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StartseiteEuropa heuteRechter als Rechtsaußen09.09.2014

Schweden vor der WahlRechter als Rechtsaußen

Schwedens Rechtspopulisten sind im Umfragehoch. Die "Schwedendemokraten" könnten bei der Parlamentswahl am 14. September ein zweistelliges Ergebnis einfahren. Dass die Partei eine tiefbraune Vergangenheit hat, schert ihre Wähler offenbar nicht. Und rechts von den Biedermännern machen sich Brandstifter bereit.

Von Tim Krohn

Der Vorsitzende der rechtspopulistischen Schwedendemokraten, Jimmie Åkesson, bei einem Wahlkampfauftritt am 4. September. (picture alliance / dpa / EPA / /JANERIK HENRIKSSON SWEDEN OUT)
Der Vorsitzende der rechtspopulistischen Schwedendemokraten, Jimmie Åkesson (picture alliance / dpa / EPA / /JANERIK HENRIKSSON SWEDEN OUT)

Designerbrille, akkurater Scheitel, die Krawatte sitzt: Jimmie Akesson, der junge, erst 35-jährige Chef der Schwedendemokraten, gibt den adretten Biedermann im schwedischen Wahlkampf. Seine Partei will sich kümmern.

Und das kommt an bei den Leuten. Mehr als zehn Prozent könnten die Schwedendemokraten bei dieser Reichstagswahl holen, sogar zum Zünglein an der Waage werden. Dass Akessons Partei eine tiefbraune Vergangenheit hat – Schwedens Wähler schert das offenbar nicht, bestätigt Fredrik Furtenbach vom schwedischen Rundfunk:

"Sie haben eine völlig andere Geschichte als zum Beispiel die Dänische Volkspartei. Die Dansk Folkeparti ist so etwas wie das große Vorbild der Schwedendemokraten. Aber der Unterschied ist doch gewaltig. Die Schwedendemokraten haben ihre Wurzeln im rassistischen Milieu der Skinheads. Das war nie eine Volkspartei, sondern eine rassistische Bewegung, die jetzt versucht, sich anzupassen und normaler zu werden."

Die "Schwedendemokraten" geben den modernen Biedermann. Aber auch die Brandstifter sind nicht weit. "Die 'Schwedendemokraten' sind die Etablierten. Dann gibt es, deutlich radikaler, die 'Partei der Schweden' und, noch extremer rechts außen, die sogenannte schwedische Widerstandsbewegung SMR."

Zumindest diese beiden Gruppen seien richtig gefährlich, sagt Daniel Poohl, der Herausgeber des EXPO-Berichtes in Stockholm. Einmal im Jahr trägt der Journalist sämtliche Zahlen und Aktivitäten aus dem rechtsextremen Milieu in Schweden zusammen. Das Ergebnis klingt erschreckend.

"Der Bericht für dieses Jahr zeigt, dass die Neonazi-Gruppierungen aktiver sind als je zuvor. Die 'Partei der Schweden' zum Beispiel tritt bei der Wahl gleich in 40 Kommunen überall im Land an. Daraus können wir nur eine Schlussfolgerung ziehen: Es ist die größte Mobilisierung in der schwedischen Neonazi-Szene seit dem Zweiten Weltkrieg."

Offen rassistisch: Die "Partei der Schweden"

Die "Partei der Schweden" predigt Ausländerhass, hetzt gegen Juden und gibt sich offen rassistisch. Bei der Wahl wird sie wohl kaum eine Rolle spielen, aber darum geht es ihr auch nicht. Sie will Unruhe provozieren, Schlagzeilen machen, Mitglieder radikalisieren. Schwedens Neonazis marschieren unter Polizeischutz durch die, immer wieder kommt es zu Krawallen.

"Wir haben heute weniger Organisation, die sind dafür aber deutlich aktiver. Das Risiko für die Gesellschaft besteht vor allem darin, dass auch die Gewalt zunehmen könnte."

Die schwedische Wirtschaft wächst kaum noch, die Jugendarbeitslosigkeit steigt weiter, dem Wohlfahrtstaat geht das Geld aus. Gefundenes Fressen für Schwedens äußerte Rechte. Das Thema Einwanderung scheint im Wahlkampf tabu zu sein, nur Akesson und seine Leute reden ständig davon.

"Was im Moment passiert, ist eine wachsende politische Mobilisierung der Anhänger. Die Fremdenfeindlichkeit an sich ist nicht gewachsen, sie ist nur politisch relevanter geworden."

Die Politikwissenschaftlerin Marie Demker wäre nicht überrascht, wenn die "Schwedendemokraten" um Jimmie Akesson bei dieser Wahl ein zweistelliges Ergebnis erzielen. Trotzdem hält die Autorin dann doch noch einen Trost bereit. Es sei nicht alles schlimmer geworden, meint sie, nur eben sichtbarer als früher.

"Schweden ist insgesamt sogar weniger fremdenfeindlich als noch vor 20 Jahren. Und Schweden ist auch weniger fremdenfeindlich als die meisten anderen europäischen Staaten. Wir haben unsere Untersuchungen schon in den frühen 90er Jahren begonnen. Wenn man die Zahlen und Antworten bis heute vergleicht, dann sieht man, dass der Widerstand gegen multikulturelle Einflüsse sogar eher abgenommen hat."

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