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StartseiteKommentare und Themen der WocheSchwere Schlappe für Trump 13.12.2017

Senatswahl in AlabamaSchwere Schlappe für Trump

Zum ersten Mal seit einem Vierteljahrhundert haben die Demokraten in der republikanischen Hochburg Alabama eine Wahl gewonnen. Für US-Präsident Donald Trump sei das in mehrfacher Hinsicht eine herbe Schlappe, kommentiert Martin Ganselmeier - und für die Demokraten wie eine Frischzellenkur.

Von Martin Ganslmeier

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Doug Jones und seine Frau Louise jubeln vor Anhängern der Demokratischen Partei (dpa/ZUMA Wire/Brian Cahn)
Der Demokrat Jones hat die Senats-Nachwahl in Alabama gewonnen (dpa/ZUMA Wire/Brian Cahn)
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Senats-Nachwahl Überraschungssieg der Demokraten in Alabama

Dieses Wahlergebnis ist eine Sensation. In einem der konservativsten Bundesstaaten der Vereinigten Staaten hat zum ersten Mal seit einem Vierteljahrhundert ein Demokrat eine wichtige Wahl gewonnen. Für Amerika ist das so als würde in Bayern die SPD gewinnen.

Für US-Präsident Donald Trump ist dies in mehrfacher Hinsicht eine herbe Schlappe. Gegen den Rat der Parteiführung hatte sich Trump voll hinter den umstrittenen Kandidaten der Republikaner gestellt, den erzkonservativen Richter Roy Moore. Und das obwohl dieser von mehreren Frauen glaubhaft der sexuellen Belästigung beschuldigt wurde. Darunter auch eine Frau, die damals erst 14 Jahre alt war. 

Trump, der selbst mehrere Frauen belästigt haben soll, hatte sich auch deshalb für Roy Moore stark gemacht, weil er in ihm einen Seelenverwandten sah: einen, der provozierte, das Establishment aufmischte und bewusst politisch inkorrekt war. Die Wahlniederlage von Moore und Trump ist auch ein Rückschlag für all jene Kräfte, die aus der Republikanischen Partei eine rechtspopulistische Bewegung machen wollen. Traditionelle Republikaner und moderate Konservative werden sich klammheimlich über Moores Wahlniederlage freuen.

Eine Quittung für die bisherige Politik von Donald Trump

Die Senatswahl in Alabama ist auch eine Quittung für die bisherige Politik von Donald Trump: selbst im tiefen Süden sind die Wähler unzufrieden mit dem chaotischen Regierungsstil des Präsidenten und seiner polarisierenden Art, mit der er das Land spaltet.

Schließlich die bitterste Konsequenz dieser Wahl für Trump: Nun tritt ein, was er unter allen Umständen vermeiden wollte. Der Stimmenvorsprung im Senat schrumpft auf nur noch eine Stimme. Damit steht auch seine große Steuerreform auf wackeligen Füßen.

Für die Demokraten ist der Wahlsieg in der republikanischen Hochburg Alabama wie eine Frischzellenkur rechtzeitig vor den Halbzeitwahlen 2018. Auch dank des Last-Minute-Einsatzes von Barack Obama gelang es in Alabama, Afroamerikaner und Jungwähler zu mobilisieren. Das Erdbeben von Alabama ist letztlich auch ein Sieg für Frauen in den USA, die Me-too-Bewegung und die "Washington Post". Ohne deren gut recherchierte Berichte wäre das wahre Gesicht des erzkonservativen Richters verborgen geblieben.

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