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StartseiteKommentare und Themen der WocheEine Chance für das Krokodil24.11.2017

Simbabwes neuer Präsident Eine Chance für das Krokodil

In Simbabwe ist Emmerson Mnangagwa als neuer Präsident vereidigt worden, umjubelt von 60.000 Zuschauern, als sei er der neue Heilsbringer des Landes. Die Menschen setzen ihre Hoffnung auf ihn, obwohl sie um seine zweifelhafte Vergangenheit wissen, kommentiert Afrika-Korrespondent Jan-Philippe Schlüter.

Von Jan-Philippe Schlüter

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Simbabwes designierter Interimspräsident Mnangagwa vor der Zentrale der Zanu-PF-Partei in der Hauptstadt Harare.  (AFP/MARCO LONGARI)
Emmerson Mnangagwa vor der Zentrale der Zanu-PF-Partei in der Hauptstadt Harare (AFP/MARCO LONGARI)
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Es ist schon seltsam: Da überwinden die Simbabwer die Ära Mugabe, der das Land 37 Jahre lang mit harter Hand in den Ruin gewirtschaftet hat. Und dann jubeln sie einem seiner engsten Verbündeten zu, als sei er der Heilsbringer. 

Emmerson Mnangagwa, der 75-Jährige mit dem vielsagenden Spitznamen "Ngewnyna" – "das Krokodil" - ist das Musterbeispiel für einen langjährigen Vertreter der politischen Elite Simbabwes: Der ehemalige Freiheitskämpfer hat in praktisch allen Regierungen von Mugabe gedient. 

Der Mann fürs Grobe

Mnangagwa gilt als Mugabes Mann fürs Grobe: Während Mugabe in den 80er-Jahren auf diplomatischem Parkett reüssierte und die internationale Gemeinschaft bezirzte, machte sich sein Handlanger zu Hause die Hände schmutzig. 

So ist seine Rolle beim Massaker "Gukurahundi" mindestens umstritten. In den 80er-Jahren haben Militärs bis zu 20.000 Mugabe-Gegner im Matabeleland getötet. Mugabe selbst hat das Massaker später als "Moment des Wahnsinns" bezeichnet. Mnangagwa streitet ab, von den Tötungen gewusst zu haben. Kaum jemand in Simbabwe glaubt ihm das. Schließlich war er damals Staatssicherheitsminister. 

Während seiner Zeit im System Mugabe ist Mnangagwa schwer reich geworden. Laut einem geheimen Bericht der US-Botschaft in Harare, der von Wikileaks veröffentlicht wurde, sei er einer der reichsten Männer Simbabwes. 

Den Gegner "wegbeißen"

Und dieser Mann soll Simbabwe in eine bessere Zukunft führen? 

Die Simbabwer kennen natürlich die Vergangenheit ihres neuen Staatschefs. Und trotzdem setzen sie ihre Hoffnung auf ihn. Hauptsache Mugabe ist weg. Sie sagen: Wer wenn nicht ein skrupelloser Machtmensch hätte den skrupellosen Machtmenschen Mugabe beseitigen können? Oder anders ausgedrückt: Es bedurfte eines Krokodils, um Mugabe "wegzubeißen".

Bei seiner Antrittsrede heute hat Mnangagwa zumindest mal die richtigen Töne getroffen. Er hat angekündigt, dass die demokratischen Institutionen im Staat gestärkt werden sollen. Er hat zugesichert, dass gewaltsam enteignete Farmer entschädigt werden. Er hat versprochen, dass Investitionen aus dem Ausland in Simbabwe sicher seien. Und er hat an die internationale Staatengemeinschaft appelliert, Simbabwe zu unterstützen.

Demokratisierung und Legitimierung durch Wahlen

Die Bundesregierung hat schon wissen lassen, man könne sich eine Wiederaufnahme der Entwicklungshilfe vorstellen. Voraussetzungen dafür seien allerdings Fortschritte in Sachen Demokratisierung und eine Legitimierung durch Wahlen. 

Genau so muss es sein: Geld gibt es nur dann, wenn Mnangagwa die versprochene "neue Demokratie" für Simbabwe tatsächlich Realität werden lässt.

Man sollte ihm und seiner Regierung eine Chance geben, daran zu arbeiten. Die Wahlen im kommenden Jahr sind dann der Lackmustest. Nur wenn sie wirklich frei und fair sind, wenn es im Vorfeld keine Gewalt und Einschüchterung gibt, wenn die Auszählung transparent ist, nur dann darf Simbabwe wieder mit Hilfe und internationaler Kooperation rechnen. 

Die Menschen in Simbabwe sind in den vergangenen Jahrzehnten permanent enttäuscht worden. Es wäre schön, wenn ausgerechnet das "Krokodil" ihre Hoffnungen erfüllen würde.

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