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StartseiteCampus & KarriereErst ausprobieren, dann entscheiden09.07.2014

SchnupperstudiumErst ausprobieren, dann entscheiden

Besonders in den naturwissenschaftlichen Studiengängen ist die Abbrecherquote sehr hoch. 40 Prozent der Erstsemester setzen ihr angefangenes Studium nicht fort. Abhilfe könnte ein Projekt der TU Berlin verschaffen, das darauf und dran ist, Schule zu machen.

Von Mareike Knoke

Studenten sitzen am Campus Koblenz der Universität Koblenz-Landau im großen Hörsaal. (dpa / picture alliance / Thomas Frey)
In naturwissenschaftlichen Fächern ist die Quote der Studienabbrecher nach dem ersten Semester sehr hoch. (dpa / picture alliance / Thomas Frey)
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Mit 18 Abitur, dann gleich an die Uni. Und am besten ein zukunftsträchtiges ingenieurwissenschaftliches Fach studieren - wegen des Fachkräftemangels. Aber viele Studienanfänger scheitern, die Abbrecherquoten sind hoch. Weil ein MINT-Fach eben doch nicht das Richtige ist. An der TU Berlin können Abiturienten ein Jahr lang genau das testen. Ohne Leistungsdruck.

Testlauf Studium 

Morgens um kurz vor zehn im großen Hörsaal des Mathematikgebäudes der TU Berlin. Gerade ist die Vorlesung "Organische Chemie für Hörer anderer Fakultäten" zu Ende gegangen. Unter den Studierenden sind auch Tim Zander und Theresa Staudacher, 19 und 18 Jahre alt. Sie besuchen als eingeschriebene Studierende Lehrveranstaltungen wie alle anderen auch. Was sie jedoch unterscheidet: Sie absolvieren die letzten Wochen ihres Schnupperstudiums MINT grün und haben ein Jahr lang ausprobiert, ob ein Studium im ingenieurwissenschaftlichen, mathematischen oder naturwissenschaftlichen Bereich überhaupt das Richtige für sie wäre.

Tim Zander: "Das Angebot, mal auszuprobieren, fand ich super, weil ich mir nicht gleich nach dem Abitur, mit 18 Jahren, riesigen Druck aufbauen und voll anfangen wollte zu studieren, sondern erstmal ruhig gucken. Und dann nach einem Jahr weiß ich, was ich machen will, dann bin ich auch motiviert, weil ich weiß, auf was es hinausläuft. Und das heißt: Wissen, was studiere ich danach. Ich habe Chemie mir angeguckt, dann habe ich mir Mathe angeguckt. Dann habe ich mir Mikrobiologie angeguckt, das war richtig super, hat mich sehr überzeugt." Theresa Staudacher: "Ich hatte Mathe und Chemie-LK. Und das hat mich total interessiert. Aber ich wollte eben nicht Mathematik studieren oder reine Chemie. Und ich hatte gar keine Ahnung, was es sonst noch gibt."

Anforderungen des Uni-Allltags

Inzwischen weiß Theresa Staudacher, welche Anforderungen der Uni-Alltag bereit hält: "Ich habe Vorlesungen, dann Tutorien. Und ich habe auch MINT grün-Labore, die extra angeboten werden. Und man muss Hausaufgaben machen. So ein ganz normaler Studienalltag, den lernt man auch bei MINT grün halt kennen."

Die Studierenden auf Probe können zwar bereits Leistungspunkte erwerben und für ein späteres Fachstudium anrechnen lassen. Im Vordergrund des Orientierungsjahrs steht jedoch der Realtiätscheck. Denn viele Studienanfänger in den MINT-Fächern erleiden einen Schock, wenn sie in den Grundlagenvorlesungen mit Mathematik, Physik oder Chemie konfrontiert werden, die nichts mehr mit dem vertrauten Schulstoff zu tun hat. Die Folge: Die Studienabbrecherquoten liegen in den Ingenieurstudiengängen im Schnitt noch immer bei 40 Prozent. Tim Zander kommt zwar mit fast allem gut zurecht, hat nun aber realistischere Vorstellungen von den getesteten Fächern. Auch weil das Studienjahr intensive Betreuung und viele praktische Übungen vorsieht. Tim Zander: "Durch MINT grün habe ich dann mitbekommen, wie die Studiengänge Lebensmitteltechnologie und Biotechnologie in der Praxis sind, dadurch dass ich verschiedene Praktika und zudem auch noch ein Projekt mitmachen konnte. Und habe dabei entdeckt, dass Biotechnologen und Lebensmitteltechnologen größtenteils im Labor arbeiten - was für mich nichts wäre. Theresa schwankt noch zwischen Maschinenbau oder Verfahrenstechnik: "Aber ich weiß auch, dass Studieren genau das Richtige für mich ist. Das ist so die größte Erkenntnis - und dass MINT genau das ist, was ich will."

Seit zwei Jahren gibt es das Schnupperstudium

Solche Äußerungen freuen Christian Schröder, den Projektleiter von MINT grün. Das Projekt läuft seit zwei Jahren und wird aus Mitteln des Qualitätspakts Lehre des Bundesbildungsministeriums finanziert. 177 Studierende waren es im zweiten Durchlauf. Bislang sind vier Fakultäten daran beteiligt, bald könnten auch die geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer dabei sein. Noch liegen keine konkreten Zahlen über die Wirkung des Schnupperstudiums vor, "aber bisher, nach allem was wir bis jetzt wissen, sieht es gut aus, dass diese Studierenden sich eben nach einem Jahr viel bewusster für ein Studium entschieden haben, eine fundierte Studienwahl getroffen haben. Und hinterher nicht mehr abbrechen", so Schröder.

Die TU scheint mit ihrem Orientierungsjahr im Trend zu liegen. Es gibt Nachahmer. Schröder: "Also, wir haben uns schon ausgetauscht mit mehreren Hochschulen, die uns gefragt haben, wie wir es gemacht haben, um ein ähnliches Konzept bei sich selbst aufzubauen. Ein direktes Vorbild waren wir für ein jetzt in diesem Wintersemester startendes Programm: Das Studium MINT an der TU München. Die haben sich sehr intensiv mit uns ausgetauscht, auch im Vorfeld, um Impulse zu kriegen, wie sie das weiterentwickeln."

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