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StartseiteWirtschaft und GesellschaftSpaniens Banken sind vorsichtiger geworden18.07.2017

Serie: Krisenkeim?Spaniens Banken sind vorsichtiger geworden

In Spanien steigen die Immobilienpreise wieder. Vor allem in den großen Städten haben die Preise in den vergangenen Jahren wieder angezogen - fast wie vor der Krise. Aber der Kreis der Menschen, die sich eine Wohnung kaufen, ist kleiner geworden. Diesmal treten ausgerechnet die Banken auf die Bremse.

Von Marc Dugge

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(picture alliance / dpa)
Die Immobilienblase hat beim Platzen viele Bauruinen hinterlassen. Haben die Spanier und ihre Banken daraus gelernt? (picture alliance / dpa)
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"Paseo de la Habana", steht auf dem Zettel. "Gelegenheit! Phantastische, helle Drei-Zimmer-Wohnung – 540.000 Euro". Das Papier ist an einen Laternenpfahl geklebt. Wer interessiert ist, kann sich einen Schnipsel mit der Telefonnummer abreißen. So wie früher, vor der Krise.

Lange waren die wilden Zettel mit den Wohnungsangeboten verschwunden, jetzt sind sie zurück. Die Preise für Wohnungen in Spanien sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen: Im Jahr 2015 um 4,2 Prozent, ein Jahr später noch einmal um 4,5. Michael Gross, Immobilienmakler in Madrid:

"Die Wohnungspreise sind wie vor der Krise, vor allem die Kaufpreise. Es kaufen heute allerdings weniger Menschen, die es sich eigentlich nicht leisten können. Einfach, weil die Banken da eine größere Kontrolle darüber haben. Um einen Kredit bei der Bank zu bekommen, muss man auch in Spanien mindestens 25 Prozent Kapital vorweisen – besser mehr. Die Banken rechnen schon sehr genau dagegen."

Die Zeiten haben sich geändert - die Banken schauen hin

So müssen Käufer heute außerdem eine Verdienstausfallversicherung vorweisen. Die Zeiten haben sich geändert in Spanien. Früher drehten hier Banken auch finanziell klammen Kunden hemmungslos Immobilien an. Einen Kredit für ein neues Auto gab es oft gleich mit dazu. Heute sind die Banken stärker reguliert. Doch das Immobiliengeschäft laufe wieder, sagt Oscar Martinez, Präsident der Berufsvereinigung der Immobilienexperten:

"Gerade in den großen Städten fehlt es an Wohnungen. Deswegen haben sich Immobilien verteuert und tatsächlich haben die Verkäufe angezogen. In den vergangenen zwei Jahren sind sie gestiegen – und die Preise sind immer noch sehr niedrig."

Zumindest seien die Wohnungspreise der Nachfrage angemessen, sagt Martínez. Anzeichen für eine neue Immobilienblase, für Spekulation im großen Maßstab, sieht er nicht. Das belegen auch Zahlen der Nationalen Statistikbehörde. Sie zeigen, dass die Preise von Immobilien in Spanien zwar anziehen – aber immer noch gut 20 Prozent unter dem Vorkrisen-Niveau sind. Gerade auf dem Land gehen Immobilien oft immer noch für Schleuderpreise weg.

Niedrigzins-Politik treibt zum Immobilienkauf

Experten mahnen trotzdem zur Wachsamkeit. Immer noch sei es verführerisch, die Baubranche wieder in ein Füllhorn zu verwandeln, schrieb etwa der Ökonom José Moisés kürzlich. Gerade in Zeiten, in denen die Nachfrage steigt und die Zinsen niedrig sind. Tatsächlich treibe die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank die Nachfrage an, so Oscar Martínez vom Verband der Immobilienexperten:

"Ich erinnere mich noch an Zinssätze von 18 Prozent in den Neunzigerjahren, als sich der Preis der Wohnung in wenigen Jahren verdoppelt hat. Die niedrigen Zinssätze heute ermutigen dazu, eine Immobilie zu erwerben. Die Politik der EZB hilft da schon sehr."

Mieten in Madrid in einem Jahr um 12 Prozent gestiegen

Trotzdem: Auch mit niedrigsten Zinssätzen kann sich nicht jeder eine Wohnung leisten – oder besser: Nicht jeder eine bekommen. Weil die Banken öfter als früher einen Riegel vorschieben. Das hat Konsequenzen auch für den Mietmarkt. Makler Michael Gross:

"Das Problem ist, dass viele Leute, die früher gekauft haben, jetzt auf diesen Mietmarkt gehen. Dieser sehr kleine Mietmarkt - das sind immer noch 20, 25 Prozent der Häuser und Wohnungen, die verfügbar sind - verdichtet sich entsprechend. Von daher kommen die wirklich sehr hohen Mietsteigerungen."

Laut der Zeitung "El Mundo" sind die Mieten in Madrid um zwölf Prozent gestiegen. In nur einem Jahr. Sind die Spanier vielleicht zurückhaltender geworden beim Immobilienkauf? Nein, sagt Oscar Martínez. Vorsichtiger geworden seien in Spanien vor allem die Banken.

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