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StartseiteBüchermarktSelbstverwurzelung in einer Konfliktzone10.02.2008

Selbstverwurzelung in einer Konfliktzone

Peter Handke über die morawische Nacht

Diesmal beginnt die Wanderschaft mittendrin in der Konfliktzone. Diesmal hat Peter Handke Anfang und Ende seines Erzählweges mitten hinein verlegt in das Krisengebiet, das sowohl für Europa als auch für sein eigenes Denken einen gefährlichen Boden darstellt. Jugoslawien, das verschwundene, und Serbien, der unglückliche Rumpf des einstigen Vielvölkerstaates, sie bleiben für diesen Autor das Herzensland. Seit langem schon ist die Leidenschaft für diese Region ein wichtiger Teil seines poetischen Empfindens. Was daraus zugleich an Parteinahmen und politischen Äußerungen resultiert, das ist eben die andere Seite von Handkes manchmal trotzig anmutender Selbstverwurzelung in einer Konfliktzone. Wie sehr er daran fest hält, das zeigt die ganze Anlage seines neuen Buches, und der Anfang zeigt es mit größter Deutlichkeit. Dieser Anfang macht begreiflich, was der Anspruch bedeutet, er habe dieses unerzählte Land erzählt.

Von Eberhard Falcke

Der österreichische Schriftsteller Peter Handke  (AP)
Der österreichische Schriftsteller Peter Handke (AP)

Jedes Land hat sein Samarkand und sein Numancia. In jener Nacht lagen die beiden Stätten hier bei uns, hier an der Morawa. Numancia, im iberischen Hochland, war einst die letzte Flucht- und Trutzburg gegen das Römerreich gewesen; Samarkand, was auch immer der Ort in der Historie darstellte, wurde und ist sagenhaft; wird jenseits der Geschichte sagenhaft sein. Die Stelle der Fluchtburg nahm an der Morawa ein Boot ein, ein dem Anschein nach eher kleines, das, seit geraumer Zeit schon, dem Autor, dem ehemaligen Autor, als Wohnung diente.

Das Boot war nicht verankert, sondern bloß so an Bäumen oder Strommasten vertäut, und zwar derart, dass die Taue leicht und schnell zu lösen waren - eben zur Flucht, oder auch nur zum Mir-nichts-dir-nichts-Weiterfahren oder Wenden, flußauf oder flußab.

In der Nacht, da wir auf das Boot gerufen wurden, hielt dies zwischen dem Dorf Porodin und der Stadt Velika Plana.


Die Morawa ist ein serbischer Fluß; Porodin und Velika Plana liegen um die hundert Kilometer südöstlich von Belgrad. Handke aber hat die Realität dieses unerzählten Landes erzählend zur legendären Landschaft überhöht: Der bescheidene serbische Rückzugsort seines Helden, eines Schriftstellers, wird mit einem Pathos, in dem Über- und Untertreibung zugleich anklingen, in eine Reihe gestellt mit dem berühmten Samarkand und einem Widerstandsnest gegen das römische Imperium. Was unausweichlich die Frage provoziert, ob das Boot auf der Morawa etwa eine Flucht- und Trutzburg gegen die feindselige Europäische Union sein soll. Zumal der Bootseigner an anderer Stelle bekennt, er sei ständig vor den "paneuropäischen Steuerfahndern" auf der Flucht. Jedenfalls sieht es keineswegs so aus, als hätte Handke den Haupt- und Staatskonflikt, der ihn seit Jahren umtreibt, friedlich ad acta gelegt. Wenn auch immerhin das Fechten und Rechten hier durch narrative Sublimation vom harten Boden politischer Kontroversen stärker abhebt als in anderen Fällen. Schließlich bieten die nächtlichen Stunden der "Morawischen Nacht" den gesellig-poetischen Raum für Vieles, fürs Erzählen ebenso wie für finstere oder helle Gedanken. Und zum Erzählen hat der ehemalige Autor, dem nur ein schwankender Schiffsboden geblieben ist, seine Freunde an Bord geladen. Nach einer großen Rundreise durch Europa will er davon berichten, gemeinsam mit seinen Gästen, die ihn hie oder da ein Stück begleitet haben. Ein ehemaliger, doch nicht unbedingt resignierter Autor erzählt also seinen Freunden was er erlebt hat da draußen im neuen Europa - das ist die Rahmenhandlung, in der wiederum einer dieser Freunde als Erzähler fungiert.

Von Anfang an nehmen dabei jedoch die Konflikte und Selbstbetrachtungen des Autors mindestens ebensoviel Raum ein wie seine Beobachtungen und Erlebnisse unterwegs. Das beginnt schon mit dem Motiv für seinen Aufbruch. Es war eine Frau, die ihn zur Flucht veranlasste, womit er nicht der erste Handke-Held wäre, der mit Frauen mehr Not als Freude hat. Darum verhält er sich auch gegenüber dieser einzigen Frau auf dem Schiff sehr sonderbar, mal fürsorglich, mal schroff zurückweisend.

Die einen von uns meinten, er habe Angst, wir könnten uns etwas denken ... Die anderen meinten, er habe überhaupt Angst vor Frauen. "Eine Heidenangst!" meinte einer, und ein zweiter gar: "Ein Grauen. Es graut ihn von Grund auf vor den Frauen." Und tat nicht solch eine Angst, oder solch ein Grauen und Grausen, buchstäblich in manchen seiner Bücher mit, auch wenn seine Autorenzeit nun schon um einiges zurücklag und die Gefühle seiner frühen Jahre doch fast verjährt waren?

Tatsächlich, es ist das alte Handke-Thema: Die schon vielfach in seinen Büchern umkreiste Frage, wie und ob die Frauen, die Liebe und das Schreiben überhaupt zusammenpassen können - und eben letztlich seinem Verständnis nach nicht zusammengehen. Solche Konflikte stellt dieses neue Buch wieder einmal besonders deutlich in den Vordergrund. Ja mehr noch: Es handelt zu wesentlichen Teilen von nichts anderem als den Kämpfen der Distanzierung und Abgrenzung, die der Held und Autor führen muss, um sein Schreiben und jene Intensität des poetischen Welterlebens zu ermöglichen, die ihm als sein höchstes Ziel vorschwebt.

Idiosynkratische Aufwallungen wie der Hass sind in diesem Spannungsfeld den dichterischen Erleuchtungen immer eng benachbart.

Wir anderen fragten uns, wie solch ein Haß zu erklären sei. Auch er hatte keine Erklärung. Aber er wollte auch keine. Er brauchte keine; die Frage stellte sich ihm kein einziges Mal. Es war ihm schon in der Kindheit klar geworden, dass er Haß auf sich zog, grundlosen. Und er war seit jeher damit einverstanden gewesen. Es musste so sein. Je grundloser, desto selbstverständlicher - was nicht hieß, dass er den Haß wehrlos über sich ergehen ließ. Sein ganzes bisheriges Leben, ob als der und der oder irgendwer, war, einmal mehr, einmal weniger, begleitet worden von unerklärlichen Hassern. Männern genauso wie Frauen, die eines Tages entweder, so oder so, verschwanden, oder ihre Energie verloren, oder, auch das kam vor, sogar Abbitte leisteten.

Wie gesagt: In diesem neuen Buch beginnen die Erzählwege inmitten von Konfliktzonen, nicht nur balkanischen, sondern auch handkeschen. Die erste Etappe führt mit einem alten österreichischen Postbus hinaus aus Porodin, das hier nun - trotz seiner Lage nahe Belgrad - zur ethnischen Enklave inmitten eines feindlichen Gebietes umgedichtet wird. Was sich kaum anders deuten lässt, als dass für diesen Helden und Autor eben Fronten und Grenzen von entscheidender Bedeutung sind. Andererseits wünscht er sich allerdings auch weg von diesem, wie es heißt,

finsteren Balkan in die Lichterkettenmetropolen mit den sonor hupenden Taxis zwischen den Wolkenkratzerschluchten, mit den Brücken, auf denen jedes Liebespaar etwas wie ein Friedensgruß war.

Auf einer Adriainsel erinnert sich der reisende Ex-Autor, wie er dort einst sein erstes Buch schrieb und mit einem Inselmädchen turtelte. Die nächste Station der Reise führt ihn dann in die spanische Steppe nach Nueva Numancia, wo er an einem "Symposium über Lärm und Geräusche" teilnimmt. Da wird über den zunehmenden Krach der globalisierten Welt Klage geführt, der sich umso unterschiedsloser ausbreite, als es keine Grenzen und kein In- oder Ausland mehr gebe. Dem Krach der Medien wird dann später am Exempel eines neunmalklugen Zeitungsschreibers ein eigener Exkurs gewidmet. Was so oder so im Allerweltsgetöse untergeht, das sind - natürlich! - die Dichter und ihre Worte, wie ein spanischer Autorenkollege ausführt.

"Einmal", sagte Juan Lagunas dann, "hatten wir ein Vaterland: konnten wir benennen. Denn für alles gab es einen Namen, Namen für jeden Moment im Leben, auch für die Momente, die sich wiederholten. Die Mutter konnten wir benennen, und den Sohn. Gott, und diese Zeit ist vergangen, und nie wird sie wiederkehren, nie mehr werden wir die Tage, die Abend - und die Morgendämmerungen benennen können. Wir haben die Namen verloren, haben dieses Vaterland, haben jenes Dorf verloren. Leer ist unser Leben jetzt.

Seit einigen Jahrzehnten ist Peter Handke nun schon dabei, den Verlust der alten Zusammenhänge zwischen Namen und Dingen in seinem Schreiben wieder aufzuheben, rückgängig zu machen, ihm durch konkrete und sinnfällige Wahrnehmung zu widerstehen. Vor allem dadurch etablierte sich die grundlegende, fast magische Bedeutung, die den Landschaften des einstigen Jugoslawien für sein Schreiben und seine Poetik zukommt.

Auch der Held der "Morawischen Nacht" sammelt auf seiner Europareise allerlei poetische Lichtblicke ein. Wie bei Handke üblich meidet er dabei die Zentren und bevorzugt das Unscheinbare, Periphere, Zufällige. Beim Gehen entlang einer Landstraße etwa beschäftigt sich der Reisende mit einer Klassifizierung der verschiedenen Arten, wie Autofahrer das Lenkrad halten. Oder - noch besser - es ereignen sich Begegnungen wie diese:

Wer hatte schon einen Verirrten erlebt wie ihn? Er ließ sich Zeit, und wenn er zwar ständig um sich blickte, so suchte er aber keinen Weg, sondern betrachtete nichts und wieder nichts. Und wirklich erschien dann auch der Zitronenfalter, stürzte geradezu herab aus dem Himmelsblau, landete auf dem Verirrten, spritzte da seinen Kot los, indem er den Hinterleib aufbog und aus diesem es nach vorn über den Kopf, in die Lüfte spritzen ließ. Noch nie hatte der Wanderer einen Schmetterling scheißen sehen und kam sich für den einen Augenblick wie ein Entdecker vor.

Wie das Tausend-Seiten-Werk "Mein Jahr in der Niemandsbucht" ist auch "Die morawische Nacht" eine große selbstreflexive Erzählung über das Abenteuer einer eigenwillig-sonderbaren schriftstellerischen Existenz. Der daraus entstehende Sound hat es in sich, obwohl Handke stilistischen Glanz und Virtuosität absichtlich meidet. Darin klingt alles an, worum es bei diesem Schriftsteller geht: Sein Anspruch und seine Anmaßung, sein Widerstandsgeist und seine Zwiespältigkeiten, seine Verehrungslust und sein Verachtungsfuror.

Die Stationen dieser europäischen Reise sind fast ausnahmslos typische Handke-Orte, sei es im biographischen, poetischen oder thematischen Sinn. Wie Filip Kobal oder Gregor Keuschnig, derer gelegentlich gedacht wird, ist auch der Ex-Autor von der Morawa ein Alter-Ego-Held. In dessen Maske erforscht Handke ein weiteres Mal seine Wege ebenso wie sein Wesen - erstaunlich offenherzig und vermittels einer Vielzahl von Reflexionen, Situationen und Stimmungslagen. Entdeckungen werden gemacht, Veränderungen und Verluste registriert. Und, wie üblich, schaut sich der Held beim leidenschaftlichen Weltbetrachten auch ausführlich selber zu, um daraus poetologische Einsichten über das eigene Schreiben zu gewinnen.

"Die weitaus größte Gefahr freilich in den Zuständen meiner Entrücktheit" - sinnierte unser nächtlicher Gastgeber -: "In Gestalt eines Ausschnitts, einer Straße, eines Hauses, einer Plakatwand, eines Menschen erscheint mir, über die ganze Welt hinaus das Weltganze im Sinn von etwas Ganzgebliebenem. Wider mein besseres Wissen erscheint mir eine heile Welt... Die Autos fahren, die Schlote rauchen, die Gebüsche schwanken, die Gräser zittern, die Sägen schrillen, die Kinder weinen, die Blinden tapsen: Es ist recht so. Es ist in Ordnung. Fehlte nur, dass mir in der Entrückung die Welt zur besten aller möglichen Welten würde.

Als der Ex-Autor in den Harz fährt, um das Grab seines Vaters zu suchen, riskiert er sogar eine fiktional kaum verhüllte, ungeheuer persönliche Selbstanalyse. Plötzlich taucht auf dem Friedhof, wie aus dem Nichts, ein altes Weib vor dem Reisenden auf und keift ihm entlarvende Orakelsprüche über seine innersten Widersprüche ins Gesicht.

"Ja, verdammter Vaterloser du! Hältst alle Augen auf dich gerichtet, im Guten wie im Bösen. Erlaubst dir als Vaterloser, was niemand sonst sich erlauben darf. Glaubst, dass für dich keine Regeln gelten, und wenn, dann ganz besondere. Nicht doch mein Lieber: keines-Vaters-Kind wird nie ein Erwachsener, wird nie und nimmer, auch nicht durch tausend Gewaltmärsche, Gipfelstürme, Wüstendurchquerungen, ein ganzer Mann, höchstens ein Verstiegener. Als Ritter wolltest, du Vaterloser, dich, als Unbedingter im Kampf fürs Ideal, und verleugnetest, wenn es darauf ankam, das Ideal... Weg mit dir du vaterloser Gesell. Hast in deiner Vaterstadt nichts zu suchen, auch nicht vor der leeren Grabstelle. Gute Weiterreise."

Nein, es lässt sich nicht behaupten, Handke habe mit diesem Buch irgendeinen Frieden gemacht, weder hinsichtlich seiner serbischen Passionen noch seiner selbst. "Die morawische Nacht" ist ein thematisch reichhaltiges Buch, aber es ist nicht die Handke-Apotheose, die einigen übermäßig andächtigen Rezensenten vor den Augen zu flimmern scheint. Sollte hier besondere schriftstellerische Reife zu beobachten sein, dann war sie schon vorher da; von willfähriger Versöhnlichkeit findet sich keine Spur. Handke bleibt, und das sei mit allem Respekt gesagt, ein Zerrissener. Genau als solcher bietet er hier erneut das fesselnde, zuweilen ärgerliche, oft irritierende Schriftstellerdrama, das wir von ihm kennen. Er hat das Erzählen selbst zum Abenteuer gemacht und dazu gehört es auch, immer wieder von der eigenen Existenz als Erzähler zu erzählen.

Trotz eines Umfanges von 560 Seiten ist "Die morawische Nacht" nämlich als Erzählung deklariert. Nicht als Roman, wohlgemerkt! Denn seit langem schon strebt Handke nach dem Epischen, weg von der Psychologie, dem Erklären und Begründen des bürgerlichen Romans, hin zu einem Erzählen, bei dem es vor allem um eines geht: um die Aventüren des Dichters bei der poetischen Welterkundung. So viel Handke auch in seinen Büchern über sein innerstes Wesen preisgeben mag - er stellt es fest aber nicht in Frage, so wenig wie einst die Epiker ihre Helden psychoanalysiert haben. Es hat durchaus seinen tieferen Sinn, wenn die giftige Alte auf dem Friedhof den Ex-Autor beschuldigt, sich als idealgesinnter Ritter zu fühlen.

Viel mehr aber als um die glückend-beglückenden, dennoch stets gefährdeten Schreibmomente geht es bei Handkes epischen Abenteuern um die Suche selbst, die Wagnisse, Kämpfe und Bewährungsproben, die dabei auszustehen sind. Genau besehen bezieht der wandernde Schreiber aus den Verweigerungen und Gegnerschaften, die er praktiziert, wesentlich stärkere Impulse, als aus den stets angestrebten "Entrückungen" einer fast mystischen Weltbetrachtung. Schließlich weiß er genau, dass es den Gral der heiligen Tinte, mit dem sich die poetische Heilung der Welt bewerkstelligen ließe, nicht gibt. Umso besser versteht er es, seine allerwegs sprungbereite Widerspenstigkeit als literarischen Kräftepol einzusetzen. Wenn dieser Dichter seine kleinen Wirklichkeitsbilder zeichnet, die Pilze, Schmetterlinge und "extrastillen Momente", dann kehrt er allem anderen demonstrativ den Rücken. Darum haben seine poetischen Entdeckungen auch immer etwas von einem Affront, der signalisiert: Hier schreibt ein Poet im Widerstand gegen den Rest der Welt.

Bei dem gerade ausbrechenden Vierzig-Jahre-68er-Taumel lohnt es sich, daran zu denken, wie einst der österreichische Jüngling 1966, schon ganz erfüllt vom Geist des Protestes, die Gruppe-47-Eminenzen der "Beschreibungsimpotenz" bezichtigte. Schon damals lag die Wucht der Attacke weniger im Anspruch des Anklägers auf überragende Schreibpotenz als in der Verweigerung gegenüber etablierten Routinen. Herbert Marcuse hatte die "Große Weigerung" damals bereits als Protest der Kunst gegen "das, was ist" auf den Begriff gebracht. Handkes einschlägige Formulierungen in der "Morawischen Nacht" klingen wie ein fernes Echo darauf.

Schreiben? Was hatte ihm das einmal bedeutet? Vor allem wohl ein Entkommen. Entkommen wem? Der sogenannten Realität? Dem Realitätszwang? Der Welt? Den Forderungen der Welt? Nein. Oder, ja: Wenn das Mundaufmachen, das Redenmüssen solch eine Forderung der Welt ist, so trieb es ihn, derselben zu entkommen, und nicht auf dem Weg etwa des Verstummens, sondern eben des Aufschreibens.

Von heute aus betrachtet, zeigt sich, dass es nach wie vor eine große Verweigerung gegen das große Mitmachen ist, die Handkes Schreibhaltung vielleicht mehr bestimmt als irgend etwas anderes. Obwohl er ja ganz und gar keiner von den Politisierten sondern eher ein Pop-68er war. Sein Versuch, der Weltwirklichkeit durch Intensivierung seiner poetischen Praxis besonders nahe zu kommen, ist daher vor allem eine wunderbar störrische Donquichotterie -: durchaus ernst zu nehmen, aber stets aufs engste mit dem Scheitern verschwistert. Und wahrscheinlich ist es gerades das, worin das wahre und wirklich große, zugleich aber auch immer zwiespältige epische Abenteuer dieses poetischen Heldenlebens besteht.

Peter Handke: Die morawische Nacht. Erzählung. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008. 561 Seiten

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