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StartseiteWirtschaft am MittagSchweizer Nationalbank zu allem entschlossen07.06.2012

Schweizer Nationalbank zu allem entschlossen

SNB verteidigt Euro-Untergrenze mit hohen Milliardenbeträgen

Im vergangenen September wurde von der Schweizer Nationalbank eine Untergrenze des Franken zum Euro festgesetzt. Die Notenbanker mussten nun am Devisenmarkt massiv intervenieren. Die Devisenbestände der Zentralbank haben um satte 66 Milliarden auf mehr als 300 Milliarden Franken zugenommen.

Von Hans-Jürgen Maurus

Erste Kritiker fragen, wie hoch der Preis ist, den die Nationalbank muss, um den Mindestkurs halten zu können. (picture alliance / dpa)
Erste Kritiker fragen, wie hoch der Preis ist, den die Nationalbank muss, um den Mindestkurs halten zu können. (picture alliance / dpa)

Der Präsident der Schweizer Nationalbank Thomas Jordan spielt ein riskantes Spiel. Mit der Festlegung einer Untergrenze des Franken zum Euro im vergangenen September hat er eine Entscheidung gefällt, die jetzt von den Märkten erstmals richtig getestet wird. Die neusten Zahlen der Schweizer Nationalbank belegen, dass die Notenbanker im vergangenen Monat massiv am Devisenmarkt intervenieren mussten. Die Devisenbestände der Zentralbank haben um satte 66 Milliarden auf mehr als 300 Milliarden Franken zugenommen. Diese explodierende Bilanz ist größtenteils auf die Verteidigung der Wechselkurs Untergrenze zurückzuführen. Noch immer hält Nationalbankpräsident Jordan an seinem Credo fest:

"Der Mindestkurs bezieht sich auf den Wechselkurs, und es wird klar kommuniziert, dass wir ihn durchsetzen, und wir haben die Mittel, ihn entsprechend durchzusetzen."

Der oberste Währungshüter ist sich gleichwohl der Risiken bewusst, wie er Ende April auf der Generalversammlung der Nationalbank unterstrich:

"Diese Maßnahme ist somit entweder ein Allheilmittel, was sämtliche Probleme der Schweizer Wirtschaft lösen kann, noch ist sie einfach und risikolos für jedes gewünschte Niveau umsetzbar."

Diese Risiken muss der oberste Banker der Nation gleichwohl tragen. Mit allen potenziellen Nebenwirkungen. Zum Beispiel könnte der Erwerb gewisser Staatsanleihen ein Klumpenrisiko beinhalten. Schon melden sich erste Kritiker, die fragen, wie hoch der Preis ist, den die Nationalbank und letzten Endes der Steuerzahler bezahlen muss, um den Mindestkurs halten zu können. Ex-UBS-Chef Oswald Grübel glaubt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Nationalbank ihre Strategie aufgeben muss, weil der Druck der Finanzmärkte zu stark ist, SVP Stratege Christoph Blocher ist derselben Auffassung und der Zürcher Finanzprofessor Martin Janssen warnt vor einem noch schlimmeren Absturz auf 90 Rappen, wenn die Notenbank keine Exitstrategie wähle. Und dieses Risiko steigt, mit jedem Tag, an dem die Märkte den Willen und die Entschlossenheit der SNB Führung testen. Und schon gibt es eine neue Debatte. Der UBS Ökonom Caesar Lack hat die Einrichtung eines Staatsfonds vorgeschlagen, der den Kampf der Notenbank gegen den starken Franken unterstützen und die Zentralbank entlasten soll. Zum Beispiel durch Investitionen der Devisenreserven in strategisch wichtige Industrien im Ausland, um eine breitere Diversifikation zu erreichen. Mehrere Schweizer Spitzenpolitiker unterschiedlicher Parteien scheinen sich für die Idee zu erwärmen.

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