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StartseiteFirmenporträtGelsenwasser lehnt Fracking kategorisch ab08.08.2014

Serie: "Wer verdient am Wasser?"Gelsenwasser lehnt Fracking kategorisch ab

Wasser, Gas und Strom - die Gelsenwasser AG gehört zu den größten Versorgern Deutschlands. Am Wasser verdient der Konzern aber nur zweitrangig. Trotzdem: Auch wenn vom Fracking profitiert werden könnte, wird es strikt abgelehnt. Die Wasserqualität würde darunter leiden.

Von Mirko Smiljanic

Ein Plakat mit der Aufschrift "Stop Fracking". (dpa / Martin Gerten)
Die GELSENWASSER AG begleitet das Thema Fracking bereits seit drei Jahren. (dpa / Martin Gerten)
Weiterführende Information

Verunreinigtes Mineralwasser - "Einen Nullstandard kann man nicht festlegen" (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 25.07.2014)

Stiftung Warentest - Viele Mineralwasser enthalten Verunreinigungen (Deutschlandfunk, Verbrauchertipp, 24.07.2014)

Fracking - Trinkwasserschutz hat höchste Priorität (Deutschlandfunk, Aktuell, 04.07.2014)

Serie: "Wer verdient am Wasser?" - Portugiesisches Wasser auf Privatisierungskurs (Deutschlandfunk, Firmenporträt, 01.08.2014)

Eine idyllische Kulisse: Niedrige Gebäude schmiegen sich an die Ränder satt-grüner Wälder, hier und da unterbrechen weite Wiesen das Gelände, durch das sich Wege zu einer nahen Talsperre schlängeln.

"Wir sind im Wasserwerk Haltern am Südufer des Stauseesüdbeckens,"

erklärt Magnus Meckelburg, Betriebsleiter des Wasserwerks Haltern der Gelsenwasser AG, und zeigt über das 56 Hektar große Südbecken hinweg auf ein blaues Wehr. Dort beginnt das Nordbecken des Haltener Stausees, von dort fließt Wasser ins Südbecken, das zunächst mit Aktivkohle vorgereinigt wird.

"Wir geben Pulveraktivkohle zu, um insbesondere Pflanzenschutzmittel aus dem Stauseewasser zu entfernen. Spezieller Überwachungszeitraum ist in der Zeit, in der Pflanzenschutzmittel verstärkt ausgebracht werden, das ist eigentlich das ganze Sommerhalbjahr beginnend ab April bis in den späten Herbst."

Die Gelsenwasser AG zählt zu den größten Versorgern

Das Wasserwerk Haltern ist das größte seiner Art in Europa, so wie die Gelsenwasser AG zu den größten Versorgern Deutschlands zählt. 1887 im Ruhrgebiet gegründet, um die Montanindustrie und deren Arbeiter zu versorgen, liefert sie heute rund 250 Millionen Kubikmeter Wasser an mehr als zwei Millionen Kunden. Die Besitzverhältnisse der börsennotierten Aktiengesellschaft sind eindeutig: 93 Prozent gehören den Stadtwerken Bochum und Dortmund, der Rest ist in Streubesitz.

"Darüber hinaus haben wir uns seit den 70er-Jahren auch engagiert im Erdgasgeschäft, zunächst im Transport, später dann auch im Vertrieb, und wir sind seit diesem Jahr auch Stromnetzbetreiber, insofern sind wir in allen drei Bereichen Wasser, Gas und Strom unterwegs,"

sagt Henning Deters, Vorstandsvorsitzender der Gelsenwasser AG. Etwas mehr als eine Milliarde Euro jährlich erwirtschaftet der Konzern mit rund 1.700 Mitarbeitern, wobei nach dem Erdgasgeschäft die Wasserversorgung mit 270 Millionen Euro an zweiter Stelle steht: Wasser ist vergleichsweise preiswert und in ausreichender Menge vorhanden.

Der zentrale Punkt ist die Wasserqualität

"Der Wasserverbrauch war in den 70er-Jahren ein großes Thema, da haben wir Verbrauche prognostiziert von deutlich über 300 Liter pro Person und pro Tag, wir sind heute bei 121 Liter im Schnitt, das zeigt, dass wir uns auch in der Verhaltensweise angepasst haben, aber Wassersparen ist nicht der zentrale Punkt, der zentrale Punkt ist und bleibt die Wasserqualität, und da leisten wir in Deutschland glaube ich einen sehr, sehr guten Job."

Wobei sich die Wasserwerke in Haltern eine geologische Besonderheit zunutze machen. Die gesamte Region steht auf einer etwa 200 Meter mächtigen eiszeitlichen Sandschicht, den "Haltener Sanden", durch die Oberflächenwasser künstlich versickert wird.

"In diesem Versickerungsbecken wird das voraufbereitete Rohwasser, was wir im Stauseesüdbecken gesehen haben, eingeleitet, und es wird einfach zur Versickerung gebracht und reichert damit das natürlicherweise vorhandene Grundwasser zusätzlich an, deswegen nennt man dieses Verfahren auch künstliche Grundwasseranreicherung."

Sieben Wochen wandert das Wasser durch die Sandschichten, wird physikalisch und biologisch gereinigt und anschließend aus knapp 60 Metern Tiefe wieder ans Tageslicht gepumpt - einer der letzten Schritte, bevor es ins Netz gespeist wird, sagt Magnus Meckelburg.

"Wir befinden uns hier im Eingangsbereich des Pumpwerks des Wasserwerks Haltern, und wir gehen gleich mal in die Pumpenhalle hinein, da wird es entsprechend etwas lauter, weil dort die Maschinen laufen."

In einer Reihe stehen riesige blaue Stahltanks:

"In der Schnellfilteranlage zu unserer Rechten wird das Rohwasser unmittelbar, nachdem es aus dem Boden über Brunnen gepumpt wurde, enteisent und entmangant, also Eisen und Mangan gelöst aus dem Wasser entfernt."

Weit über die gesetzlichen Erfordernisse hinaus

Parallel untersuchen Labore die Qualität des Wassers: Es muss mindestens den Vorgaben der Trinkwasserverordnung entsprechen, im Idealfall aber besser sein. Auf seiner Website veröffentlicht Gelsenwasser die kompletten Analyseberichte, die weit über das gesetzlich erforderliche hinausgehen. Damit die gute Wasserqualität so bleibt, hat Henning Deters übrigens früh schon Position bezogen zu einem umstrittenen Thema: Fracking lehnt Gelsenwasser kategorisch ab.

"Wir haben sehr, sehr früh darauf hingewiesen, dass Fracking negative Auswirkungen auf die Wasserqualität haben kann, und zwar im Grundsatz so, man spricht da vom "Wasserkörper", wenn der einmal verunreinigt ist, man das auch nicht mehr reparieren kann, sodass also ein Schaden in der Wasserversorgung auftritt, der nicht behebbar ist, und das ist ein Thema, das wir seit über drei Jahren intensiv begleiten,"

obwohl auch Gelsenwasser vom Fracking-Boom profitieren könnte.Wie gut Gelsenwasser schmeckt, kann übrigens jeder Besucher am Ausgang des Wasserwerks Haltern testen. Dort fließt es unentwegt aus einem kleinen Brunnen. Pressesprecher Felix Wirtz ist zufrieden.

"Es schmeckt, wie Wasser im besten Sinne schmecken muss, es sollte keinen Eigengeschmack haben, es ist kühl, es ist frisch, frischer geht's nicht."

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