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Seit 06:50 Uhr Interview
StartseiteUmwelt und VerbraucherWarum Teilen gut ist29.10.2014

Serie Warum Teilen gut ist

Einen eigenen Beamer angeschafft, aber eigentlich steht er die meiste Zeit ungenutzt in der Ecke? Dann verleih‘ ihn doch, schlagen Plattformen wie Fairleihen vor. Per Internet können Anbieter und Suchende zueinanderfinden.

Von Anna Florenske

Zu sehen ist ein Gabelstapler, der Paletten mit Elektroschrott transportiert (Deutschlandradio / AFP / Damien Meyer )
Wie sich Elektrogeräte nachhaltig nutzen lassen (Deutschlandradio / AFP / Damien Meyer )

Nutzen statt besitzen, das ist Andre Mehlhop-Langes Devise. Wenn der Künstler mal für seine Schulprojekte günstig einen Beamer oder ein paar Tablets braucht, dann versucht er, sich die zu leihen. Günstiger als professionelle Verleihfirmen sind meist Online-Plattformen wie fairleihen.de, frents.com oder leihdirwas.de. Dort bekommt er Geräte von Privatpersonen: "Hier kann ich mich einloggen. So, ich habe Beamer eingegeben – und schwupp die wupp zeigt er mir alles, was an Beamern zur Verfügung steht. Und da sehe ich auch, das ist ja ´ne ganze Menge."

Alles ist schon da, man muss es nur finden

Michael Aechtler von leihdirwas.de, erklärt die zentrale Idee hinter seinem Internetangebot: "Eben dass man ungenutzte Ressourcen, die ja um einen rum bestehen, besser nutzt. Gerade wenn man jetzt in ´ner Großstadt lebt, da um einen ´rum ja alles da ist, was man braucht. Und wir wollten eigentlich die Ressourcen zugänglich machen."

Auf der Internetbörse kann man Bücher, Kostüme, Dachgepäckträger und vieles mehr ausleihen oder selbst anbieten. Andre Mehlhop-Lange schaut die Liste mit den Angeboten durch. Am häufigsten werden IT-Geräte getauscht: "Ich brauche auf jeden Fall einen, der Full HD hat. Da habe ich gerade was gesehen. Hier, da habe ich einen, 10 Euro am Tag, da kann man wirklich echt nicht meckern."

Ein gutes Angebot in seiner Nähe, der Kölner schreibt dem Anbieter über das Kontaktfeld. "So, dann kann ich jetzt hier angeben, von wann bis wann ich das Gerät gerne hätte. Vielleicht geht der Mensch dann noch ein bisschen mit dem Preis runter, das muss man dann noch gucken."

Geld sparen ist ein Motiv für das Geräteteilen, neudeutsch IT-Sharing. Aber das ist es nicht allein: "Die Nachhaltigkeit. Weil ich es ehrlich gesagt nicht einsehe, dass - wenn man ein Gerät drei, viermal im Jahr braucht - man sich das gleich wieder kaufen muss. Ressourcen spart man so - und das finde ich einen ganz, ganz wichtigen Aspekt."

Teilen schont Ressourcen und Umwelt

Es macht in der Tat Sinn, nicht immer gleich zu kaufen, wenn man ein Gerät braucht, bestätigt Cornelia Heydenreich von Germanwatch - das ist eine gemeinnützige Entwicklungs- und Umweltorganisation. Viele der Rohstoffe in Handys oder Notebooks wie Indium oder Samarium stecken in Seltenen Erden. Und - was vielen Menschen nicht bewusst ist - die Bedingungen, unter denen die Geräte produziert werden, sind meist problematisch: "Es sind ungefähr 30 Metalle, die in Handys oder Laptops zum Beispiel verbaut werden. Die einerseits unter erschreckenden Bedingungen häufig abgebaut werden und wo in Entwicklungsländern die Leute vertrieben werden, Flüsse verschmutzt, die Arbeitsbedingungen in den Minen sind sehr schlecht."

Germanwatch setzt sich für eine möglichst umweltfreundliche Nutzung von IT-Geräten ein. Bläst den Herstellern Gegenwind ins Gesicht, wenn sie wie Vodafone mit der Kampagne "Freu dich jedes Jahr über ein neues Smartphone" ihre Kunden zum häufigen Kauf anstacheln. Nachhaltiger Konsum sieht anders aus – nämlich so: "...dass man nicht jedem neuen Modetrend hinterher rennt, sondern überlegt, was ist notwendig und diese entsprechenden Geräte kauft. Oder auch überlegt: Brauche ich das wirklich jeden Tag oder kann ich mir auch mal ausleihen und mit anderen Leuten gemeinsam nutzen. Die lange Nutzung ist auf alle Fälle das Sinnvollste, was man im Bereich Nachhaltigkeit und IT tun kann."

Die aktuelle Novellierung des Elektro- und Elektronikgesetzes könnte eine Chance sein, eine längere Nutzung von IT-Geräten gesetzlich zu fördern. Cornelia Heydenreich sind dabei zwei Punkte wichtig: Zum einen, dass fest verbaute Akkus, die Verbraucher nicht auswechseln können, verboten werden: "Und das andere ist: Damit Geräte besonders lange genutzt werden können, wenn da nur ein Einzelteil kaputt ist, dass dann auch eine Reparatur möglich ist. Und dafür ist es wichtig, dass die Hersteller auch bestimmte Informationen bereitstellen, wie z.B. ein Gerät aufgebaut ist, über Bau Teile und Werkstoffe und da sind wir bislang leider noch nicht mit dem Gesetzesentwurf."

Wünsche in Richtung Politik. Derzeit beraten die Ministerien gerade über den Gesetzesentwurf. Anfang 2015 wird ihn der Bundestag diskutieren.

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