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StartseiteCampus & KarriereMethode gegen Mobbing06.10.2016

Schule testet Olweus-ProgrammMethode gegen Mobbing

Mobbing-Opfer gibt es fast an jeder Schule. Die betroffenen Schüler leiden oft ein Leben lang an den psychischen Folgen. Der norwegische Psychologe Dan Olweus hat eine Methode entwickelt, mit der das Klassenklima verbessert werden kann. Eine Schule in Baden-Württemberg testet es seit einem Jahr.

Von Eva Götz-Laufenberg

Ein Junge wird ausgegrenzt. (Imago)
Mobbing wird oft zu spät erkannt - die Olweus-Methode soll Schüler, Lehrer und Eltern für das Thema sensibilisieren. (Imago)
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"Bei meinem Cousin auf der Berufsschule wurde anscheinend so heftig gemobbt, dass der sich vor den Zug geschmissen hat."

Solche krassen Fälle hat es an der Realschule Waibstadt noch nicht gegeben, aber das alltägliche Mobbing beschäftigt die Schüler der 8. Klasse trotzdem.

"Ich denk schon, dass es wichtig ist darüber zu reden, aber schwer ist es auch."

Thema Mobbing steht auf dem Stundenplan

Auch wenns schwerfällt: Über Mobbing zu reden, steht in Waibstadt regelmäßig auf dem Stundenplan. Die Realschule nimmt Teil am Pilotprojekt der Uni Heidelberg. Schulleiter Klaus Sauer:

"Es ist uns ein Grundbedürfnis, dass die Schülerinnen und Schüler gerne zur Schule kommen, dass die angstfrei unterrichtet werden können."

Bei Elterngesprächen wurde ihm klar, dass Mobbing auch an seiner Schule ein Thema ist, das gerne totgeschwiegen wird.

"Da sind die Eltern zu mir hergekommen, haben sich dann beklagt über Situationen, wo das Kind gemobbt wurde. Dann hab ich die Eltern angesprochen, seit wann besteht denn die Situation und die Eltern haben mir gemeldet, ja, das besteht schon ein halbes Jahr. Da war ich sehr verwundert darüber, dass man zu so einem späten Zeitpunkt zu mir kommt, und ich hab dann gedacht, wenns solche Fälle gibt, muss man die viel früher erkennen."

Mobbing früh erkennen

Und das genau ist der Ansatz der Mobbing-Präventionsmethode des norwegischen Psychologen Dan Olweus. Michael Kaess, Psychologe am Uniklinikum Heidelberg und Projektleiter der Studie:

"'Olweus' ist ein Programm, was nicht nur der Prävention von Mobbing, sondern vor allem der Verbesserung des Schulklimas und des Sozialverhaltens an Schulen dient. Und es ist ein Programm, das bewusst darauf abzielt, die gesamte Anzahl aller an einer Schule sich befindenden Menschen zu involvieren. Also von der Schulleitung über die gesamte Lehrerschaft, anderes Schulpersonal, Schüler, Eltern."

Zehn Schulen in Baden-Württemberg sind seit einem Jahr dabei, im neuen Schuljahr sind nun noch mal zehn Schulen dazugekommen. Drei Jahre lang wird insgesamt getestet, ob die sehr aufwendige Methode auch ins deutsche Schulsystem passt. Die Erfahrungen, die in Skandinavien und den USA gemacht wurden, sind gut. In Norwegen sank die Zahl der Mobbing-Fälle bis zu 70%.

Mobbing-Fälle in Norwegen konnten stark reduziert werden

"Nicht umsonst ist das Olweus-Programm auch dasjenige, was wissenschaftlich bisher als einziges Präventionsprogramm international gute Wirksamkeitsnachweise erbracht hat."

In der 8. Klasse der Realschule Waibstadt hängt ein von den Schülern künstlerisch gestaltetes Plakat an der Wand, auf dem die Benimmregeln stehen, die sich die Klasse verordnet hat:

"Wir werden andere Schüler nicht mobben. Wir werden versuchen, Schülern, die gemobbt werden zu helfen. Wir werden uns Mühe geben, Schüler einzubeziehen, die ausgegrenzt werden. Ist uns bekannt, dass Schüler gemobbt werden, werden wir das dem Klassenlehrer oder einem anderen Lehrer und zuhause melden."

In den Klassenlehrer-Stunden werden Rollenspiele gemacht, in denen Mobbing-Situationen simuliert und anschließend besprochen werden. Die Lehrer wiederum nehmen an Supervisionsgruppen teil. Auch die Eltern und das Schulumfeld werden immer wieder auf das Thema aufmerksam gemacht und angeregt, Beobachtungen sofort zu teilen.

Weggucken macht Mobbing erst möglich

Denn das Weggucken macht Mobbing erst möglich. Ob das Schulklima sich wirklich verändert, wird in regelmäßigen anonymen online-Befragungen überprüft. Nach einem Jahr Arbeit nach der durchaus aufwendigen Olweus- Methode stellt Schulleiter Klaus Sauer aber bereits eine veränderte Sensibilisierung an der Realschule Waibstadt fest:

"Auch die Kollegen haben einen ganz anderen Blick darauf. Und es wurde dann auch gesagt von einigen, das war eher scherzhaft gemeint: Seit wir uns mit dem Mobbing- Programm befassen, hat die Anzahl der Mobbing-Fälle zugenommen."

Was ganz einfach daran liegt, dass jeder einzelne Fall plötzlich wahr- und ernst genommen wird.

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