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StartseiteKultur heuteSchwer zu inszenieren19.01.2009

Schwer zu inszenieren

Richard Strauss' "Ägyptische Helena" an der Deutschen Oper in Berlin

Mit Opern des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts versuchte die Intendantin der Deutschen Oper Berlin, Kirsten Harms, von Anfang an, mehr Aufmerksamkeit auf ihr Haus zu lenken. Jetzt hatte dort eine selten gespielte Oper des Komponisten Richard Strauss Premiere: "Die ägyptische Helena". Das Werk nach einem Libretto von Hugo von Hofmannsthal wurde 1928 uraufgeführt und verschwand dann wieder in der Versenkung. Die Oper galt nämlich als schwer zu inszenieren.

Von Georg-Friedrich Kühn

Die Deutsche Oper Berlin  (AP)
Die Deutsche Oper Berlin (AP)

Eine Operette sollte es werden, etwas à la Offenbach, "politisch-satirisch-parodistisch", wie Strauss an seinen im Krieg eingezogenen Textdichter Hugo von Hofmannsthal schrieb. Aus den "Prachttypen" des 1.Weltkriegs, den "Wucherern, Spionen, Diplomaten", wollte er nach dem Zwitter "Ariadne auf Naxos" eine Komödie destilliert wissen.

Fündig wurde Hofmannsthal im Mythen-Vorrat des ersten Vernichtungskriegs der Antike, dem um Troja, und der bei Euripides ausgeführten und von Goethe aufgegriffenen Vermutung, Helena, um die man zehn Jahre sich bekriegte, sei gar nicht nach Troja entführt worden, sondern nach Ägypten, wo sie den Krieg im gleichsam komatösen Tief-Schlaf überlebte. In Troja habe man nur ein Double präsentiert. Der Krieg um sie war um ein Phantom.

Was in Hofmannsthals Libretto in den 1920-iger Jahren daraus wurde, ist ein Freudianisches Ehedrama der Entfremdung und der psychischen Zerrüttung eines Kriegs-Heimkehrers, Menelaos oder wie er hier heißt Menelas, nach tausendfachem Morden. Und auch Strauss‘ Versprechen, er wolle den Wagnerschen "Musikpanzer" künftig ganz ablegen, blieb Versprechen.

Was man von dieser "Ägyptischen Helena" an der Deutschen Oper Berlin zu sehen bekommt, ist im Arrangement und Bühnenbild von Marco Arturo Marelli eine Art Truppenbetreuung in der Etappe. Ein Wüsten-Casino mit Bordell-Betrieb, in dem die von der Front Heimkehrenden sich vergnügen. Eine "Muschel" genannte Puffmutter überwacht per Videokamera-ähnlicher Leuchtmuschel den Verkehr.

Auch der Spartaner-König Menelas, der seine vor zehn Jahren geraubte Frau Helena in Troja zurückerobert zu haben meinte, aber sie gerade für ihre vielfache Untreue mit dem Tod bestrafen wollte, strandet hier mit ihr. Aithra, mit zauberischen Kräfte begabt, die das Etablissement mit ihren zwei Schwestern führt, bringt die beiden Eheleute mit vielerlei Zaubertränken und Halluzinationen wieder zusammen.

Einer der Tricks ist die Suggestion, dass eben die Helena von Troja gar nicht die wirkliche Helena ist, sondern dass die hier bei ihr den Krieg "verschlafen" habe.

Marelli lässt das auf einer dreiteiligen Drehbühne spielen mit Ledersessel-bestücktem Empfangsraum, zauberisch verspiegeltem Schlafzimmer und gleichsam Psycho-Kino, in dem einige Kriegserlebnisse nachgespielt und psychisch verarbeitet werden sollen. Am Ende taucht die 11-jährige Tochter in der Drehtüre des Casinos auf. Familie Menelas ist glücklich wieder vereint, der Albtraum ausgeträumt.

Viel szenische Konvention bekommt man zu sehen, Regie erschöpft sich im Organisieren von Auftritten. Mit Ricarda Merbeth als freilich etwas Vibrato-intensiver Helena, Robert Chafin als schlank intonierendem Menelas und insbesondere Laura Akin als wunderbar schillernder Aithra hat man ein hervorragendes Protagonisten-Ensemble. Andrew Litton leitet mit Verve das Orchester der Deutschen Oper.

Das Publikum war's überaus zufrieden und spendete reichlich Beifall. Die Gesamtbilanz des Hauses hellt diese Produktion kaum auf. Man erfreut sich der selten gespielten Musik, zieht Querverbindungen zu anderen Strauss-Hofmannsthalschen Figuren des Umfelds, etwa vom Frauenpaar Helena-Aithra zu Ariadne und Zerbinetta. Zum Kern des Stücks dringt die Inszenierung nicht. Der Abend erschöpft sich in netten Gefälligkeiten.

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