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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Demontage der "ewigen Kanzlerin" hat womöglich begonnen03.02.2017

Schulz vor MerkelDie Demontage der "ewigen Kanzlerin" hat womöglich begonnen

Derzeit liegt der designierte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz in der Gunst der Wähler deutlich vor Regierungschefin Angela Merkel. Auch wenn viele Fragen noch offen seien und die SPD inhaltlich einiges zu klären habe, ein Erfolg von Schulz sei nicht mehr ausgeschlossen, kommentiert Dirk-Oliver Heckmann.

Von Dirk-Oliver Heckmann

Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz im Gespräch auf dem EU-Gipfel am 15. Dezember 2016 in Brüssel.  (picture-alliance / Belga / Christophe Licoppe)
Bundeskanzlerin Angela Merkel und der damalige EU-Parlamentspräsident Martin Schulz im Gespräch. (picture-alliance / Belga / Christophe Licoppe)
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Martin Schulz - im Willy-Brandt-Haus am vergangenen Sonntag wurde er gefeiert wie ein Messias. Nicht der vergleichsweise ungeliebte Sigmar Gabriel also wird die SPD in den Bundestagswahlkampf führen, sondern der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments. Auch führenden Genossen schien ein Stein vom Herzen zu fallen.

Die Begeisterung, die SPD-Funktionäre und -Anhänger an den Tag legten, folgte dem parteiinternen Drehbuch, hatte aber gerade deshalb etwas Bemühtes. Auf einem Plakat, das hochgehalten wurde, war Martin Schulz als deutsche Ausgabe des Barack Obama zu sehen, der Hope - also Hoffnung - zu seinem Wahlspruch gemacht hatte. Geht es auch eine Nummer kleiner?

Schulz ist innenpolitisch ein unbeschriebenes Blatt

Ist Martin Schulz wirklich der richtige Kandidat? Diese Frage kam nämlich auf, kaum war Gabriels Entscheidung zum Rückzug bekanntgeworden. Denn innenpolitisch ist Schulz ein unbeschriebenes Blatt. Daran haben auch seine Rede im Willy-Brandt-Haus und die folgenden Fernsehauftritte nichts geändert. Die Demoskopie aber scheint den Sozialdemokraten - und damit auch Gabriel - recht zu geben. Laut "Deutschlandtrend" von infratest dimap macht die SPD einen Sprung um acht Punkte auf 28 Prozent. Das ist der höchste Wert, der in der gesamten Legislaturperiode für die SPD gemessen wurde.

Noch deutlicher wird das, was nicht nur die Genossen schon "Schulz-Effekt" nennen, vergleicht man die Zahlen zwischen Schulz und Amtsinhaberin Angela Merkel. Würde der Kanzler direkt gewählt, würden sich 50 Prozent der Wähler für Schulz entscheiden. Und nur 34 Prozent für Merkel. Das sind Zahlen, die auf einen spannenden Bundestagswahlkampf hindeuten könnten.

Doch zwei Dinge sind dabei zu beachten: Auch als die letzte politische Sturzgeburt der Sozialdemokraten Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat hervorbrachte, machte sich kurzzeitig eine Wechselstimmung breit. Doch das war nicht mehr als ein Strohfeuer. Am Ende stand das zweitschlechteste Ergebnis in der Geschichte der bundesdeutschen Sozialdemokratie.

Was passiert bei konkreten Aussagen?

Zweitens: Wichtiger bei der Wahlentscheidung als der Kandidat ist die Frage, ob die Partei Lösungen anbieten kann. Und da hat die SPD - da hat Martin Schulz noch eine Menge Arbeit vor sich. Wie hältst Du es mit der Hartz-IV-Reform und der Agenda 2010, die der Partei immer noch in den Kleidern hängen? Wo verläuft die Balance zwischen der Offenheit eines Landes für Flüchtlinge und der Begrenzung unkontrollierter Zuwanderung? Und vor allem: Wie hältst Du es mit der Linken? Je konkreter Schulz werden muss, desto mehr verprellt er potenzielle Wähler.

Ausgeschlossen aber ist es nicht, dass Martin Schulz Erfolg hat. Denn immerhin 50 Prozent der Deutschen wünschen sich eine Regierung, die von Sozialdemokraten geführt wird. Die Demontage Angela Merkels als "ewige Kanzlerin" hat womöglich gerade erst begonnen.

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