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StartseiteCampus & KarriereSchweigen ist Silber …05.03.2010

Schweigen ist Silber …

Der Debattierclub an der Uni Bonn

Schweigen ist Silber, Reden ist Gold - so könnte das Motto der 65 Debattierclubs an deutschsprachigen Hochschulen lauten. Diskutiert wird von der Gesundheitsreform bis zur Frage, ob die Menscheit einen zweiten Mond benötigt, einfach alles.

Von Norman Laryea

Schweigen ist ... (AP)
Schweigen ist ... (AP)

Universität Bonn an einem Mittwochabend. Während die meisten Studenten schon längst zuhause sind, schauen Martin Stiller, Constatin Thelen und Volker Tjaden konzentriert auf ein paar vollgeschriebene Papierzettel. Sie bereiten sich auf einen harten Schlagabtausch vor. Allerdings sollen gleich nicht Fäuste, sondern Worte fliegen. Sie sind Mitglieder im Debattierclub der Uni Bonn und haben gerade erfahren, über welches Thema gestritten wird. "Bildung für alle - Eintritt in Museen kostenfrei" lautet es.

Debattengegner und Jury wollen sie gleich mit ihren Vorträgen überzeugen. Gerade mal 15 Minuten hat das Team Zeit, um das komplexe Thema vorzubereiten. Das ist in den Debattierregeln, die auch beim Turnier in Wien gelten werden, festgelegt. Die drei sind bei der Debatte die sogenannte "Regierung".

"Wir freuen uns auf das Thema 'Bildung für alle - soll es freien Eintritt in Museen geben?'."

Auf ihren Klappstühlen blicken 15 Studenten im Hörsaal in Richtung Rednerpult. Sie kommen aus allen Fachrichtungen. Redegewandte BWLer treten gegen kühl kalkulierenden Physiker an. Jeder versucht, aus seinem Spezialgebiet einen Vorteil zu schlagen. Wie sein Teamkollege Constantin, ist Martin Stiller Jura-Student. Der 22-Jährige muss als sogenannter "Eröffner" die Debatte beginnen.

"Sehr verehrtes hohes Haus, sehr verehrte Jury. Ich freue mich auf die heutige Debatte. Wir von der Regierung möchten einen Antrag stellen. Ich bin letzte Woche mit einem Freund zum Museum König gegangen. Wir wollten uns die relativ bekannte Tierausstellung anschauen."

Martin Stiller ist konzentriert. Nennt Argument um Argument, warum der Eintritt bei Museen nichts kosten sollte. Mit den Händen umfasst er selbstbewusst das Rednerpult. Gemäß den Regeln hat er jetzt sieben Minuten Zeit, den Antrag auf kostenlosen Eintritt zu begründen. Ziemlich wenig. Vor allem, weil die Gegner von der Opposition ihn immer wieder mit Zwischenfragen attackieren.

Er lässt sich nicht aus dem Konzept bringen. Die Eröffnung steht. Es folgt die Gegenrede der Opposition, bevor dann die Stunde von Constantin Thelen schlägt. Seine Rolle in der Debatte ist die des Ergänzers. Als solcher ist seine Aufgabe, weitere Argumente für den Antrag zu nennen und vor allem gegen die Opposition zu keilen.

""Ich komme zu meinem ersten Punkt: die finanziell schwächer Gestellten. Da möchte sie mal fragen: Jemand der wenig Geld hat, zum Beispiel der in der Presse häufig zitierte Hartz-IV Empfänger, der muss schon richtig rechnen. Der muss schon rechnen, wenn er sich ein Brötchen kauft. Ob er die mit Körnern nimmt oder nicht. Und jetzt erklären sie doch dem Bitte mal, wie der noch sechs Euro für ein Museum bezahlen soll"

Die Debatte wogt hin und her. Auch Schlussredner Volker Tjaden versucht noch einmal alles, um Jury und letzte Zweifler auf die eigene Seite zu ziehen. Ohne Erfolg: Die Jury fand die Opposition überzeugender. In dieser Jury sitzt auch Tim der bezeichnenderweise "Richter" mit Nachnamen heißt. Er ist Präsident des Deutschen-Hochschuldebattier-Verbandes, dem 65 Clubs mit rund 3500 Mitgliedern angehören. Was macht für ihn einen guten Redner aus?

"Jemand, der ein guter Debattierer ist, kann über die EU-Osterweiterung, über die Zahlungsprobleme in Griechenland genauso fundiert reden wie über das Hündchen von Paris Hilton. Und das macht dann die Breite des Debattierers aus. Dass er diese ganzen Wissensbausteine zusammensteckt in einer Rede."

Mit einer geschliffenen Rede glänzen - Constantin Thelen und Martin Stiller, wollen die Fähigkeiten aus dem Debattierclub nach ihrem Jurastudium auch im Gerichtssaal nutzen. Trotz harten Trainings - wenn er an seinen Auftritt bei der Zeit-Debatte in Wien denkt, wird Martin Thelen dann doch ein wenig nervös.

"Natürlich! Lampenfieber ist auf jeden Fall dabei, gerade weil es ein großer Rahmen ist, gerade weil es viele Leute sind. Und gerade weil man sich anstrengen möchte. Da geht's nicht um den Mittwochsabend Debattengewinn, sondern hier geht's ja wirklich um was Größeres. Und da will man an natürlich auch was zeigen."

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