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StartseiteBüchermarktSerienmorde in Schanghai23.06.2009

Serienmorde in Schanghai

Qiu Xiaolong: "Blut und rote Seide", Zsolnay Verlag

Wer mehr wissen will über die jüngste Geschichte Chinas und sich an detailverliebten Schilderungen von chinesischer Kulinarik nicht stört, ist gut bedient mit Qiu Xiaolong neuestem Roman "Blut und rote Seide". Verpackt ist das alles in einen konventionell, aber gut gestrickten Krimi aus dem heutigen Reich der Mitte.

Von Sacha Verna

Schanghai ist der Schauplatz des Krimis. (AP)
Schanghai ist der Schauplatz des Krimis. (AP)

Der Zufall mag die Welt regieren, aber in Krimis hat er nichts verloren. Zufällig stößt Oberinspektor Chen während seines fünften Falls auf ein Foto von einer jungen Frau, deren rotes Kleid dem des Mordopfers aufs Haar gleicht. Zufällig ist Oberinspektor Chen eigentlich gar nicht im Dienst, sondern schreibt eine Seminararbeit über chinesische Liebesgeschichten, in denen sich die idealisierte Geliebte in ein Monster verwandelt. Und zufällig wird Herr Cheng von seinen Vorgesetzten gleichzeitig dazu gedrängt, sich mit einem Immobilienskandal zu befassen, in dem es rote Monster zuhauf gibt. Und zwar auch solche, denen durchaus zuzutrauen ist, was sich in Schanghai zu einer Mordserie an jungen Frauen auszuweiten droht.

Das sind zu viele Zufälle für einen einzigen Krimi, gewiss. Soll man Qiu Xiaolongs neuen Roman deshalb nicht lesen? Doch. Nicht unbedingt, aber bedingt. Bedingung: Man muss detaillierte Beschreibungen von Banketten mögen. Davon, wie Schwalbennester-Reisbrei mit scharlachroten Bocksdornbeeren schmeckt, nachdem man bereits gedämpfte Süßwasserschildkröte mit weißem Kandiszucker, Wein, Ingwer, Frühlingszwiebeln und Jinhua-Schinken verspeist und Maos Leibgericht - fettes, in Sojasoße geschmortes Schweinefleisch - noch vor sich hat.

Man darf es dem seit 1994 in Amerika lebenden Autor außerdem nicht übel nehmen, dass sich seine Figuren im Small Talk über die jüngste Vergangenheit ihres Landes aufklären, als seien sie selber nicht dabei gewesen. Denn aufzuklären gilt es natürlich uns, die Leser im Westen, denen ein bisschen Nachhilfe in chinesischer Geschichte durchaus gut tut. Besonders wenn sie wie hier mit viel chinesischer Gegenwart und einem Showdown präsentiert wird. "Blut und rote Seide" ist ein Krimi aus dem China von heute, konstruiert gemäß den gemütlichen Gattungskonventionen von gestern und gespickt mit so vielen Konfuzius-Zitaten, dass die Weisheit bis übermorgen reicht.

Qiu Xiaolong: Blut und rote Seide. Roman. Aus dem Amerikanischen von Susanne Hornfeck. Zsolnay Verlag, Wien 2009. 378 Seiten. 38.90 Franken/19.90 Euro.

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