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StartseiteVerbrauchertippWahlfreiheit beim Kehren nutzen29.12.2017

SchornsteinfegerWahlfreiheit beim Kehren nutzen

Früher gab es den sogenannten Bezirksschornsteinfeger, der mit seinen Gesellen dafür zuständig war, dass die Kamine vorschriftsmäßig und möglichst sauber rauchten. Heute ist der Schornsteinfeger-Markt liberalisiert. Eigentümer können frei wählen, wer bei ihnen ein- und auskehrt, müssen aber auch einiges beachten.

Von Bernd Debus

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Der Schornsteinfegermeister Horst Lauseker auf dem Dach eines Hauses in Karlsruhe an einem Schornstein. (Uli Deck/dpa )
Therme überprüfen, Schornsteine fegen, Abgaswerte messen: Der Kaminkehrer-Job ist vielseitig (Uli Deck/dpa )
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Rudi ist Hausbesitzer und Schornsteinfeger-Kunde. Und auch, wenn er sonst kein Fan staatlicher Kontrolle ist, beim Kaminkehrer macht er eine Ausnahme:

"Schornsteinfeger vorweg ist dringend erforderlich, weil viele unterschätzen die Gefahr. Also wenn eine Feuerungsstelle nicht in Ordnung ist oder der Schornstein nicht in Ordnung ist, dann kann das natürlich zu Vergiftungen kommen, Kohlenmonoxid und so weiter."

Früher, da kam der Schornsteinfeger deshalb quasi als Amtsperson ins Haus. Pro Kehrbezirk gab es einen Bezirksschornsteinfeger, der mit seinen Gesellen dafür zuständig war, dass die Kamine vorschriftsmäßig und möglichst sauber rauchten.

Heute ist der Markt für Schornsteinfeger liberalisiert. Der Bezirksschornsteinfeger heißt jetzt "Bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger" und seine Pflichtaufgaben wurden deutlich reduziert. Aribert Peters, vom Bund der Energieverbraucher:

"Der Bevollmächtigte Schornsteinfeger muss jetzt amtlich, hoheitlich praktisch, das Kehrbuch führen. Und er muss zweitens eine Feuerstättenschau machen, zwei Mal alle sieben Jahre."

Außerdem ist der Bevollmächtigte Schornsteinfeger noch für die Abnahme neuer Heizungsanlagen, Kaminöfen oder Schornsteine zuständig.

Alle anderen Arbeiten dürfen Hauseigentümer frei vergeben. Welche das sind, und wann sie erledigt werden müssen steht im sogenannten Feuerstättenbescheid, den ebenfalls der Bezirksschornsteinfeger ausstellt. Dabei geht es dann vor allem um Emissionsmessungen, Kehrarbeiten und die Abgaswegeprüfung.

Wer nicht den angestammten Bezirksschornsteinfeger, sondern einen freien Schornsteinfeger mit diesen Aufgaben betraut, erhält vom beauftragten Unternehmen hinterher eine Bescheinigung, dass ordnungsgemäß gekehrt, gemessen und geprüft wurde.

Mehr freie Preisgestaltung

Und noch etwas hat sich geändert:

"Nämlich die Preise jetzt für die Kehrarbeiten sind mit der Liberalisierung auch nicht mehr amtlich fixiert. Das heißt, der Schornsteinfeger kann nehmen, was er will, oder beziehungsweise was vorher vereinbart war."

Wer einen freien Schornsteinfeger sucht, findet ihn am einfachsten über eine Internet-Suchmaschine oder über das BAFA, das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Die Registrierung beim BAFA ist auch Garant dafür, dass ein Schornsteinfeger ausreichend qualifiziert ist.

Die Idee des Gesetzgebers war, dass sich mit der Liberalisierung des Marktes ein Wettbewerb unter den Schornsteinfegern entwickelt, von dem am Ende die Hausbesitzer profitieren. Aribert Peters:

"Also die Arbeiten, die Kosten jetzt so fünfzig bis siebzig Euro im Jahr und man kann davon vielleicht ein Drittel einsparen. Also so dramatisch ist das nicht. Für viele Leute ist das eine Prinzip-Frage. Hier ist der freie Wettbewerb und den will ich nutzen."
 
Bis es mit dem Wettbewerb unter den Schornsteinfegern wirklich funktioniert, wird wahrscheinlich noch etwas dauern.

Rudi, Hausbesitzer und Schornsteinfeger-Kunde, betrachtet die Lage realistisch, aber nicht hoffnungslos:

"Das ist halt so, eingeschliffene Geschichten und es ist die Frage, wer soll da aufräumen."
 
Die Antwort hat er auch gleich parat:

"Der Bürger, der Bürger muss sich kümmern, sonst wird‘s nichts."

Zum Schluss sei noch gesagt, dass Rudi gar nicht Rudi heißt. Aber er möchte auf keinen Fall Stress mit seinem eigenen Schornsteinfeger haben und deshalb vorsichtshalber anonym bleiben.
 

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