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StartseiteHintergrundDer umstrittene Turmbau zu Belgrad13.08.2016

SerbienDer umstrittene Turmbau zu Belgrad

Mit Geld aus den Vereinigten Arabischen Emiraten will der serbische Regierungschef Aleksandar Vucic ein Mega-Projekt verwirklichen: Belgrade Waterfront. Im alten Belgrader Hafenviertel soll ein neues Stadtviertel mit Luxuswohnungen und dem größten Einkaufszentrum des Balkans entstehen. Doch das Projekt spaltet die serbische Hauptstadt und das ganze Land.

Von Ralf Borchard

Blick auf die Baustelle der Belgrade Waterfront. (AFP PHOTO / ANDREJ ISAKOVIC)
Blick auf die Baustelle der Belgrade Waterfront. (AFP PHOTO / ANDREJ ISAKOVIC)
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Belgrad, das alte Hafenviertel, am Ufer der Save. Baukräne drehen sich, Bagger schaufeln, Lastwagen bringen Material und transportieren Schutt ab. Mittendrin steht Marko Cadez, Chef der serbischen Wirtschaftskammer. Er schwärmt von einem völlig neuen Stadtviertel, das hier entstehen soll, Belgrade Waterfront, Belgrad am Wasser:

"Belgrade Waterfront ist eine der größten Baustellen in Europa. Und hier, wo wir zurzeit stehen, entstehen ganz neue Wohnblocks, Büroblocks, Shopping Malls, sozusagen ein neuer Stadtteil mit 1,8 Millionen Quadratmeter Wohnfläche, mit Hotels, mit dem Belgrade Tower - das soll eines der höchsten Gebäude in der Region sein. Das heißt: Das Gesicht Belgrads wird sich dramatisch ändern."

Das meiste Geld für das Projekt kommt aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Es klingt wie ein Märchen aus 1001 Nacht: Die Investoren haben drei Milliarden Euro versprochen. Dafür sollen auf lange Sicht 20.000 Arbeitsplätze entstehen, der höchste Turm zwischen Wien und Istanbul, das größte Einkaufszentrum Südosteuropas. Das Ganze gilt als persönliches Prestigeprojekt des serbischen Regierungschefs Aleksandar Vucic, früher Ultranationalist, heute Verfechter eines EU-Beitritts seines Landes. Marko Cadez ist als Chef der Wirtschaftskammer ein enger Vertrauter von Vucic:

"Ich glaube, es ist auch wichtig, dass das nicht nur ein Projekt des Premierministers ist. Ich glaube, er hat es schon mittlerweile geschafft, eine Mehrheit dafür zu gewinnen, auch eine Mehrheit der Leute, die in Belgrad leben, zu sagen: Ja, es ist unser persönliches Projekt, weil das zieht. Das ist etwas, was Belgrad nach vorne bringt. Das ist etwas, das nicht nur gedacht ist für zwei Jahre oder für eine Legislaturperiode, für eine Regierung, sondern dieses Projekt wird sich entwickeln, es wird sich mit Serbien entwickeln."

Die tiefste Baugrube am Save-Ufer ist für das Hochhaus bestimmt, das das neue Wahrzeichen Belgrads werden soll. Auch für Ivan Bosnjak, Chef der Baufirma Millenium, ist Belgrade Waterfront das Zukunftsprojekt schlechthin:

"Im Moment sind 200 Bauarbeiter hier damit beschäftigt, den ersten Teil der Uferpromenade fertigzustellen. Und weitere 150 arbeiten am Turm, dem Belgrade Tower, dort hinter uns. In die unteren Stockwerke des Turms kommt ein Hotel, in den oberen Teil kommen Luxusappartements. Das werden die Appartements mit dem besten Ausblick: auf Save und Donau, die beiden Flüsse der Stadt. Und in die andere Richtung auf ganz Belgrad."

Uferpromenade soll als erstes fertig werden

Wichtig aus Bosnjaks Sicht: Zuerst soll die Uferpromenade fertig werden. Ein schickes Café hat schon eröffnet, davor eine Plattform aus Holz und Stahl, die in den Fluss hinausragt. Die Leute sollen den Fortschritt auf der Baustelle miterleben, dabei sein, wenn die Türme in den Himmel wachsen. Profitieren wirklich serbische Firmen vom Geld der Scheichs?

"Ich denke, Serbien profitiert tatsächlich am meisten davon. Die arabischen Partner bringen das gesamte Geld, die Investitionen ein. Und alle beteiligten Firmen sind serbische Firmen."

Stimmt nicht, sagen die Kritiker des Großprojekts: serbische Architekten, Intellektuelle, verschiedene Bürgerinitiativen. Für sie ist Belgrade Waterfront kein Märchen aus 1001 Nacht, sondern ein großer Betrug. Marko Aksentievic ist einer dieser Gegner. Wir stehen an einer Stelle, die symbolisch ist für die Gegnerschaft.

Der serbische Regierungschef Aleksandar Vucic jubelt nach seinem Wahlsieg (picture alliance/dpa/Andrej Cukic)Der serbische Regierungschef Aleksandar Vucic. (picture alliance/dpa/Andrej Cukic)

"Ja, dies gehört zu dem Teil des Belgrade-Waterfront-Areals, der zuerst entwickelt werden soll. Die alten Häuser hier wurden von Unbekannten in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zerstört, in Absprache mit der Polizei. Das Ganze war von staatlichen Stellen orchestriert. Es passierte in der Nacht der Parlamentswahl. Zwischen zwei und vier Uhr früh kamen 30 maskierte Männer mit Bulldozern und haben diesen zentralen Teil des Stadtviertels abgerissen. Das illustriert ziemlich gut, wie das ganze Projekt hier durchgezogen wird. Es gibt einen Grund, warum das in diesem Tempo geschieht. Die Frist für den Abriss der alten Häuser in diesem Gebiet läuft ab. Und sie konnten nicht alle Enteignungen rechtzeitig abschließen. Als die Maskierten mit ihren Bulldozern kamen, haben die letzten Bewohner des Viertels die Polizei gerufen. Die Antwort war: Wir können nicht kommen. Die Polizei hatte offenbar Order von oben, nicht einzugreifen. Und das mitten in Belgrad."

Die illegale Abrissaktion in der Nacht der letzten Parlamentswahl hat den Widerstand gegen das Projekt Belgrade Waterfront erheblich vergrößert. Immer wieder kommt es zu Protesten, die auch Demonstrationen gegen den Regierungschef Aleksandar Vucic und den Belgrader Bürgermeister Sinisa Mali sind. Warum wollen Vucic und seine Gefolgsleute Belgrade Waterfront unbedingt? Marko Aksentievic sagt:

"Es gibt verschiedene Blickwinkel. Nachdem wir die Verträge, soweit das möglich ist, gelesen haben, kann man sagen: Es ist ein Deal. Ein Geschäft, das sowohl staatlichen Grund als auch staatliche Gelder in die Hände von Privatleuten legt. Das sind zum einen die Investoren, die unterschrieben haben, aber es sind auch Profiteure im Hintergrund, die wir nicht genau kennen. Jedes Gericht müsste das bei gesundem Menschenverstand für null und nichtig erklären. Liest man die Verträge genau, haben die arabischen Investoren nicht wie angekündigt drei Milliarden, sondern nur 20 Millionen Euro zugesagt. Während der serbische Staat eine Milliarde in die öffentliche Infrastruktur investiert und gleichzeitig den Bürgern den wertvollsten Baugrund Belgrads wegnimmt. Ich kann gar nicht beschreiben, wie kriminell das alles ist. Aber es gibt offenbar einige, die endlos profitieren, vom Verkauf des Grund und Bodens. Und von den Arbeiten auf dem Areal."

- "Das heißt, es ist aus Ihrer Sicht ein Ausverkauf der Stadt und des ganzen Landes?"

Gegner befürchten Ausverkauf Serbiens

- "Es ist ein Ausverkauf Serbiens an Kräfte, die die Verträge gar nicht selbst unterschreiben. Es ist eine Show. Ein Publicity-Trick. Darin sind sie sehr gut. Sie sagen: Schaut her, ihr bekommt eine tolles neues Stadtviertel, eine schöne öffentliche Uferpromenade. Dabei ist es der Raub des Jahrhunderts. Man muss den Kontext verstehen. Der Privatisierungsprozess läuft schon seit Langem. Erst wurden staatliche Wohnungen, dann staatliche Industriebetriebe privatisiert. Jetzt kommen die letzten verbliebenen Ressourcen dran. Die neue politische Elite verkauft das wertvollste Gemeingut, pumpt dazu unser Steuergeld in die Infrastruktur drum herum. Und die genauen Mechanismen, wer profitiert, bleiben verborgen, weil das nirgends dokumentiert wird. Das beschreibt in etwa, wie kriminell der ganze Deal ist."

Marko Aksentievic verabschiedet sich eilig, er organisiert für den gleichen Abend die nächste Großdemonstration. Zeit, um in der Zentrale von Eagle Hills, so heißt die Investitionsfirma aus Abu Dhabi, das Architekturmodell des Projekts zu begutachten.

Es steht im Schauraum eines aufwendig renovierten Prachtbaus in der Nähe der Baustelle, an den Wänden riesige Bildschirme für Computeranimationen. Marko Cadez, der Chef der serbischen Wirtschaftskammer, zeigt direkt auf den Belgrade Tower:

"Jede Stadt hat ein Symbol, Eiffelturm, Fernsehturm, jetzt entsteht sozusagen noch ein neues Symbol: Belgrade Tower.

- "Jetzt noch mal ganz ehrlich: Es könnte auch nur die Hälfte übrig bleiben. Oder wird das wirklich alles gebaut, ist das sicher?"

"Also, natürlich muss man sagen, bei solchen Projekten, wie überall auf der Welt, ob das in Vancouver war, ob das in Stockholm war, ob das Hamburger Hafencity war: Solche Projekte leben natürlich ihr eigenes Leben und sie entwickeln sich so, wie sich die wirtschaftliche Lage, wie sich das Land auch entwickelt. Hier sind alle Phasen durchgedacht. Hier sehen wir, wie es aussehen soll in 20 Jahren."

- "Dieses Gebäude ist ja auch eine Verkaufszentrale. Die Wohnungen werden hier verkauft. Warum investieren die Scheichs hier?"

- "Also die haben das Projekt, glaube ich, erst mal als Geschäft angeguckt, und gesagt: Ja, hier entsteht etwas mitten im Herzen von Europa, was für uns interessant sein kann als Investition und wir glauben, dass das Projekt auch profitabel sein kann."

Plastikente als Symbol des Protests

Wenig später demonstrieren Tausende im Stadtzentrum zwischen Rathaus und serbischem Parlament vor allem gegen den illegalen Häuserabbruch durch Vermummte in der Wahlnacht, aber auch gegen Belgrade Waterfront insgesamt.

"Ertränkt Belgrad nicht", "Gebt uns die Stadt zurück" steht auf Transparenten. Symbol der Demonstranten ist eine gelbe Plastikente. Viele halten eine kleine Ente in der Hand, eine Riesenversion hat die Polizei vor Kurzem konfisziert. Marko Aksentievic erklärt, warum:

"Wir haben eine Plastikente als Symbol gewählt, weil sie schwimmt, mit Wasser zu tun hat. Aber das serbische Wort für Ente bedeutet auch Betrug. Und es ist ein Synonym für das männliche Geschlechtsteil. Das passt, weil Regierung und Stadtverwaltung so mächtig angeben mit dem höchsten Turm weit und breit, weil sie mit diesen Superlativen prahlen, die am Ende, bei Licht betrachtet, wieder zusammenschrumpfen. Aber die Ente bleibt unser Symbol, sie wird zurückkommen, größer und stärker als je zuvor, und zwar schon bald."

Proteste gegen das Belgrade Waterfrond am 11.06.2016. (AFP PHOTO / ANDREJ ISAKOVIC)Proteste gegen das Belgrade Waterfrond am 11.06.2016. (AFP PHOTO / ANDREJ ISAKOVIC)

Regierungschef Aleksandar Vucic ist durch die Proteste unter Druck geraten. Inzwischen hat er eingeräumt, dass offizielle Stellen die maskierten Männer gedeckt haben, die in der Wahlnacht einen Teil des Areals abgerissen haben. "Höchste Funktionäre der Stadtverwaltung", wie Vucic sagte. Namen nannte er nicht. Gleichzeitig verteidigt Vucic sein Großprojekt weiter:

"Wir werden hier ein Gebäude bauen, das zum Wahrzeichen unserer Stadt, unseres ganzen Landes werden wird. Vorher konnte man in dieser Gegend nur Mäuse, Ratten und die ein oder andere Schlange finden. Heute ist dieses Gelände gesäubert und morgen wird es ein herrliches Viertel sein, mit dessen Schönheit und Großartigkeit fast niemand in der Region konkurrieren kann. Belgrad wird zu einem Zentrum für Handel und Tourismus werden und Serbien zum Mittelpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung und des Fortschritts in der ganzen Region."

Belgrad ist natürlich viel mehr als der Streit um das Bauprojekt Belgrade Waterfront. Es ist eine Stadt mit 2.000-jähriger Geschichte. Den besten Überblick hat man von der Alten Festung oberhalb der Stadt. Von hier sieht man nicht nur die Kräne auf der Baustelle von Belgrade Waterfront, man sieht auch das gläserne Hochhaus, das einst Slobodan Milosevic als Parteizentrale diente, 1999 von NATO-Bomben getroffen. In der Ferne erkennt man das Westtor, Beispiel für die sozialistische Architektur der Tito-Zeit. Und man hat Ausblick auf die Mündung der Save in die Donau. Das Belgrade-Waterfront-Areal liegt zwar ein ganzes Stück entfernt, hinter einer der vielen Save-Brücken. Doch von der Alten Festung aus kann man sich gut vorstellen, wie sehr ein 200 Meter hoher Turm das Bild der Stadt verändern würde.

Meinung in der Bevölkerung nicht erforscht

Zurück in der Innenstadt ein Versuch, die Meinung der Durchschnittsbürger zu Belgrade Waterfront einzufangen. Verlässliche repräsentative Umfragen, wie viele das Projekt befürworten, wie viele es ablehnen, gibt es nicht. Das Stimmungsbild ist in jedem Fall gemischt:

- "Was aus dem Projekt wird, weiß niemand. Auch, wenn es heute viele nicht gut finden, wer weiß, wie man es in zehn Jahren sehen wird. Dieses heruntergekommene Gelände zu räumen, war sicher richtig, aber sie sollten etwas schöneres darauf bauen."

- "Ich bin nicht für dieses Projekt. Weil die Schönheit, die Traditionen der Stadt nicht gefährdet werden sollten. Es sollte auch nicht immer nur Belgrad im Zentrum stehen, sondern ganz Serbien. Belgrad ist zwar die Hauptstadt, aber man sollte etwas für das ganze Land tun."

- "Super, super, kann ich nur sagen. Alles, was sich dieser Vucic ausdenkt, macht er auch. Alle Ehre. Die Bevölkerung macht ihm immer Probleme, die Menschen sind nie zufrieden. Und der arme Vucic kämpft so gut er kann, aber das nützt nichts, sie wollen ihn lynchen. So ist das."

- "Ehrlich gesagt, mir gefällt das Projekt. Aber ich glaube, fertig wird es erst in 30, 40 Jahren. Aber Durchschnittsbürger werden dort kaum leben, sondern ganz sicher Reiche. Wer das genau ist, und von welchem Geld sie reich geworden sind, das ist eine andere Frage. Unser Land ist ziemlich korrupt. Trotzdem: Am Ende hoffe ich, es wird was aus diesem Projekt."

Es gibt auch Stimmen, die sagen: Die Positionen von Regierung und Projektgegnern lassen sich versöhnen. Etwa die Stimme von Maja Lalic. Die Architektin leitet ein alternatives Kulturzentrum in der Nähe der Großbaustelle. Das "Mikser House" im Stadtteil Savamala wurde noch nicht abgerissen und hat auch gute Chancen, stehen zu bleiben:

"Wenn wir von Bürgerbeteiligung sprechen: Ich glaube, niemand war gegen die Grundidee, dass wir das Flussufer wiederbeleben. Aber die Art und Weise, wie es gemacht wurde, war nicht der richtige Weg. Die Modelle wurde von Leuten in Singapur entwickelt, die nie in Belgrad waren. Dabei haben wir in Serbien selbst so viele gute Leute. Wir haben hier in Belgrad ein riesiges kreatives Potenzial, Leute, die besser als alle anderen wissen, was gut ist für diese Stadt. Aber ich denke, dieser Fehler kann immer noch korrigiert werden, wenn es jemanden gibt, der auf uns hört."

Maja Lalic hat in New York studiert und gearbeitet, sie weiß also, wie es sich im wirklichen Manhattan anfühlt. Ist das Schlagwort vom "Manhattan an der Save", das hier entstehen soll, gerechtfertigt?

- "Was ist Ihre Zukunftshoffnung für Belgrad insgesamt und vielleicht auch gerade für dieses Gebiet hier. Könnte Belgrad irgendwann ein Kreativzentrum für Südosteuropa werden?"

Der serbische Premierminister Aleksandar Vucic mit dem Repräsentanten der UAE Eagle Hills Company beim Spatenstich für ein Projekt im Künstlerviertel Savamala in Belgrad/Serbien am 27.09.2015. (AFP / Andrej Isakovic)Der serbische premierminister Vucovic beim Spatenstich. (AFP / Andrej Isakovic)

- "Wissen Sie, Savamala ist wirklich eigenartig, es ist ein so kleiner Teil von Belgrad. Aber es ist schon heute ein Symbol für spontane Entwicklung. Es gab vor Kurzem eine Auszeichnung für Savamala, es wurde zu einem der Top-Ten-Ziele für junge Leute in Europa gewählt. Und das nicht wegen irgendwelcher Großinvestoren. Das ist entstanden durch den Enthusiasmus vieler kleiner Leute und Initiativen, durch Gemeinschaftsgeist. Wir könnten wirklich mehr beitragen, auch als eine Art Stimme der Gesamtbevölkerung, der normalen Leute."

Zurück am Save-Ufer, an der schon fast fertiggestellten Promenade. In der Abenddämmerung kommen Jogger und Radfahrer vorbei, das neue Café ist gut besucht. Marko Cadez, der Chef der serbischen Wirtschaftskammer, meint: Wer in den nächsten Jahren nach Belgrad kommt, wird den Fortschritt mit eigenen Augen sehen können, der Widerstand wird sich legen.

"In meiner zweiten Heimatstadt, in Frankfurt, in der ganzen Ostendgegend, wo ein neues Stadtviertel entstanden ist, da gab es am Anfang auch Protestbewegungen. Und ich glaube aber, dass, je weiter das Projekt geht, auch diese zwei gegensätzlichen Gruppen eigentlich zueinander kommen."

Kann sich das auch Marko Aksentievic, einer der Köpfe der Protestbewegung, vorstellen?

"Nun gut, ich fühle mich nicht in einer Art Kriegszustand. Aber wenn es nur um schicke Cafés geht, Appartements, die sich kein normaler Mensch leisten kann, darum, hier das größte Shopping-Center der Region zu bauen, dann macht das einfach keinen Sinn. Ich weiß schon, es gibt viele Menschen, die bei diesen Versprechen, dass wir da wunderbare öffentliche Flächen, neue Einkaufsmöglichkeiten kriegen, anbeißen. Aber dass wir uns so billig verkaufen, darum kann es doch nicht gehen, darum, sozusagen, etwas mehr Marmor am Flussufer auszulegen."

Und die Architektin Maja Lalic, glaubt sie wirklich, dass die Entwickler von Belgrade Waterfront die Kreativszene der Stadt, die Zivilgesellschaft noch integrieren?

"Oder, was noch netter wäre: Wir integrieren sie! Sie stehen noch am Anfang, müssen sich noch entwickeln. Wir tun schon lange etwas. Wir sind schon da."

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