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StartseiteInterviewSekretär der Bischofskonferenz: Keine Kontrolle oder Zensur10.01.2013

Sekretär der Bischofskonferenz: Keine Kontrolle oder Zensur

Hans Langendörfer bestreitet Aktenvernichtungen in Missbrauchskandal

Bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen sei mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer "eine seriöse Zusammenarbeit nicht mehr möglich" gewesen, sagt Hans Langendörfer von der Deutschen Bischofskonferenz. Es habe keine "Anhaltspunkte für Aktenvernichtungen" gegeben.

Hans Langendörfer im Gespräch mit Christiane Kaess

Laut Langendörfer werden Halbwahrheiten von Christian Pfeiffer verbreitet. (AP)
Laut Langendörfer werden Halbwahrheiten von Christian Pfeiffer verbreitet. (AP)

Christiane Kaess: Mitgehört hat Pater Hans Langendörfer, Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz. Guten Morgen!

Hans Langendörfer: Guten Morgen, Frau Kaess!

Kaess: Herr Langendörfer, Frau Leutheusser-Schnarrenberger hat gerade etwas formuliert, was bei vielen wohl so hängen geblieben ist: Es bleibe der Eindruck, die Kirche habe am Ende die Hand darauf haben wollen, was veröffentlicht werden sollte und was nicht.

Langendörfer: Also es gehört ja zu den Halbwahrheiten, die in diesen Tagen insbesondere leider eben von Herrn Professor Pfeiffer verbreitet werden, dass wir eine Position bezogen hätten, die für ihn unannehmbar gewesen ist. Ich wundere mich – und vielleicht sollte man da mal nachfassen -, wieso auf der Internetseite des KFN die Verhandlungen über eine Neufassung oder Erneuerung des Vertrages abbrechen mit etwa, ich würde mal sagen, Juli/August vergangenen Jahres. Es gibt weitere Gespräche, die immer stattgefunden haben, wo wir uns aufeinander zubewegt haben, wo Herr Pfeiffer sogar eigene Vorschläge gemacht hat, wie man das Problem des Auftrittes in den Medien regeln könnte. All das verschweigt er. Warum hat er eigentlich nicht im vergangenen April, im vergangenen Mai gekündigt, sondern zurecht auf eine Einigung gehofft, die es auch hätte geben können, die aber mit ihm nicht mehr möglich gewesen ist. Das ist ein Beispiel dafür, wie eigentlich jetzt und auch schon früher leider, leider ein renommierter Wissenschaftler unseriös geworden ist.

Kaess: Herr Langendörfer, schauen wir auf die konkreten Vorwürfe. Wollte die Kirche mitbestimmen, was veröffentlicht wird und was nicht?

Langendörfer: Die Kirche hat in einem Prozess der Vertragsverhandlungen das Problem Veröffentlichungsrechte, Nutzungsrechte zum Thema gemacht. Sie hat da eigene Vorschläge unterbreitet. Sie hat mit Herrn Pfeiffer darüber gesprochen, was seine Vorstellungen sind, und wir sind uns da angenähert. Und in dem letzten Vertragsentwurf – der datiert ja vom 5. Oktober – ist überhaupt keine Rede davon, dass es eine, wie Herr Pfeiffer gerne sagt, Kontrolle, Zensur geben solle, …

Kaess: Sondern?

Langendörfer: …, sondern es sind von Herrn Pfeiffer akzeptierte Formulierungen darin über das Nutzungsrecht, wonach die erstellten Forschungsberichte, die Ergebnisse und Bewertungen für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden können.

Kaess: Und warum kam es dann überhaupt zum Streit und zum Vertragsbruch jetzt?

Langendörfer: Wir haben den Vertrag gekündigt, weil eben mit Herrn Pfeiffer eine seriöse Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist.

Kaess: Warum?

Langendörfer: Ich möchte gerne mal ein Beispiel geben. Es wird in der Diskussion ja gegenwärtig – und ich habe ja die Verhandlungen weitestgehend auch selber geführt – von einem Brief geredet, den Herr Pfeiffer an die deutschen Bischöfe geschrieben hat, um mit ihnen einzelvertraglich eine Übereinkunft zu bekommen, dass er in die Archive (mit den entsprechenden Sicherheits- und Datenschutzbestimmungen, klar) der Bistümer kommen könne. Ich hatte, wir hatten Herrn Pfeiffer gebeten und dringend darauf aufmerksam gemacht, keinen Brief an die Bischöfe zu schreiben, sondern mit uns einen Mechanismus zu verabreden, wie er mehr Sicherheit bekommt. Dass er mehr Sicherheit haben wollte, habe ich immer akzeptiert. – Nein! Der von mir vorgeschlagene Mechanismus wird nicht übernommen. Er schreibt mit einer gewissen Großzügigkeit an die Bischöfe - einzeln, lässt in diesem Zusammenhang noch dunkle Ahnungen aufkommen, es gebe Aktenvernichtungen, auch ein liebiges Thema dieser Tage.

Kaess: Hat es die gegeben, die Aktenvernichtungen?

Langendörfer: Es gibt keinerlei Anhaltspunkte für Aktenvernichtungen im kirchlichen Bereich. Wir sind dem nachgegangen. Übrigens leider, leider, leider auch einer der großen Fehler von Herrn Pfeiffer zu behaupten, wir hätten dieses Thema nie aufgegriffen. Wir haben es aufgegriffen und ich frage mich, warum er das verschweigt.

Kaess: Herr Langendörfer, ich möchte noch einen Punkt aufgreifen, denn die Zeit rennt uns davon. Es geht offensichtlich um den Schutz der Persönlichkeitsrechte. Wo genau sehen Sie den nicht eingehalten?

Langendörfer: Wir sind der Auffassung, dass die unterdessen bis zum Oktober hin erarbeiteten Vertragsentwürfe in Ordnung sind. Wir hatten mit dem Datenschutzkonzept bis zuletzt ein Problem, da geht es um die Aufbewahrung vor allen Dingen auch von Tonbandprotokollen, von Interviews. Das war ja ein Modul in dem Forschungsprojekt, Interviews …

Kaess: Haben Sie ganz konkrete Bedenken, dass nicht anonymisiertes Material nach draußen gelangen könnte?

Langendörfer: Wir hatten den Eindruck, dass es nicht gut ist, dass Tonbandprotokolle so zugänglich sind, wie Herr Pfeiffer sich das zuletzt noch gewünscht hat.

Kaess: Warum?

Langendörfer: …, weil gerade diese delikaten persönlichkeitsbezogenen Daten einen noch größeren Schutz verlangen, als er es sich vorgestellt hat.

Kaess: Aber das ist doch eine Behinderung der Aufklärung.

Langendörfer: Die Verwahrung von Tonbandprotokollen hat überhaupt nichts damit zu tun, dass ich einen behindere, sondern dass ich ihn bitte, größte Vorsicht walten zu lassen.

Kaess: …, sagt Hans Langendörfer, Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz. Danke für das Gespräch, Herr Langendörfer.

Langendörfer: Danke Ihnen!


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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