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StartseiteComputer und KommunikationFür den Check-in reicht das eigene Gesicht30.09.2017

Sicherheits-Token an FlughäfenFür den Check-in reicht das eigene Gesicht

Keine lästigen Warteschlangen vor dem Check-in mehr: Bei einem neuen ticket-losen Abfertigungssystem entnehmen Kameras alle notwendigen Reisedaten ganz einfach dem Gesicht der Passagiere. Diese bekommen vor dem Flug mittels eines Token eine biometrische Identität.

Von Peter Welchering

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Fluggäste stehen auf dem Hamburger Flughafen am Check-in an. (picture alliance / dpa)
Fluggäste stehen auf dem Hamburger Flughafen am Check-in an. (picture alliance / dpa)
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Die Flughäfen stehen nicht nur in Deutschland massiv unter Druck. Gepäck- und Passagierabfertigung haben hohe Fehlerraten. Viele Prozesse sind zu langsam und teuer. Andreas Loesch, Manager bei der Gemalto GmbH in München, die Sicherheitssysteme entwickelt und anbietet, beschreibt die Situation so:

"Wenn wir uns anschauen, was die IATA, die Internationale Flugorganisation, als Wachstum prognostiziert, dann erwarten wir von jetzt bis 2035, sprich in etwa 20 Jahren eine Verdoppelung des Passagieraufkommens. Es ist relativ unwahrscheinlich, dass wir die Anzahl der Flughäfen einfach verdoppeln und auch die Größe einfach verdoppeln. Das heißt es müssen Prozesse her, die das Ganze einfacher, schneller und trotzdem auch noch komfortabler für den Reisenden machen."

Helfen soll dabei ein ticketloses Abfertigungssystem für Passagiere, das unter dem Projektnamen "Fly-to-Gate" entwickelt wird.

"Das Konzept ist, dass Sie beim Einchecken, entweder zu Hause am Ihrem mobilen Endgerät oder an einem Kiosk einen Pass, ein Ausweisdokument vorlegen und auch dort mit der Kamera Ihr Gesicht fotografiert wird und ein Gesichtsabgleich zum Dokument durchgeführt wird. Und aus diesem Foto generiert man ein biometrisches Token. Und dieses Token wird immer dann, wenn Sie an einer Kamera vorbeilaufen, mit Ihrem Gesicht verglichen. Und somit haben Sie eine biometrische Identität für die Zeit zwischen dem Einchecken und dem Einsteigen ins Flugzeug."

Gesichts- und Passfoto werden miteinander abgeglichen und verrechnet

Zuerst fotografiert der Passagier sich selbst, dann gibt er seinen Ticket-Code ein und schiebt seinen Ausweis in ein Lesegerät. Danach schickt er das Ganze an das Abfertigungssystem des Flughafens. Dort werden Gesichts- und Passfoto miteinander abgeglichen und aus den biometrischen Merkmalen des Gesichtsfotos wird eine Art Prüfsumme errechnet, biometrisches Token genannt.

"Das biometrische Token, das heißt Ihr Gesicht ist der Ersatz für das Ticket, oder steht eben als Vertreter für das Ticket, wenn Sie jetzt nachher zum Gate laufen. Das heißt wenn Sie am Flughafen ankommen, wenn Sie an die Sicherheitskontrolle gehen, brauchen Sie das Ticket nicht mehr zu zeigen. Wenn Sie sich noch etwas kaufen wollen, brauchen Sie das Ticket nicht zu zeigen. Wenn Sie am Gate nachher einsteigen wollen, brauchen Sie das Ticket nicht zu zeigen, sondern überall werden Kameras sein. Diese Kameras erkennen Sie und können Sie zuordnen, dass Sie zum Beispiel den Flug von München nach Berlin gebucht haben - und lassen Sie durch das Gate durch."

Daten müssen sicher verschlüsselt werden

Natürlich darf das biometrische Token nicht manipuliert werden. Doch an den Sicherheitsanforderungen müssen die Entwickler wohl noch ein wenig arbeiten.

"Wenn Sie sehen, dass Sie heutzutage schon mobile ID-Lösungen oder E-Banking-Lösungen haben, die mit verschlüsselter Kommunikation auch mit mobilen Endgeräten arbeiten, denke ich, dass wir hier keine besonderen Hürden haben, die zu nehmen sind."

Auch die Bundespolizei interessiert sich für das System.

"In Deutschland heißt das Projekt ja auch Easy Pass, wo Sie Ihren Pass auflegen, dann geht die erste Türe auf, Sie gehen rein. Es ist eine Kamera da, die überprüft, ob Sie auch derjenige sind, der den Pass aufgelegt hat. Und wenn die zweite Tür aufgeht, haben Sie die Grenze überschritten. Fly-to-Gate kann auch das Thema Grenzkontrolle umfassen, allerdings als separaten Schritt, so wie Sie es heute haben. Der Punkt hierbei ist, dass Fly-to-Gate ja den Flughafen adressiert, während das Thema E-Gate die Grenzkontrolle betrifft. Das heißt hier müssten Sie privatwirtschaftliche Interessen und Nutzungsgeschichten mit einer behördlichen Anforderung verknüpfen."

Die Kontrolle der Flugpassagiere wäre dann lückenlos. Das wirft viele Fragen in Sachen Datenschutz auf. Aber auch wichtige Fragen der Datensicherheit sind hier noch überhaupt nicht beantwortet. Dafür aber sollten wir uns zunächst Zeit nehmen, auch wenn die Flughafenbetreiber großen Druck machen und lieber heute als morgen ein solches Abfertigungssystem einführen würden.

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