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StartseiteCampus & KarriereGeistesblitze unter grauen Haaren22.05.2015

SeniorenstudiumGeistesblitze unter grauen Haaren

Immer mehr ältere Menschen zieht es an die Universitäten. 55.000 sind es derzeit deutschlandweit. Sie nehmen als Gasthörer an regulären Studiengängen teil oder sitzen in Seminaren speziell für ältere Semester. Obwohl die Unis ohnehin Mühe haben, alle Studenten unterzubringen, bauen sie das Angebot für Senioren aus.

Von Alexander Musik

Studierende nehmen am 24.03.2015 in einem Hörsaal der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) am Seniorenkolleg mit dem Vortrag zum Thema "Königspfalzenland Sachsen-Anhalt" teil. Seit Jahrzehnten haben wissbegierige Menschen ab dem 50. Lebensjahr die Möglichkeit in Magdeburg derartige Angebote der Hochschule zu nutzen. (picture alliance / dpa / Jens Wolf)
Studierende am Seniorenkolleg der Universität Magdeburg. (picture alliance / dpa / Jens Wolf)
Weiterführende Information

Wohnen für Hilfe - Wenn Studenten mit 20 ins Altersheim ziehen
(Deutschlandfunk, Das Wochenendjournal, 15.03.2014)

Mein Studium - Keine Frage des Alters
(DRadio Wissen, Mein Studium, 30.12.2013)

Raus aus dem Job, rein in den Hörsaal
(Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 26.03.2010)

Das Zentrum für Wissenschaftliche Weiterbildung an der Uni Mainz ist die Anlaufstelle für interessierte Gasthörer und alle, die sich über das "Studium 50 plus" informieren wollen.

"Ich lerne hier aus Lust am Lernen, ohne Prüfungsdruck ohne ein besonderes Ziel zu haben, sondern einfach weil es toll ist, Zeit zu haben für Themen, die bislang zu kurz gekommen sind."

"Das Seniorenstudium ist aus unserer Sicht - wir sind Rentner - eine wesentliche Bereicherung des Alltages, es ist zugleich Erfüllung eines Traums, der sich entwickelt hat während der aktiven Zeit. Wir haben jeweils eine Anreise von über 100 km nach Mainz."

Unser ältester Teilnehmer ist 95, sagt Kathrin Hanik; sie leitet das Gasthörer- und das "Studium 50 plus" an der Uni Mainz:

"Studieren 50 plus oder überhaupt an die Uni zu kommen, das hat für viele 'ne ganz wichtige soziale Funktion, das ist Strukturierung ihres Tagesablaufs, das ist für die Teilnehmenden unglaublich wichtig, die planen sich das ein, die halten sich ihre entsprechenden Zeiten frei, gehen zu den Veranstaltungen, treffen andere Teilnehmende, die sie teils schon lange kennen, teilweise neu kennenlernen, tauschen sich mit den Dozentinnen und Dozenten aus. Es sind Freundschaften entstanden, manche fahren zusammen in Urlaub, das hat 'ne ganze andere Dynamik, als wir das uns zu Anfang gedacht hatten!"

Besonderes nachgefragt: die Fachbereiche Geschichtswissenschaften und Philosophie. 200 Gasthörer gibt es etwa pro Semester, zu zahlen sind 120 Euro. 650 Teilnehmer belegten jüngst die 140 Veranstaltungen des "Studium 50 plus". Zugangsvoraussetzungen gibt es für beide Optionen nicht. Das ist nicht immer so: An der Ludwig-Maximilian-Universität München oder der Uni Regensburg etwa wird auch für Gasthörer, die ja gar keinen Abschluss machen dürfen, das Abitur verlangt. In Mainz ist es indes universitärer Wille, "Forschungsergebnisse möglichst in die Breite zu transferieren", wie es Kathrin Hanik ausdrückt:

"Früher war das für viele nicht einfach, einen höheren Bildungsabschluss zu erzielen, wir merken das immer wieder, es gibt auch Teilnehmende, die sagen, wir kommen jetzt an die Universität, weil wir früher nicht die Möglichkeit hatten, wir konnten nicht studieren, ich hab 'ne Ausbildung gemacht, oder ich hab früh Kinder bekommen, ich hatte nicht die Chance. Jetzt im Alter möchte ich das nachholen, was mir früher nicht möglich war."

Semesterabschlussfest und Zeit zum intellektuellen Austausch

Den Mehraufwand an Platz und Betreuung lassen sich die Unis natürlich bezahlen. Nicht nur in Mainz, sondern an Dutzenden Universitäten in Deutschland, die sich für die neue Klientel öffnen. In Mainz fließen die Gebühren für Gasthörer und "50 plus"-Teilnehmer - je nach Buchungslage - an die betroffenen Fachbereiche zurück.

"Beim Gasthörerstudium ist es so, dass die Gasthörergebühren natürlich an die beteiligten Fachbereiche ausgeschüttet werden und eben so dazu dienen können, zum Beispiel zusätzliche Lehraufträge in besonders stark nachgefragten Bereichen anzubieten. Es ist ja einfach fair, diejenigen, die Mehraufwand haben, weil mehr Teilnehmende in ihren Veranstaltungen sitzen - das ist doch nur gerechtfertigt, dass die entsprechend finanziell beteiligt werden."

Bundesweit einzigartig, so Kathrin Hanik, dürfte in Mainz indes das Semesterabschlussfest sein: Die Dozenten bewerben 75 Veranstaltungen des jeweils neuen Semesters persönlich und in geselliger Atmosphäre.

Also ganz so, wie es sich der Akademische Verein der Senioren in Deutschland, kurz AVDS, wünscht. Die Senioren wollen die Uni nämlich "durch die Vordertür betreten und nicht alleingelassen werden", so AVDS-Berater Bernd Werner Schmitt gegenüber dem Deutschlandfunk.

"Dass man Strukturen hat, Ansprechpartner hat, sich nicht irgendwo auf dem Flur verläuft und in so 'ner Kategorie einsortiert wird unter Sonstige. Zum Beispiel unter Gasthörer, wo ja eben auch alle möglichen Gruppen drunter laufen, sondern dass man sagt: Seniorenstudium ist 'ne normale Kategorie an der Universität."

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