PISAplus / Archiv /

 

Schule 2.0.

Angebote zur digitalen Schule auf der Frankfurter Buchmesse

Von Afanasia Zwick

Der Trend geht vom analogen zum digitalen Klassenzimmer.
Der Trend geht vom analogen zum digitalen Klassenzimmer. (picture alliance / dpa / Bernd Wüstneck)

Smartphone statt Schulheft, Fernbedienung statt Füller und 3D-Brille statt Lesebrille- so sehen die Unterrichtsmaterialien 2012 aus. Der Trend, die Schule zu digitalisieren, scheint unaufhaltsam. Dies zeigt sich auch auf der Frankfurter Buchmesse.

Digitales Lernen, Spracherwerb und die großen Herausforderungen Inklusion und Integration finden sich verstärkt auf den Anbietertischen der Frankfurter Buchmesse. Die Verlage haben den Informationsbedarf erkannt und auch Markt entdeckt. Im sogenannten "Digitalen Klassenzimmer" steht gerade Bildende Kunst auf dem Stundenplan. Michelangelos David dient als Anschauungsmaterial:

"Da seh ich, aha, der hat einen sehr großen Kopf, bzw. stimmen die Proportionen insgesamt nicht. Was hat sich der Künstler dabei gedacht? Perspektivische Verzerrung von unten nach oben. Mit 2dimensionelen Ansichten kann man so was überhaupt nicht vermitteln. Also überall da, wo die anderen Medien an die Grenzen stoßen, da schaffen wir ein zusätzliches Tool für den Lehrer. Es ist kein Ersatz. Also wir tun nicht das Schulbuch jetzt über Bord werfen."

Stefan Konegen hat die 3D-Tafel als ergänzende Unterrichtsmethode mitentwickelt. Für knapp 20.000 Euro haben bundesweit 20 Schulen das Hightech-Gerät schon vor ihre Kreidetafel geschoben. Der Trend, die Schule zu digitalisieren, sei unaufhaltsam, sagt Martina Wolff de Carrasco, Leiterin für den Vertrieb Bildung. Für sie ist ganz klar: erfolgreich lernen kann nur, wer auch Spaß dabei hat und sich am besten in der Schule ganz wie zu Hause fühlt:

"Auf die Kinder einzugehen und sie da abzuholen, wo sie sich in ihrem Alltag befinden. Und der ist natürlich stark geprägt Computer, Fernsehen, iPads. Das verändert das Lernen und auch die Art der Aufnahme und vielleicht verkürzt das auch die Aufmerksamkeitsspanne. Und so wird versucht, auch spielerisch da anzusetzen und den Kindern entgegen zu kommen, weil man ja möchte, dass sie bei der Stange bleiben."

Moderne Gruppen- und Teamarbeit, bei der sich die Schüler die Inhalte selbst erarbeiten, ersetzen aber nicht nur den veralteten Frontalunterricht: Der Wandel hin zu interaktivem Lernen, weg von der klassischen 45-Minuten-Stunde, fördere auch die Inklusion. Kinder mit Migrationshintergrund oder Lernschwächen wollten und könnten sich durch die neuen Medien besser beteiligen. Auch die Schulbuchverlage stellen Integration in den Fokus. Ihr Weg lautet: Die eigene Sprache als Fremdsprache kennen lernen. Reinhard Ahrens vom Cornelsen-Verlag über das druckfrische Lesebuch "der, die, das":

"Kontrastiv uns deutschen Muttersprachlern einen Spiegel vorhalten, was die deutsche Grammatik angeht und wo für Kinder aus der Türkei oder Jugoslawien entlang der deutschen Grammatik die Schwierigkeiten auftauchen. Also, solche Klippen, um die geht es."

Und wie lassen sich englisch, französisch und spanisch leichter lernen?

"’Schaut mal, wispert Jim Knopf, da ist die Straße, die wir suchen und da ist the house, das Haus von Frau Mahlzahn.’ Das heißt, sie bekommen die Vokabel the house mal eben nebenher mitgegeben, haben wahrscheinlich gar nicht gemerkt, dass das das erste englische Wort ist und haben es danach, so wie Kinder sind, schon verinnerlicht.""

Der Trick sei vor allem, dass man Geschichten mit bekannten Charakteren verbindet, sagt Anne Pelzer vom PONS-Verlag. Und egal ob in Mathematik, Sport oder Gemeinschaftskunde- die Buchmesse zeigt: alle Fächer werden für den Schüler alltagstauglich gemacht: In Mathe rechnet man sich die Torchancen für den eigene Heimatverein aus, in Sport filmen die Schüler den Klassenbesten beim Weitsprung und posten es anschließend bei Facebook, und in Gemeinschaftskunde erleben sie den 30-jährigen Krieg in 3D.

"Keine großen Inhalte. Die Kinder heute wollen nicht mehr lesen, sie wollen mit ihren Smartphones spielen. Was ich bedaure, ist, dass die ernsthaften Themen nicht so sehr im öffentlichen Interesse stehen wie Gelder bereit stehen für Witheboards, für digitale Unterrichtsmodelle. Weil die Basis dafür ist die Lese,- Sprach,- Rechtschreibekompetenz. Und die gibt es halt im Moment nicht."

Michael Geiger, Abteilungsleiter des Bildungsmedienservice, empört sich darüber, dass es scheinbar niemanden interessiert, dass ein 4.Klässler aus Berlin den Wissensstand eines 2.Klässlers aus Bayern hat. Er macht dafür vor allem die neuen Trends im Bildungsbereich verantwortlich.

Literatur:
"Der, die, das. Sprache und Lesen eins."
Cornelsen. 14.95 Euro.
ISBN: 978-306 08 19 607.

"Englisch lernen mit Jim Knopf. In den Klauen von Frau Mahlzahn."
Pons. 12.99 Euro
ISBN: 978-312 56 14 666.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

PISAplus

BegabtenförderungGeförderte Schwache - gelangweilte Starke

Unterricht an der Heinz-Brandt-Sekundarschule in Berlin-Weißensee.

PISA, Iglu und Co. machen es deutlich: Schüler in Deutschland werden im internationalen Vergleich besser. Allerdings nur die Schwachen. Besonders begabte Schüler seien hingegen zunehmend unterfordert, kritisieren Lehrervertreter und Bildungsforscher. Die Schwachen würden nicht gestärkt, wenn die Starken gebremst würden.

Hochbegabtenförderung Kein einheitliches Konzept für die Berliner Schulen

AusbildungViele Hochbegabte sacken schulisch ab

Grundschüler aus der Klasse 3 a der Nils-Holgersson-Grundschule in Schwerin tippen am Donnerstag (06.10.2011) englische Vokabeln in die Computertastatur. Surfen, chatten, twittern, skypen - Kinder und Jugendliche sind meist viel fixer mit dem Computer als ihre Lehrer und Eltern. Zum medialen Training sollte der PC normales Arbeitsmittel im Unterricht werden, fordern Schüler- und Elternvertreter.

Hochbegabte haben es oft schwer, werden gemobbt und langweilen sich im Schulalltag. Viele Lehrer wissen nicht, was sie mit diesen Schülern anfangen sollen. In Münster gibt es das internationale Zentrum für Begabungsforschung - dort werden Hochbegabte beraten.