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StartseiteInterviewSchweitzer: Vertrauen in Flughafenchef ist nicht mehr vorhanden16.08.2012

Schweitzer: Vertrauen in Flughafenchef ist nicht mehr vorhanden

IHK Berlin macht Rainer Schwarz für die Verschiebung der BER-Eröffnung verantwortlich

Die baldige Eröffnung des neuen Berliner Flughafens sei für die Berliner Wirtschaft sehr wichtig, sagt Eric Schweitzer. Die wesentliche Verantwortung liege bei Geschäftsführer Rainer Schwarz, der den Aufsichtsrat nicht hinreichend informiert hätte, er ergänzt der Präsident der Berliner IHK.

Sandra Schulz im Gespräch mit Eric Schweitzer

Ein nicht freigegebener Wegweiser zum Flughafen Berlin Brandenburg Airport Willy Brandt (BER) (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
Ein nicht freigegebener Wegweiser zum Flughafen Berlin Brandenburg Airport Willy Brandt (BER) (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Sandra Schulz: Und über die neuen Unsicherheiten und die Konsequenzen wollen wir in den kommenden Minuten sprechen, am Telefon begrüße ich Eric Schweitzer, den Präsidenten der Berliner Industrie- und Handelskammer. Guten Morgen!

Eric Schweitzer: Guten Morgen!

Schulz: Gehen Sie davon aus, dass der neue Flughafen überhaupt noch eröffnet wird?

Schweitzer: Aber selbstverständlich gehe ich davon aus, dass der neue Flughafen noch eröffnet werden wird. Wir haben zurzeit die Diskussion, wann es genau sein wird, ob der 17. März als Termin gehalten werden kann. Dieses wird man dann sehen in der Aufsichtsratssitzung am 14. September.

Schulz: Hat sich jetzt gezeigt oder die Anzeichen haben sich ja zuletzt verdichtet, dass es wahrscheinlich nicht klappen wird mit dem März. Was heißt die Hängepartie für die Unternehmen?

Schweitzer: Also zunächst muss man sagen, dass der neue Flughafen als solcher - und ich bin übrigens wirklich sehr, sehr sicher, dass er eröffnet werden wird - für die Berliner Wirtschaft eine ganz, ganz wichtige Sache ist. Und die Berliner Wirtschaft hat sich ja in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt, auch im Verhältnis zu der Wirtschaft im übrigen Bundesgebiet. Die Situation selbst einer nochmaligen Verschiebung ist natürlich für die Unternehmen am Flughafen selbst, in der Region des Flughafens als auch in der Stadt nicht gut, und das betrifft natürlich insbesondere die Handelsunternehmen vor Ort als auch die Airlines und verschiedene Reiseverkehrsunternehmen.

Schulz: Können Sie uns das noch konkreter schildern: Welche Probleme gibt es da?

Schweitzer: Wir haben natürlich einerseits - das ist ja öffentlich bekannt - Airberlin als der Hauptcarrier für Berlin, und für Berlin auch eine sehr, sehr wichtige Airline, übrigens nicht nur für Berlin, sondern auch für Deutschland, denen die weitere Verschiebung in ihrer nicht einfachen wirtschaftlichen Lage keine guten Auswirkungen hat, des Weiteren natürlich auch die Einzelhandelsunternehmen am Flughafen selbst, die ja viele, viele von denen sehr klein sind, sehr kleine Familienunternehmen. Und da wissen wir aber und da helfen wir auch als IHK in der Vermittlung von Gesprächen zwischen der Flughafengesellschaft und diesen Unternehmen, wie man da helfen kann, dass es nicht zu unternehmerischen Insolvenzen kommen wird.

Schulz: Gibt es da schon konkrete Schätzungen? Lässt sich der finanzielle Schaden durch die Verzögerung denn schon beziffern?

Schweitzer: Sie meinen für die Unternehmen?

Schulz: Ja.

Schweitzer: Nein, lässt sich noch nicht beziffern, weil wir wissen ja leider noch nicht, wann genau das was wird.

Schulz: Das ist in der Tat die Ausgangslage. Es geht ums Geld natürlich auch, aber nicht nur, es geht ja auch um einen Imageschaden, Berlin als Lachnummer. Für wie drastisch halten Sie den Imageschaden?

Schweitzer: Ja, zunächst mal, Berlin als Lachnummer halte ich für überzogen. Also wenn ich mir verschiedene andere, insbesondere öffentliche Bauvorhaben im Rest der Republik anschaue, also die Diskussion um Stuttgart 21, die Diskussion um die Elbphilharmonie in Hamburg, dann ist Berlin ja kein Sonderfall in der Situation, dass es zu Verzögerung, Verschiebung, einer Verschiebung des Termins als auch einer Verteuerung der Kosten bei einem öffentlichen Bau kommt. Es ist nicht gut für das Image Berlins, es ist auch nicht gut für das Image als Wirtschaftsstandort, aber Berlin macht sich nicht zur Lachnummer.

Schulz: Und was heißt das dann für das Image von Deutschland, wenn - das haben Sie gerade skizziert - Großprojekte immer wieder an ihre Grenzen stoßen?

Schweitzer: Das ist nicht positiv, weil natürlich ein Stück weit auch gerade auf Deutschland immer geschaut wird, dass Dinge, die wir hier in unserem Land organisieren oder auch durchführen, dass das immer sehr, sehr gut organisiert ist. Aber es lässt sich jetzt schon im Grunde auch nicht ändern.

Schulz: Wenn wir jetzt noch mal zurückkommen auf Berlin, auf das Flughafendebakel: Wer ist verantwortlich für die Pannenserie?

Schweitzer: Also ich glaube, aus meiner eigenen Erfahrung. Ich führe ja zusammen mit meinem Bruder ein Familienunternehmen, zu welchem auch eine börsennotierte Aktiengesellschaft gehört. Und in dieser bin ich Aufsichtsratsvorsitzender. Und meine Erfahrung ist, dass ein Aufsichtsrat für die Aufsicht einer Geschäftsführung, für die Geschäfte. Wir selbst als IHK als auch als Berliner Wirtschaft sind von der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft sehr enttäuscht, und ich glaube auch, da liegt im Wesentlichen die Verantwortung.

Schulz: Das würde ich gerne noch sortieren. Sie haben gerade von dem Aufsichtsratsvorsitzenden gesprochen, das ist Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit. Dessen Rücktritt wird jetzt gefordert von der FDP, von deren Chef in Berlin, er solle Profis ranlassen. Ist das nicht auch eine Frage sozusagen der übergeordneten Verantwortung?

Schweitzer: Also ich hatte selbst viele Gespräche mit Herrn Wowereit über das Thema als auch mit weiteren Aufsichtsratsmitgliedern. Ich bin sehr sicher, dass Herr Wowereit als auch die anderen Aufsichtsratsmitglieder nicht von Herrn Schwarz als Vorsitzendem der Geschäftsführung des Flughafens umfassend und hinreichend informiert worden sind, und ich würde es für falsch halten, wenn Herr Wowereit als Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft zurücktreten würde, denn Sie können nur über etwas Aufsicht führen, über das Sie auch informiert werden. Und wenn Sie nicht informiert werden, dann haben Sie ein Problem.

Schulz: Aber hat Herr Wowereit dann nicht auch das Problem sozusagen, das auch von seiner Person liegt, wenn das nicht so organisiert ist, dass er die Informationen bekommt, die er braucht?

Schweitzer: Natürlich hat er das Problem, weil er als regierender Bürgermeister von Berlin natürlich auch damit leben muss, dass der Flughafen verschoben wird und sich darüber nicht freut, sondern sich ziemlich sicher auch darüber ärgert. Aber er führt nicht die Geschäfte, er ist nicht Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, sondern er ist Aufsichtsratsvorsitzender, und damit hat er nicht die unmittelbare unternehmerische Führung dafür und muss sich da auch auf das verlassen können, was die Geschäftsführung tut.

Schulz: Und da, das haben Sie gerade schon gesagt, da sehen Sie auch ein Versagen. Sollte es da einen Wechsel geben?

Schweitzer: Also zunächst mal, muss man wissen, hat es ja bereits einen Wechsel gegeben, dass der technische Geschäftsführer, der Vertrag beendet wurde und dafür ein neuer technischer Geschäftsführer, Herr Amann, bestellt wurde, der zum 1.8. anfängt, Herr Amann kommt aus Frankfurt vom Flughafen, ist ein sehr erfahrener Mann und er wird mit Sicherheit sind die Erwartungen in ihn groß, das Thema auch technisch fertigzustellen. Das Weitere ist: Herr Schwarz als Vorsitzender der Geschäftsführung, der schon länger im Amt ist, und zumindest unser Vertrauen als Berliner Wirtschaft in die Zusagen und Aussagen von Herrn Schwarz ist tief erschüttert und auch kein Vertrauen mehr vorhanden.

Schulz: Eric Schweitzer, der Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer hier in den "Informationen am Morgen". Das Gespräch haben wir vor einer guten Stunde aufgezeichnet.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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