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StartseiteUmwelt und VerbraucherSki fahren nur noch mit der Schneekanone28.12.2012

Ski fahren nur noch mit der Schneekanone

Streit um Kosten und Nebenwirkungen des Kunstschnees

Hohe Temperaturen in der Winterzeit kommen immer häufiger vor. Deshalb rüsten die Skiorte im Alpenvorland auf. Der größte bayerische Speichersee zur Versorgung von Schneekanonen wird mit Steuergeldern im Sudelfeld geplant. Umweltverbände laufen Sturm.

Von Susanne Lettenbauer

Skilifte: Gegen den fehlenden Schnee gehen immer mehr Skigebiete mit Schneekanonen vor. (AP)
Skilifte: Gegen den fehlenden Schnee gehen immer mehr Skigebiete mit Schneekanonen vor. (AP)

In weitem Bogen schießt der Kunstschnee aus den Düsen. Seit Saisonbeginn laufen am Sudelfeld, Deutschlands größtem Skigebiet, die Schneekanonen. Von morgens bis abends. Auf den Hängen abseits der Skilifte schaut der braune Waldboden heraus. Ohne Kunstschnee. Der Gast erwarte heute absolute Schneesicherheit, wenn er in den Urlaub komme, sagt der Tourismuschef der Gemeinde Bayrischzell, Harald Gmeiner. Deshalb soll oberhalb der großen Parkplätze der größte Speichersee Deutschlands gebaut werden, 175.000 Kubikmeter Fassungsvermögen, nur für die Schneekanonen:

"Diese Beschneiungsanlage muss halt innerhalb kürzester Zeit den Schnee produzieren. Man geht also von 70 bis 80 Stunden für die Grundbeschneiung aus. Da braucht man zu diesem Zeitpunkt eine ausreichende Menge an Wasser. Deswegen bespeichert man das Wasser in so einem Speichersee."

Ohne Schneekanonen geht am Sudelfeld wie auch an anderen Skisportorten Deutschlands nichts mehr. Am Spitzingsee wurde ein Speicherteich gebaut, am Brauneck bei Lengries ein weiterer. Alles kleine Tümpel im Vergleich zum Sudelfeld. Statt 18 Hektar Skipiste werden künftig das Vierfache, rund 71 Hektar maschinell aufgerüstet. Der Damm des Speicherbeckens ragt bis zu 38 Meter hoch in die Landschaft. Umweltschützer sind entsetzt. Nicht nur weil der Bau im Landschaftsschutzgebiet liegt, sondern weil ein Drittel der Kosten aus Fördertöpfen des Wirtschaftsministeriums als Steuergeldern kommt. Sogar der Deutsche Alpenverein, traditionell ein Befürworter für den Ausbau von Skigebieten, spricht sich eindeutig gegen die Aufrüstung aus:

"Es würden 17 Kilometer Schneeleitungen verlegt werden müssen, für 250 Anschlüsse für Schneekanonen. Das sind Maßnahmen, die schon sehr massiv sind und das in einem bestehenden Landschaftsschutzgebiet."

Die Bahnbetreiber, mit dabei die Gemeinde Bayrischzell, betonen den naturnahen Ausbau des Speichersees. Nach einigen Jahren wäre die Anlage ein Bergsee, der das Gebiet aufwerten könne. Der Deutsche Alpenverein widerspricht:

"Das ist ein künstlicher Teich, ein künstliches Becken. Das muss, und da werden Auflagen gemacht, "lebensfeindlich" gestaltet sein. Da darf kein Bewuchs auf dem Damm sein, also keine Bäume oder Büsche, eine Ufervegetation darf nicht vorhanden sein. Es muss gewährleistet sein, dass da keine oder möglichst wenig Besiedelung mit Fischen oder Amphibien stattfindet, weil dort, wenn man diesen See ablässt im Herbst, ein Massaker stattfinden würde."

Ohne Schnee würde der Ort in der Bedeutungslosigkeit versinken, befürchtet die Gemeinde. Mit Schneekanonen könne man laut Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München noch 25 Jahre mit Schneesicherheit rechnen, sagt Touristiker Harald Gmeiner. Eine Studie des Deutschen Alpenvereins von der Universität Innsbruck geht von fünf bis zehn Jahren aus. Danach müsste der Speicherteich teuer zurückgebaut werden. Im Landratsamt Miesbach schiebt man die Entscheidung vor sich her. Seit 2011 liegt der Bauantrag vor. Sprecherin Gabriele Dorby:

"Sie müssen sich in Geduld üben, denn ohne Genehmigung können natürlich keine Baumaßnahmen durchgeführt werden. Wir sind als Behörde in der Verantwortung, alles objektiv zu prüfen. Wir müssen die Belange des Naturschutzes beachten, wir müssen die Pläne untersuchen, schauen, ob das baurechtlich alles in Ordnung ist."

Die Skifahrer, um die es eigentlich geht, sehen die Diskussion gemischt. Tourengeher sprechen sich gegen die Aufrüstung aus, Liftfahrer sind dafür:

"Ich bin Naturgeher, sehen sie, ich gehe da zu Fuß rauf, ich halte vom Ausbau natürlich nichts."

"Also, ich halte es grundsätzlich schon für vertretbar, solange dafür kein Bergwald gerodet wird und die Eingriffe sich einigermaßen in die Landschaft einfügen. Also, wenn man alle Parkplätze zusammenzählt, die die Autofahrer verbrauchen, dann ist der Speicherteich auch nicht größer."

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