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Seit 10:30 Uhr Nachrichten
StartseiteForschung aktuellSilberstreif am arktischen Horizont23.01.2007

Silberstreif am arktischen Horizont

Steigende Niederschläge bremsen Klimawandel

<strong>Umwelt. - Kaum irgendwo läuft der Klimawandel so schnell ab wie in der Arktis. Beschleunigt wird der Prozess überdies durch den Verlust des Licht reflektierenden Eises. Jetzt entdeckten Klimaforscher jedoch auch einen Effekt, der als effektive Bremse wirkt.</strong>

Von Volker Mrasek

Mit der Erwärmung kommt der Regen - und federt den Klimawandel ein wenig ab. (Stock.XCHNG / Michael Bretherton)
Mit der Erwärmung kommt der Regen - und federt den Klimawandel ein wenig ab. (Stock.XCHNG / Michael Bretherton)

Das ist ja mal was: eine gute Nachricht von der Klimafront. Sie kommt aus England, von der Abteilung für Meteorologie der Universität Reading. Physiker dort sind auf einen "negativen Rückkopplungseffekt" im Klimasystem gestoßen. Und den, sagen sie, gebe es in allen Ozeanen. Das Meer wirkt schon immer wie eine Klimaanlage: In der überwiegenden Zeit des Jahres nimmt es Wärme aus der Erdatmosphäre auf und leitet sie in tiefere Wasserschichten. Dieser Effekt wird sich nach Klimasimulationen an der Universität Reading in Zukunft noch verstärken. Paul Williams, Physiker und Leiter der neuen Studie:

"Auch im ungestörten Klima wird Wärme im Meer nach unten transportiert. Durch den Klimawandel nimmt nun aber der Niederschlag allgemein zu. Das führt dazu, dass noch mehr Wärme in den tieferen Ozean fließt und das Wasser an der Oberfläche kühler wird. Wir haben es also mit einer negativen Klima-Rückkopplung zu tun."

Im Detail seien die Transportprozesse nicht leicht zu verstehen, sagt Williams. Sie haben viel mit dem Salzgehalt des Wassers zu tun. Und da sollte man sich das Meer zunächst mal wie ein Mosaik vorstellen. Es ist nicht etwa so, dass die Salzkonzentration überall im Ozean dieselbe ist. Im Gegenteil: es gibt Meeresregionen, in denen viel Regen fällt, was das Oberflächenwasser süßer macht. Und es gibt Meeresgebiete, in denen die Verdunstung überwiegt, was den Salzgehalt des Wassers tendenziell erhöht. An der Grenze zwischen einer Niederschlags- und einer Verdunstungszelle im Ozean besteht also ein Gefälle: im Salzgehalt, in der Dichte und auch in der Temperatur des Oberflächenwassers. Und das Meer hat die Tendenz, dieses Gefälle auszugleichen. Dadurch kommt es unter anderem zum Transport von Wärme in die Tiefe. In Williams Modellrechnungen zeigte sich, dass der Klimawandel Regen- und Verdunstungsraten erhöht. Also wächst das Gefälle im Salzgehalt zwischen verschiedenen Mosaiksteinen im Ozean. Die Folge. Es fließt auch mehr Wärme nach unten ab:

"Diesen Effekt gibt es überall: im Pazifik, im Atlantik, im Indischen Ozean. Überall dort haben wir Klimazonen, in denen es viel regnet, und gleich daneben solche, in denen die Verdunstung sehr stark ist. Der Mechanismus, von dem wir hier reden, funktioniert auch an den Küsten Europas. Er wird die Meeresoberflächen-Temperaturen auch vor unserer Haustür beeinflussen."

Williams kann also stolz darauf sein, eine negative Rückkopplung im Klimasystem aufgespürt zu haben, die sich tatsächlich global auswirkt. Nur: Der Effekt ist leider nicht sonderlich groß:

"Die Klimaerwärmung wird zunächst einmal dafür sorgen, dass sich die Oberflächen-Temperatur des Meeres erhöht. Im Mittel könnten das in diesem Jahrhundert zwei Grad Celsius werden - oder sogar noch mehr. Das zeigen uns Modellrechnungen. Der stärkere Wärmetransport in die Tiefe führt dagegen nur zu einer Abkühlung von schätzungsweise 0,1 bis 0,2 Grad Celsius. Das ist gerade mal ein Zehntel des Betrages."

Im Endeffekt wird also nur ein Quäntchen der zusätzlichen Energie in größeren Meerestiefen verklappt. Es überwiegt in jedem Fall die Erwärmung. Trotz der eigentlich guten Nachricht aus England bleibt für Paul Williams und seinen Kollegen Rowan Sutton deshalb am Ende Ernüchterung:

"Der Effekt ist nicht groß. Er wird uns nicht vor dem Klimawandel retten."

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