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StartseiteForschung aktuellAbwechslungsreiche Jagd23.09.2016

SegelfischeAbwechslungsreiche Jagd

Mit ihrem langen Schnabel beeindrucken Segelfische nicht nur das andere Geschlecht - sie nutzen ihn auch für die Jagd. Blitzschnell stoßen sie ihn in einen Fischschwarm und verletzen so ihre Beute. Biologen haben nun herausgefunden, dass sich die Tiere bei der gemeinsamen Jagd abwechseln.

Von Volkart Wildermuth

Segelfische vor Mexiko auf der Jagd nach Sardinen (imago stock&people)
Segelfische vor Mexiko auf der Jagd nach Sardinen (imago stock&people)
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Jens Krause, Leibniz Institut für Gewässerforschung und Binnenfischerei Berlin

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Die Bucht von Mexiko, die "Precisor" pflügt vor Cancun durch die Wellen. An Bord des Schnellbootes: Jens Krause vom Berliner Leibniz-Institut für Gewässerforschung und Binnenfischerei. Wie jedes Jahr fährt er mit seinen mexikanischen Kollegen zwei Stunden raus aufs offene Meer.

Alle halten Ausschau nach Fregattvögeln und Möwen. Stürzen sich die Vögel ins Wasser, dann muss es dort etwas zu fressen geben: Sardinen. So ein Schwarm lockt oft auch Segelfische an und die will Jens Krause filmen. Der Biologe streift den Taucheranzug über, greift die Kamera und springt ins Wasser, mitten ins Getümmel:

"Und gut da mussten wir erst den Umgang mit den Segelfischen lernen. Zum Teil tauchen eben auch Wale, Haie und so weiter auf und man muss sich da erst ein bisschen dran gewöhnen, dass man da diese Segelfische filmt während da alles Mögliche um einen herumwirbelt."

Armlanger Schnabel und große Rückenflosse

Manchmal sogar die Angelhaken von Sportfischern, die auf eine Trophäe hoffen. Diesmal ist das Boot alleine. Jens Krause sieht, wie ein paar hundert Sardinen von zehn, elf Segelfischen umkreist werden. Schlanke Räuber, zwei Meter lang. Vorne ein armlanger Schnabel, auf dem Rücken eine große Flosse, die sie zur Stabilisierung aufstellen können.

Plötzlich schwimmt ein Segelfisch vor, steckt seinen Schnabel mitten in die Sardinen und bewegt den Kopf ruckartig nach rechts und links. Was das soll, zeigt sich später an Bord. In den Hochgeschwindigkeitsaufnahmen, ist zu erkennen: Die Spitze des Schnabels bewegt sich so schnell, dass selbst die flinken Sardinen nicht ausweichen können. Viele werden verletzt, einige verschluckt. Und schon dreht der Raubfisch wieder ab und der nächste seiner Artgenossen erhält die Chance zu zustoßen:

"Das war für uns eigentlich das Faszinierende, dass die Tiere sich abwechseln. Wir denken, dass das mit verschiedenen Aspekten zu tun hat. Einmal damit, dass die Segelfische sich nicht gegenseitig verletzen wollen. Denn diese Schwerter sind tatsächlich nicht ganz ungefährlich. Die könnten aber auch brechen."

Gemeinsame Jagd

Zum anderen kann ein Segelfisch nicht alle verletzen Sardinen erwischen, für den Nächsten bleibt also etwas übrig. Es macht also Sinn für die Räuber, gemeinsam zu jagen. Nur wie koordinieren sie ihre Aktivität? Jens Krause glaubt nicht, dass es da einen großen Plan gibt. Die Raubfische treffen sich einfach da, wo Beute ist:

"Das mit dem Abwechseln muss man sich auch gar nicht zu kooperativ vorstellen. Sondern meistens ist es so, dass tatsächlich nur ein Segelfisch wirklich in der richtigen Position ist, um einen Angriff zu schwimmen. Und dann ist einfach ein anderer in einer guten Position."

Manchmal beteiligen sich auch Haie oder Thunfische an der kollektiven Jagd. Segelfische sollen zu den schnellsten Bewohnern des Ozeans gehören. Das stimmt aber gar nicht, wie Jens Krause und seine Kollegen gerade belegen konnten. Bei ihrer Jagdmethode kommt es weniger auf Tempo an, als auf Wendigkeit.

Es kommt nicht aufs Tempo an

Nach einer Weile ziehen die Segelfische ab. Sie sind satt, aber der Sardinenschwarm ist nicht merklich kleiner. Um ihn als Ganzes in Gefahr zu bringen, braucht es Räuber eines anderen Kalibers, wie sich Jens Krause erinnert:

"Und plötzlich kam eine größere Walart und der Wal hat halt versucht, wirklich diesen ganzen Fischschwarm auf einmal zu verschlucken. Und das war also außerordentlich faszinierend."

Mehr von Jens Krause zum Thema Schwärme und die Persönlichkeit und Sozialstruktur der Fische:
Wissenschaft im Brennpunkt am Sonntag, 25. September 2016 um 16:30 Uhr.
Titel: "Gesellschaft unter Wasser - Soziale Netzwerke bei Molly und Muräne"

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