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Schmutzige Wäsche

Greenpeace kritisiert Sportartikelhersteller wegen Nonylphenol in Textilien

Von Axel Schröder

In Asien sind Fische mit Nonylphenol belastet. Die Chemikalie wird dort in Flüsse abgeleitet.
In Asien sind Fische mit Nonylphenol belastet. Die Chemikalie wird dort in Flüsse abgeleitet. (Gretel Rieber)

Firmen wie adidas, Nike oder H&M lassen ihre Kleidung unter anderem in China, Kambodscha oder Vietnam herstellen. Dabei wird häufig Nonylphenol verwendet, eine Chemikalie, die bei uns verboten ist. Greenpeace fordert nun, das umweltschädliche Nonylphenol bitteschön auch in Asien zu verbieten.

Die gute Nachricht kommt zuerst: wer sich gerade einen neuen Trainingsanzug, ein T-Shirt oder einen Kapuzenpulli für das Joggen nach Feierabend gekauft hat, muss sich keine Sorgen um seine Gesundheit machen: Nonylphenol, der Stoff, den Greenpeace in einem Drittel der 78 untersuchten Kleidungsstücke gefunden hat, ist darin nur in sehr kleinen und unbedenklichen Mengen enthalten. Um welchen Stoff es sich dabei handelt, erklärt Manfred Santen, Autor der Greenpeace-Studie "Schmutzige Wäsche":

"Nonylphenol kommt in der Natur nicht vor. Das wird künstlich hergestellt, von Menschen produziert. Und das nur, um Industrieprozesse zu beschleunigen oder einfacher zu machen. Es hat sonst keine Funktion in der Natur."

Dafür aber in der Produktion. Die Sporttextilfabriken in Asien kommen bisher ohne den Stoff nicht aus, genauer gesagt: nicht ohne Nonylphenoletoxylate, kurz: NPE. Der Stoff wird beim Färben und Auswaschen, bei der Behandlung von Oberflächen oder beim Herstellen von aufgedruckten Schriftzügen und Mustern eingesetzt. Diese Nonylphenoletoxylate wandeln sich nach der Einleitung in Flüsse und Seen in giftiges und hormonell aktives Nonylphenol. Und das, so Santen, ist einfach nachweisbar. Zum Beispiel in der Nähe der chinesischen Fabriken an den Ufern des Jangtse-Flusses oder im Pearl River.

"Greenpeace China hat vor zwei Jahren festgestellt, dass Nonylphenol und perflorierte Kohlenwasserstoffe im Fluss nachzuweisen sind. Und hat im vergangenen Jahr eine Studie rausgegeben, in der festgestellt wurde, dass Fische mit Nonylphenol belastet sind. Und zwar in Regionen, in denen Millionen von Menschen leben, die ihre Nahrungsmittel aus dem Fluss gewinnen. Das heißt, für die sind Fische das Hauptnahrungsmittel."

Der Einfluss der Substanz auf Seelachse, auf Hummer, Krabben und Flusskrebse ist wissenschaftlich belegt. Der nur schwer biologisch abbaubare Stoff greift in die Fortpflanzung der Tiere ein und tötet Grünalgen und Kleinstlebewesen . Deshalb hat die EU den industriellen Einsatz von Nonylphenoletoxylaten schon 2003 verboten. Hierzulande darf der Stoff nur noch in geschlossenen Kreislaufsystemen eingesetzt werden. Dieses Verbot wird mit der Produktion der Textilien in Asien de facto umgangen. Deshalb will Greenpeace die Markenartikel-Hersteller jetzt in die Pflicht nehmen und zwar für die gesamte Produktionskette. Vor zwei Monaten startete Greenpeace die sogenannte "Schmutzige-Wäsche"-Kampagne. Mit ersten Erfolgen: mit Puma und Nike haben sich zwei große Sportartikelhersteller zum Verzicht auf NPE verpflichtet: bis 2020 soll ein Ersatz gefunden werden, versprechen die Hersteller. Neun lange Jahre soll das dauern:

"Wir finden das auch lang! Man könnte das auch schneller schaffen. Aber: man muss berücksichtigen, dass der Textilherstellungsprozess enorm zerklüftet ist. Es gibt Unmengen von Fabriken und Herstellern, Lieferanten, die daran beteiligt sind. Das ist tatsächlich ein ambitioniertes Ziel, dass innerhalb von neun Jahren komplett zu schaffen. Weil wir gesagt haben: alle Chemikalien, aus dem gesamten Produktionsprozess, das heißt: aus allen Produkten, die beispielsweise Puma herstellt."

Mehr als zögerlich geht Adidas das Thema an: eine Selbstverpflichtung oder gar ein Zieldatum, an dem Nonylphenoletoxylate aus der Produktion verschwinden müssen, lehnt Adidas ab. Zwar unterstütze die Firma die Forderungen von Greenpeace nach einem Verzicht auf NPE. Aber erst einmal, sagt Unternehmenssprecherin Katja Schreiber, wolle man mit der Konkurrenz und den Zulieferern das Problem diskutieren:

"Unser konkreter Ansatz ist, dass wir die anderen Marken innerhalb der Textilindustrie kontaktiert haben und mit denen gemeinsam an einer Lösung arbeiten wollen. Und wir glauben, dass nur gemeinsam mit allen anderen Beteiligten wirklich diese Ziele erreicht werden können."

Bis NPE aus der Bekleidungsindustrie verschwindet, wird es also noch dauern. Und selbst wenn dieser Schritt getan ist, werden noch etliche andere Chemikalien dabei eingesetzt. Nach der bisher noch geltenden Faustregel: für ein Kilo verarbeiteten Stoff sind sechs Kilogramm Chemikalien nötig.

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