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StartseiteInterviewSchwarz-Schilling wertet Bosnien-Wahlen als Erfolg02.10.2006

Schwarz-Schilling wertet Bosnien-Wahlen als Erfolg

Repräsentant erhofft sich Verständigung zwischen nationalen Parteien

Ungeachtet des Sieges der nationalen Parteien hat Christian Schwarz-Schilling die Wahlen in Bosnien-Herzegowina als Erfolg gewertet. Die Abstimmung sei sehr friedlich verlaufen, lobte der Hohe Repräsentant der internationalen Staatengemeinschaft für Bosnien-Herzegowina. Nun müsse man den Wahlsiegern von den nationalen Parteien der Muslime, Serben und Kroaten eine Chance geben, alte Vorurteile zu überwinden und zur Zusammenarbeit zu finden.

Moderation: Jochen Spengler

Schwarz-Schilling: "Ich würde jetzt nicht so negativ die Dinge sehen." (AP Archiv)
Schwarz-Schilling: "Ich würde jetzt nicht so negativ die Dinge sehen." (AP Archiv)
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Der lange Weg zur Versöhnung

Jochen Spengler: Ich würde Sie gerne fragen, wir haben eben gehört den Wahlausgang. Wie zufrieden sind Sie den mit dem Wahlausgang, haben die Falschen gewonnen?

Christian Schwarz-Schilling: Das kann man so nicht sagen. Ich kann durchaus verstehen, dass Leute wie Silajdzic, die sehr an ihrem Prinzip, dass dieser Staat ein Staat sein muss, festgehalten haben, eine Mehrheit bekommen haben. Jetzt kommt es darauf an, wie sie bereit sind, pragmatisch Schritt für Schritt in diese Richtung zu gehen oder an Prinzipien festzuhalten und gar keinen Schritt voranzukommen. Auf der anderen Seite ist ja Dodik auch sehr stark von der Republika Serbska, und da geht es dann gleich um die Frage, wie dieses Land aufgebaut werden soll, denn wie es im Moment läuft, ist es natürlich, wie ja fast jeder weiß, auf einer Grundlage, die damals den Krieg beendete, aber nicht eine Zukunftsgestaltung wirklich ermöglichte.

Spengler: Sind Sie denn der Ansicht, dass Bosnien-Herzegowina als Staat wirklich eine Zukunftschance hat?

Schwarz-Schilling: Ja, ja, da sind wir ja auch ein großes Stück vorangekommen. Wenn man daran denkt, dass die Währungsfrage, die Grenzpolizei, die einheitlichen Gesetze auf allen Gebieten, zum Beispiel Mehrwertsteuererhöhung und alles, also es hat ja alles sehr gut geklappt, und es liegt wirklich nur an der Überwindung alter gewisser Vorurteile und an einer Befriedung der Besorgnisse, die man gegenseitig hat.

Spengler: Aber man hat ja den Eindruck, dass die Serben in der Republika Serbska nicht zu Bosnien-Herzegowina gehören wollen, sondern in den serbischen Staat drängen wollen. Kann man Volksgruppen zum Zusammenleben zwingen?

Schwarz-Schilling: Nun, das ist insofern ja kein Zwang, das war ja eine Aushandlung im Dayton-Vertrag gewesen. Da ist ja die Republika Serbska erst gegründet worden. Die ist ja im Grunde genommen da eine Einheit in diesem Land, die es von den anderen Ethnien in dieser Form gar nicht gibt, und ob die dann nachher wirklich nach Serbien wollen, was ja heute auch mit riesigen Schwierigkeiten kämpft und im Grunde genommen noch voll dabei ist, die aus dem Krieg und aus dem ganzen Ding entstandenen Wunden zu lecken Ich glaube, es ist eigentlich mehr, dass die Serben der Republika Serbska, vor allen Dingen ihre politische Führer, sehr stark und mächtig sein wollen, weil sie Angst haben, sie würden unter Umständen ihre Identität verlieren, weil sie natürlich auch sehen, dass das im Moment nicht sehr gut klappt.

Spengler: Ihr Amt, Herr Schwarz-Schilling, als internationaler Aufseher, als Verwalter, soll ja Mitte nächsten Jahres enden, dann sollen die Bosnier selbst Politik machen. Ist das angesichts dieser Wahlergebnisse zu früh?

Schwarz-Schilling: Ja nun, das werden wir sehen, inwieweit sich Leute dann zusammenfinden. Ich würde nicht von vorneherein sagen, dass die politische Konstellation so ist, dass man überhaupt nicht zusammenarbeiten kann. Wollen wir mal sehen, wie die Regierung aussieht, ob es eine Koalition gibt, die auch arbeitsfähig ist. Ich würde jetzt nicht so negativ die Dinge sehen, schließlich ist ja die Wahl sehr gut verlaufen, sie ist friedlich verlaufen, hier sind nicht also alle Tage irgendwelche Gewalttaten, die man woanders auf dieser Welt überall sehen kann, auch dort, wo Demokratie ansteht und der Staatenaufbau betrieben wird. Hier ist das eigentlich sehr gut und auch sehr friedlich gelaufen. Man muss also sagen, dass man jetzt auch diesen Leuten eine Chance geben muss. Man sollte auch nicht diese Parteien teilweise als nationalistisch in Verruf bringen. Sie haben natürlich auch sehr viele Reformen innerhalb der Partei notwendig. Manche sind auf diesem Weg schon sehr weit gekommen. Man muss ja immerhin wissen, dass der schreckliche Völkermord und der Krieg gerade mal zwölf Jahre vorbei ist.

Spengler: Das war Christian Schwarz-Schilling, der Hohe Repräsentant der internationalen Staatengemeinschaft für Bosnien-Herzegowina. Herr Schwarz-Schilling, herzlichen Dank für dieses etwas verkürzte Gespräch.

Schwarz-Schilling: Bitteschön.

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