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StartseiteUmwelt und VerbraucherNachhaltige Produkte, gesalzene Preise21.04.2017

Slow Food-Messe StuttgartNachhaltige Produkte, gesalzene Preise

Noch bis Sonntag findet in Stuttgart die Messe für den langsamen Genuss statt. Bei Slow Food geht es um nachhaltige Lebensmittel, möglichst ohne Zusatzstoffe, identisch mit Regionen und kulinarischen Traditionen. Und - sie sollten fair gehandelt werden. Der Verbraucher muss dafür tiefer in die Tasche greifen.

Von Thomas Wagner

Obst und Gemüse liegen um einen Teller Nudelsuppe. (imago / BE&W)
Trotz der hohen Preise stellt der Verein Slow-Food-Deutschland e.V. seit einem Jahr eine stetig steigende Nachfrage fest. (imago / BE&W)
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Dieser verführerische Duft von Gegrilltem, dieses Bruzzeln, das den Umstehenden das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Am Messestand von Metzgermeister Egbert Baehr aus dem brandenburgischen Hermannswelde geht es um die Wurst - um die 'Slow-Food-Wurst':

"Alles natürlich hergestellt aus eigener Schlachtung und Naturgewürzen. Slow-Food heißt ja: Natürlich hergestellte Waren. Das heißt, unsere Tiere kommen alle aus dem Umkreis von zehn Kilometern. Das heißt, ganz kurze Anfahrtswege. Und was noch dazukommt: Wir können schlachtwarm verarbeiten. Da hängt nichts im Kühlraum. Das geht gleich im Kessel und wird gleich verarbeitet."

Produkte sind um 40 Prozent teurer

Wer solche Slow-Food-Würste haben will, muss dafür aber ein wenig tiefer als sonst in den Geldbeutel greifen:

"Man muss das mit 40 Prozent mehr rechnen, weil der Einkauf schon viel teurer ist. Die Schweine, die wir schlachten, sind viel länger gereift. Sie liegen auf Stroh, werden extra gehalten. Das ist eine ganz andere Fütterung als bei der kommerziellen Industrie."

Manchmal eben sind die Preise für 'Slow-Food-Produkte' buchstäblich gesalzen.

"Wir bieten hauptsächlich unsere Gewürze an, Kalahari-Salz. Und Kalahari-Salz kommt natürlich aus der Kalahari-Wüste Südafrikas. Ein Kilo kostet bei uns zwölf Euro."

Was Regina Przewosnik, die auf der Stuttgarter 'Slow-Food.Messe' Gewürze anbietet, aber für gerechtfertigt hält. Denn das Kalahari-Salz, das aus längst ausgetrockneten unterirdischen Salzseen in Südafrika gewonnen wird, sei eben ein sehr nachhaltiges Produkt:

"Es hat alle Mineralien, alle Spurenelemente, was das Salz eben auch ausmacht. Es ist ein mildes Salz. Mittlerweile wissen wir ja, dass das Meersalz und die Meere immer mehr verdreckt werden, mit Erdöl, mit Plastik. Und unser Salz, dadurch dass es unterirdisch ist - wir haben noch alle Mineralien noch drinnen, auch alle Spurenelemente."

Rücksicht auf Regionen und kulinarische Traditionen

"Ich hätte gerne noch eine Wildlachs-Semmel"

Sei es das Würstchen aus heimischer Schlachtung, das Salz aus den unterirdischen Salzseen oder der kanadische Wildlachs, garantiert ohne Hormonzusatz und von Hand zubereitet: Vom Angebot her ist der Slow-Food-Tisch reich gedeckt.

"Wir suchen nach Lebensmitteln, die Charakter haben, die identisch sind mit Regionen, mit kulinarischen Traditionen, also Rezepturen, traditionelle Herstellungsweisen mit jeder Region der Welt. Lebensmittel müssen gut, sauber und fair sein, möglichst ohne Zusatzstoffe..."

So Ursula Hudson, Vorsitzende des Vereins Slow-Food-Deutschland e.V. Hinzu kommt: Slow-Food-Produkte sollten fair gehandelt werden, also ohne übermäßigen Preisdruck auf die landwirtschaftlichen Erzeuger. Gerade in jüngster Zeit hätten sich, sagt Verbandsvorsitzende Ursula Hudson, einige Trends herauskristallisiert:

"Also bei Brot, da schauen wir immer mehr drauf, dass die Bäcker immer mehr ohne Enzyme arbeiten, das sind ja Hilfsstoffe, die nicht deklariert werden müssen. Wir sind dabei, unsere Qualitätslinien für den Wein aufzusetzen und zu erarbeiten."

"Ich muss das ein bisschen anlupfen." Erfolgreich entkorkt: Weinberater Martin Strangfeld aus der baden-württembergischen Region Schwarzwald-Baar-Heuberg schenkt den Messebesuchern zwar reinen Wein ein:

"Weinbau ist immer eine Monokultur ein. Da geht es ohne Spritzen und so nicht." Dennoch arbeiten einige Winzer erfolgreich an Slow-Food-Weinen.

Steigende Nachfrage

"Möglichst wenig Chemie in Weinberg und Keller. Also im Rotweinbereich auf jeden Fall eine Maischegärung, das heißt: keine Maische-Erhitzung. Die Trauben werden mit der Schale zusammen vergoren, die Farbstoffe kommen natürlich in den Wein."

Dabei ist klar: Die Herstellung ist aufwendiger, der Preis für das Endprodukt damit höher als beim vergleichbaren industriell hergestellten Endprodukt. Und dennoch: Die Nachfrage nach Slow-Food-Produkten steige sei seit etwas über einem Jahr deutlich an, so Verbandsvorsitzende Ursula Hudson:

"Die biologisch erzeugten Hühner, die Zwei-Nutzungs-Hühner, finden reißenden Absatz, obwohl die sehr teuer sind. Der Verbraucher begreift, dass man nicht jeden Tag Fleisch auf einem hohen Niveau essen muss, dass man vielfältige, beglückende Ernährung anders machen kann. Und er achtet mehr auch auf den Zusammenhalt und auf die Fairness, was den Erzeuger angeht. Der muss ja leben von dem, was er produziert."

Es geht nicht nur um die Produkte, sondern auch um den Erzeuger

Ausgerechnet während der sogenannten "Milchpreiskrise" im vergangenen Jahr sei die Nachfrage nach der teuren Biomilch gestiegen.

"Da haben dann die ganzen Milchkrisen, die Schweinepreiskrisen doch das Bewusstsein beim Verbraucher gehoben, dass es auch um den Menschen geht, der hinter dem Produkt steht."

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