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StartseiteSport AktuellUS-Turnverband laufen die Sponsoren weg19.12.2017

Sexueller MissbrauchUS-Turnverband laufen die Sponsoren weg

Der Missbrauchsskandal im US-amerikanischen Turnen hat für den Verband massive finanzielle Folgen. Die Sponsoren wenden sich ab. Durch die mangelhafte Aufarbeitung und Vertuschungsversuche ist das Image nachhaltig beschädigt.

Von Heinz Peter Kreuzer

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Der ehemalige Arzt der US-Turnerinnen, Larry Nassar, steht wegen sexuellem Missbrauch und anderen Delikten vor Gericht.   (AFP / JEFF KOWALSKY)
Der ehemalige Arzt der US-Turnerinnen, Larry Nassar. (AFP / JEFF KOWALSKY)
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Der Sportartikelhersteller Under Armour beendet nach Berichten des Sportsenders ESPN zweieinhalb Jahre vor Vertragsende den Vertrag mit dem US-Turnverband. Der Süßwarenhersteller Hershey und der Konzern Procter & Gamble wollen ihre Verträge nicht verlängern. Als Begründung nennen die Sponsoren die mangelhafte Aufarbeitung sowie Vertuschungsversuche des Skandals seitens des US-Verbandes. Turnerin Aly Raismann bestätigt das. Sie ist selbst Opfer von Larry Nasser, dem ehemaligen Teamarzt, der wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurde.

"Was hat der US-Turnverband getan in Fall Nassar? Er hat die Mädchen manipuliert, dass sie Angst hatten auszusagen."

Turnverband hat versagt

Das Versagen des Verbandes wird auch dadurch deutlich, wie er mit seinem früheren Präsidenten Steve Penny umgegangen ist. Der hatte tatenlos auf den Skandal reagiert, wurde dann zwar - unter anderem vom Nationalen Olympischen Komitee der USA - zum Rücktritt gedrängt, trotzdem versüßte ihm der Verband den Abschied mit einem Abfindungspaket in Höhe von etwa einer Million US-Dollar. 

Image ist nachhaltig beschädigt

Die Scherben muss die am 1. Dezember gewählte Präsidentin Kerry J. Perry zusammenkehren. Die wichtigsten Sponsoren treten den Rückzug an, zugleich bleiben die Negativschlagzeilen. Vor einem Gericht in Michigan hat Richterin Rosemarie Aquilina Larry Nassar, der des Missbrauchs von 140 Sportlerinnen beschuldigt wird, nach einem Teilgeständnis zu 60 Jahren Haft verurteilt:

"Sie haben ihre Vertrauensposition auf gemeinste Weise ausgenutzt, indem sie Kinder missbraucht haben. Sie werden den Rest Ihres Lebens hinter Gittern verbringen. Da können Sie darüber nachdenken, was Sie ihren Opfern angetan haben, als Sie Ihnen Ihre Kindheit raubten."

Auf den 54-Jährigen warten aber im Januar noch weitere Urteile. Und mit einen Sport, der dauerhaft schmutzigen Schlagzeilen produziert, will kein Unternehmen in Verbindung gebracht werden.  

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