• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteUmwelt und VerbraucherWarum Reparieren besser ist als Wegwerfen28.10.2014

Serie Warum Reparieren besser ist als Wegwerfen

Wenn sich Elektrogeräte nicht mehr anschalten lassen, gehören sie noch lange nicht auf den Müll. Häufig könnten sie mit wenig Aufwand wieder in Gang gebracht werden. Doch was tun, wenn man keine Ahnung von Technik hat? Repair-Cafés helfen.

Von Kai Rüsberg

Zu sehen ist ein Gabelstapler, der Paletten mit Elektroschrott transportiert (Deutschlandradio / AFP / Damien Meyer )
Wie sich Elektrogeräte nachhaltig nutzen lassen (Deutschlandradio / AFP / Damien Meyer )

In dem kleinen Ladenlokal am Rande der Bochumer Innenstadt ist es drängend voll. Knapp 30 Besucher sind zum Repair-Café gekommen und stehen bis auf die Straße an. Dieter Fiebing ist extra aus Hattingen angereist - mit seinem defekten Elektrogerät: "Mein Fernseher ist zweieinhalb Jahre alt. Die Garantie ist abgelaufen. Der Ton geht nicht mehr. Der Techniker sagt, alles austauschen, Kosten von 700 bis 800 Euro."

Ein neuer und modernerer Fernseher dieser Klasse wäre günstiger, das hat er schon herausgefunden. Der Rentner wollte aber nicht einfach hinnehmen, dass ein hochwertiger Fernseher nach gut zwei Jahren plötzlich nichts mehr wert sein soll: "Ich bin aus einer Generation, die drauf achtet. Früher gab es noch Techniker, die so etwas reparieren konnten. Heute gibt es das nicht mehr, da gibt es nur Austauschtechniker."

Die Hobbybastler sind hartnäckig

In solchen Fällen ist das Repair-Café die richtige Adresse. Hobbybastler Nikolas Reinicke hat den Fehler schnell gefunden: "Hier war die NC-Endstufe durchgebrannt. Ich weiß nicht warum, aber es war deutlich sichtbar. Das habe ich beim letzten Termin ausgelötet, da hat der Kunde jetzt ein neues bestellt und jetzt versuche ich, dies einzulöten." Das richtige Ersatzteil zu finden, war gar nicht so einfach. Mit Hilfe der Bastler im Repair-Café ist Dieter Fiebing schließlich auf einen Internet-Händler gestoßen, der auch prompt lieferte. "Kostenaufwand: 7,60 Euro mit Versand aus Hongkong. Sprechen Sie mal mit Philips. Ich habe versucht, so ein Teil zu bekommen. In Deutschland nicht möglich."

Nicht alles ist Hightech an diesem Morgen im Repair-Café: Heckenscheren mit defekten Akkus, Staubsauger, in denen das Kabel von der Elektronik abgerissen ist, Musikanlagen mit defektem Netzteil. Fast alle Besitzer sind Senioren, sagt Organisatorin Justine Kubissza: "Viele ältere Leute, die an ihren Geräten hängen, die es noch kennen, dass man die Sachen reparieren lässt."

Zu sehen sind Studenten, die an Elektrogeräten herumbasteln, um sie wieder in Gang zu bringen. (Deutschlandradio / Kai Rüsberg )Studenten helfen Senioren im Repair Café in Bochum: Viele Geräte sind noch zu gut, um sie wegzuwerfen. (Deutschlandradio / Kai Rüsberg )

Ortswechsel: Das Labor in Bochum. So heißt der Verein aus jungen Aktivisten, die bei allen Repair-Cafés der Region als Fachleute eingeladen werden. Studentin Katrin Grannemann ist ihr bester Kunde. Schon mehrfach hat sie an ihrem iPhone gebastelt. Es gilt wegen vieler Verklebungen und Spezialhalterungen als wenig servicefreundlich. Das hat sie herausgefordert: "Verklebungen sind dazu da, um sie zu lösen. Weil man die Ersatzteile bestellen kann. Weil, das ist alles aus Glas und gefährdet, kaputt zu brechen, wenn man es hinfallen lässt."

Geräte sollen zeitig kaputt gehen

Doch die Miniaturisierung und Integration ist so weit fortgeschritten, dass sich häufig nur noch die Hauptplatinen, also die Mainboards, austauschen lassen, meint Student Laurenz Holthoff: "Gehäuse und einfache Teile wie eine USB-Buchse gibt es noch. Aber bei Handys und Laptops kann man meist nur ein ganzes Mainboard tauschen, weil es nicht Sinn macht, einen Chip zu tauschen." Er studiert Elektrotechnik. Da lernt er, wie man elektronische Schaltungen entwickelt und Bauteile aussucht. Lange Haltbarkeit stehe dabei nicht immer im Fokus. "Teil des Studiums ist Schaltungsdesign zu lernen. Da lernt man, wie man Schaltungen gut baut. Aber man wird auch darauf geprüft, dass die Schaltungen nach zwei Jahren kaputt gehen."

Im November planen sie erneut ein großes Repair-Café, bei dem sie möglichst vielen Elektrogeräten neues Leben einhauchen wollen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk