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Seit 14:00 Uhr Nachrichten
StartseiteThemen der WocheSchwelender Konflikt14.01.2012

Schwelender Konflikt

Der Iran, Israel und die USA

Die Beziehungen zwischen den USA und Iran sind äußerst kompliziert und vielschichtig. Die Vereinigten Staaten – für die iranische Führung weiterhin der "große Satan" – sind treibende Kraft hinter den Sanktionen wegen des iranischen Atomprogramms, nirgendwo außerhalb des Iran sind aber mehr iranische Studenten eingeschrieben als in den USA.

Von Peter Philipp, freier Journalist

Amerikanische Politiker versuchen, die Welt auf einen Boykott iranischen Öls einzustimmen, und der Iran schlägt die Wiederaufnahme der Atomverhandlungen vor (picture alliance / dpa / epa Taherkenareh)
Amerikanische Politiker versuchen, die Welt auf einen Boykott iranischen Öls einzustimmen, und der Iran schlägt die Wiederaufnahme der Atomverhandlungen vor (picture alliance / dpa / epa Taherkenareh)

Die US-Marine befreit von Piraten entführte iranische Fischer – nur Tage, nachdem dieselbe Marine von Teheran als Störenfried im Persischen Golf beschimpft wurde. Washington verkündet nun, man habe den Obersten Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, gewarnt, nicht "die Rote Linie" zu überschreiten, weil dies die USA zum Eingreifen zwinge. Gemeint ist die Sperrung der Meerenge von Hormus, durch die ein Fünftel der weltweiten Erdölversorgung transportiert wird. Amerikanische Politiker versuchen gleichzeitig, die Welt auf einen Boykott iranischen Öls einzustimmen, und der Iran schlägt die Wiederaufnahme der Atomverhandlungen vor – mit Beteiligung der USA. Vor diesem Hintergrund spielt sich im Iran ein "geheimer Krieg" ab, bei dem freilich bestenfalls noch "geheim" ist, wer konkret dahintersteckt: In den letzten Jahren sind wiederholt iranische Nuklearforscher unter mysteriösen Umständen ermordet worden, das letzte Mal erst vor wenigen Tagen. Und iranische Atomanlagen sind bereits zweimal von ebenso komplizierten wie wirkungsvollen Computerviren attackiert worden.

Üblicherweise äußert Washington sich nicht zu solchen Dingen. Nach dem jüngsten Anschlag auf einen Atomforscher veröffentlichten die USA aber eine offizielle Verurteilung der Tat. In Teheran dürfte das kaum jemanden überzeugt und umgestimmt haben, aber es gibt genug Gründe, die Urheber dieses und der anderen Angriffe nicht in den USA zu suchen, sondern in Israel, obwohl auch dieses bisher nicht bereit war, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Nachdem Israel lange mit dem Schah zusammengearbeitet hatte, gilt es seit der islamischen Revolution im Iran als Erzfeind der religiösen Machthaber dort. Teheran unterstützt radikale palästinensische und libanesische Gruppen in ihrem Kampf gegen Israel und dieses fühlt sich durch das iranische Atomprogramm ganz besonders bedroht.

Wenngleich bisher keine Beweise für iranische Bemühungen um Atomwaffen vorliegen. Israelische Politiker haben deswegen wiederholt gedroht, man werde – ähnlich wie einst im Irak – gegen die iranischen Atomanlagen vorgehen. Das aber wurde in Washington immer entsetzt zurückgewiesen. Und man weiß, dass auch ein israelischer Alleingang Washington angelastet würde. Israel scheint deswegen auf eine alte – und seiner Meinung nach "bewährte" – Taktik zurückzugreifen: Mit dem "langen Arm" zuzuschlagen, wo man es für richtig hält. Einst hatte Israel Anschläge auf deutsche Raketenbauer in Ägypten verübt, später verfolgte und ermordete es Angehörige der PLO in europäischen Städten, Kommandoaktionen in arabischen Nachbarländern gehörten ebenso mit dazu wie jetzt Luftangriffe auf angebliche syrische Reaktorbauten oder Waffenschmuggler in der Wüste des Sudan.

Der ehemalige israelische Geheimdienstchef, Meir Dagan, hat dieses Vorgehen als probates Mittel auch gegen das iranische Atomprogramm bezeichnet, obwohl er nachdenklich hinzufügte, man werde dieses Programm damit nicht stoppen, sondern nur verzögern können. Er dürfte damit recht haben. Für manche israelische Politiker aber heiligt der Zweck die Mittel. Offiziell spricht man von der "gezielten Tötung" feindlicher Palästinenser wie auch der "Liquidierung" iranischer Atomforscher. Man übergeht dabei geflissentlich, dass internationales Recht hierfür klare Begriffe hat: Mord und Terror. In der so genannten "zivilisierten Welt" ist man sich längst einig, dass solche Taten keine Probleme lösen, sondern die Lage im Gegenteil nur weiter verschärfen.

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