichtig wie die Gene, und jetzt sucht man halt nach den eigentlichen Ursachen, nach diesen Genen.

Blumenthal: Glaubt man denn, dass man in diesen Genen wie in einem Buch lesen kann, ob jemand übergewichtig wird oder nicht?

Lange: Ja, das versuchen die Wissenschaftler seit einigen Jahren, aber sie haben eine einfache Antwort nicht gefunden. Statt dessen untersuchen sie nun die Aktivität der Gene. Das gehört zum breiten Feld der Epigenetik, das heißt so viel wie um die Genetik herum. Und sehr interessiert wurde hier auf die Ergebnisse von Rob Waterland gehört. Er arbeitet am Baylor College in Houston, Texas. Und er untersucht die Methylierung von Genen. Methylierung kann man sich vorstellen wie Verkehrszeichen. Das sind kleine Zeichen auf dem Erbgut drauf, und die sagen, dieses Gen soll sehr aktiv sein, oder dieses Gen soll nicht so aktiv sein. Und diese Verkehrszeichen, die werden zum ganz großen Teil schon während der Schwangerschaft, im Mutterleib im Embryo gesetzt, das ist gewissermaßen eine Prägung, die stattfindet, und diese Prägung spielt anscheinend auch eine Rolle beim Übergewicht.

Blumenthal: Wie kann nun diese Prägung während der Schwangerschaft beeinflusst, behindert oder verstärkt werden? Gibt es dazu schon Aussagen?

Lange: Nun muss man sagen, Rob Waterland hat hauptsächlich an Mäusen geforscht. Er hat also nur Tierversuche gemacht und was er gefunden hat, ist, dass Vitamine zum Beispiel eine ganz große Rolle spielen. Vitamine ändern diese Verkehrszeichen. Und nun ist er dabei zu untersuchen, ob zum Beispiel auch Überernährung der Mutter auf den Embryo wirkt. Also, wenn die Mutter zuviel isst, werden diese Verkehrszeichen umgestellt, die Dickmachergene werden aktiv und dann werden die Kinder dicker. Und wenn sich das über Generation zu Generation fortsetzt, dann bleiben die Gene, die eigentlichen Erbanlagen zwar die gleichen, dennoch würden die Kinder von Generation zu Generation immer dicker. Und diesen Effekt hat er in Ansätzen, bei Mäusen gefunden, und das ist natürlich eine sehr interessante Theorie, die könnte zum Beispiel auch zutreffen für Längenwachstum. Es ist ja so, dass wir eigentlich die Gene unserer Eltern haben, trotzdem ist es in den letzten Generationen immer so gewesen, dass die jetzige Generation größer ist als die Vorgängergeneration, größer ist als die Vorgängergeneration. Obwohl es die Gene sind, die Schalter ändern sich, und die ändern sich während der Schwangerschaft. Also die Versorgung ist besser geworden während der Schwangerschaft. Das führt zu mehr Größe, aber anscheinend auch zu mehr Übergewicht.

Blumenthal: Sie haben schon eingeschränkt, dass es Versuche an Mäusen sind. Inwieweit lässt sich doch mögliches schon auf den Menschen übertragen?

Lange: Rob Waterland ist da ganz vorsichtig. Er sagt, es könnten andere Gene sein, es könnten auch andere Verkehrszeichen sein, aber dieses Prinzip, das er hier entdeckt hat, das scheint doch eine ganz große Rolle zu spielen, diese Prinzip der Verkehrsschilder, der Epigenetik scheint auch für das übergewicht eine ganz große Rolle zu spielen, und damit spielt auch das Essen während der Schwangerschaft eine große Rolle.

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