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StartseiteSport am WochenendeAuswärtsfahrt im Gratis-Bus26.07.2014

SicherheitskostenAuswärtsfahrt im Gratis-Bus

In Großbritannien sind die Kosten für die Sicherheit klar geregelt. In und um die Stadien müssen die Vereine zahlen, am Bahnhof und in der Innenstadt der britische Steuerzahler. Doch auch hier wird immer wieder über die Polizeikosten diskutiert.

Von Silvia Engels

Britische Polizisten stehen in Londons Finanzdistrikt Anti-G20-Demonstranten gegenüber. (AP)
Auch in Großbritannien müssen Polizisten bei Fußballspielen hart im Nehmen sein. (AP)
Weiterführende Information

Frankreich stellt Clubs Kosten in Rechnung (Deutschlandfunk, Sport am Wochenende, 26.07.2014)

Fans des Fußball-Erstligisten Swansea City bringen sich in Stimmung. Sie freuen sich auf die Begegnung mit dem Lokalrivalen Cardiff City. Die Anhänger beider walisischen Vereine sind tief verfeindet. Bei früheren Begegnungen haben sie nicht nur gejubelt, sondern sich blutige Massenschlägereien geliefert. Und deshalb müssen die Swansea-Fans heute Bus fahren.

Alle Fans aus Swansea kommen nur unter einer Bedingung ins Stadion in Cardiff: Sie müssen die rund 55 Kilometer, die beide Städte trennen, in einem von 60 Gratis-Bussen zurücklegen. Eskortiert und überwacht von Dutzenden Polizeiwagen. Anschließend geht es direkt im Bus zurück nach Hause. Das Konzept geht auf: Die rivalisierenden Fan-Gruppen treffen nicht aufeinander. Gewaltexzesse bleiben aus.

Kosten für Einsätze am Bahnhof zahlt der Steuerzahler

Regelungen wie diese gelten laut einer Vereinbarung der englischen Football Association mit den Behörden bei sogenannten "Hoch-Risiko-Spielen", also Begegnungen von Vereinen mit aggressiven Fan-Gruppen. Das System funktioniert, aber die Kosten sind hoch. Den Bustransfer bezahlte der Verein Swansea City, doch die intensive Polizeibewachung trägt der britische Steuerzahler.

Seit einem Rechtsstreit 2008 steht nämlich fest: Die Fußball-Vereine der beiden obersten Ligen zahlen für den Einsatz der Polizei in den Stadien und in den umliegenden Straßen. Aber sie müssen nicht für eine mögliche Polizeibewachung am weiter entfernten Bahnhof oder in der Innenstadt aufkommen. Zu Beginn der Saison beraten die Clubs auf regionaler und nationaler Ebene mit der Polizei vor Ort über die Sicherheitsrisiken der jeweiligen Spiele. Sie verständigen sich darauf, ob und wie viele Polizeikräfte im und um das Stadion notwendig sind. Meist geht die Rechnung auf.

Randale bewegt sich vom Stadion weg

Doch auch in Großbritannien spielen sich Krawalle von gewaltbereiten Fans zunehmend nicht mehr in Stadien ab. Hooligans randalieren eher an Verkehrsknotenpunkten oder Innenstädten vor und nach den Spielen. Die Kosten für die Polizeieinsätze steigen. Der Verband der lokalen Polizeipräsidenten forderte deshalb 2012 eine Änderung. Er will auch diese Kosten den Vereinen in Rechnung stellen.

Die Verantwortlichen der englischen Football League lehnen das bis heute ab. Sicherheitskosten abseits der Stadien müsse der Staat zahlen, heißt es in einer Stellungnahme. Sie verweisen darauf, dass der englische Profi-Fußball ohnehin pro Jahr umgerechnet 1,2 Milliarden Euro Steuern an den Staat zahlen würde.

Polizei und Vereine versuchen deshalb weiter, vorausschauend zu planen und in Einzelfällen die Polizeipräsenz hochzufahren. Zumindest das Problem der Hochrisiko-Begegnung zwischen den Clubs in Swansea und Cardiff werden sie in der nächsten Saison aber nicht mehr haben: Swansea bleibt nämlich erstklassig, Cardiff City ist aus der Premier League abgestiegen.

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