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StartseiteForschung aktuellStimme macht Stimmung12.01.2016

SoftwarentwicklungStimme macht Stimmung

Traurig, euphorisch oder nervös: Der Klang der Stimme lässt leicht auf den Gefühlszustand eines Menschen schließen. Ein internationales Forscherteam hat nun eine Software entwickelt, mit der die menschliche Stimme in Echtzeit manipuliert werden kann. Depressiven Menschen könnte damit in Zukunft geholfen werden.

Von Tomma Schröder

Ein geöffneter Frauenmund (dpa / picture alliance)
Glücklich, traurig oder ängstlich: Stimme kann man künstlich verändern. (dpa / picture alliance)
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Es ist Montagmorgen, 8:30 Uhr, als ich mit dem Emotionsforscher Jean-Julien Aucouturier zum Interview verabredet bin. Ich bin unausgeschlafen, nicht wirklich traurig, aber auch alles andere als fröhlich. Der französische Neurowissenschaftler kann das ändern. Aber dafür müssen wir noch einmal von vorn anfangen:

Es ist Montagmorgen, 8:30 Uhr, als ich mit dem Emotionsforscher Jean-Julien Aucouturier zum Interview verabredet bin. Ich bin unausgeschlafen, aber gar nicht traurig, sondern anscheinend schon sehr viel fröhlicher. Warum?

"Wir können eine normale Stimme, so wie Sie jetzt gerade sprechen, leicht verändern, so dass sie glücklicher, trauriger oder ängstlicher klingt. Wir machen das, indem wir die Höhe der Stimme verändern. Um sie positiver klingen zu lassen, heben wir sie etwas an. Außerdem fügen wir an einigen Stellen zusätzliche Höhen hinzu. Dadurch klingt die Stimme etwas lebhafter und energischer. Verstärkt man diese Variationen in der Stimme nicht, sondern nimmt sie weg, dann klingt sie gleich viel trauriger und monotoner."

Stimme kann Stimmung verändern

Hätte ich meine Stimme nicht im Nachhinein verändern lassen, sondern würde sie unwissentlich und in Echtzeit über einen schalldichten Kopfhörer wahrnehmen, ständen die Chancen gut, dass ich nicht nur eine glücklichere Stimme hätte, sondern direkt nach unserem Interview auch tatsächlich glücklicher wäre. Denn die Stimme kann unsere Stimmung verändern, wie die aktuelle Studie im Fachmagazin PNAS zeigt. Die Autoren hatten 100 Probanden einen Text laut vorlesen lassen und ihnen dabei ohne ihr Wissen eine glücklichere, traurigere oder ängstlichere Variante ihrer Stimme über den Kopfhörer ausgegeben.

Aucouturier: "Vor und nach dem Lesen fragten wir sie, wie sie sich fühlten. Und tatsächlich änderte sich ihre Stimmung, und zwar entsprechend der Modulationen, die wir vorgenommen hatten. Menschen, deren Stimme wir glücklicher gemacht hatten, gaben an, glücklicher zu sein. Und Menschen die im nächsten Raum saßen und die traurige Variante ihrer Stimme hörten, waren trauriger."

Auch der bei den Probanden gemessene Hautleitwert, der sehr genau die Schweißproduktion misst und gewisse Rückschlüsse auf Emotionen zulässt, unterstützte diese Resultate des internationalen Forscherteams.

Aucouturier: "Das zeigt, dass wir hier ein so genanntes emotionales Feedback haben: Ihre Stimme klingt glücklich, sie hören das und sie schlussfolgern daraus, dass sie glücklich sind. Dabei waren sie es gar nicht. Aber wenn man seine Stimme hört, dann glaubt man was man hört."

Glückliche Stimme könnte depressiven Menschen helfen

Was die Forscher dabei ebenso überraschte war, dass nur sehr wenige Versuchsteilnehmer überhaupt merkten, dass ihre Stimme verändert worden war. Nach dem derzeitigen Stand der Forschung hätte man erwartet, dass die Probanden den falschen Klang ihrer Stimme bemerken und versuchen würden, sich ähnlich wie bei einem Versprecher zu korrigieren. Taten sie aber nicht. Die Autoren der Studie vermuten daher, dass die emotionale Information unserer Stimme anders generiert und kontrolliert wird als die inhaltliche Information. Eine Erkenntnis, die sich in Zukunft nutzen lassen könnte.

Aucouturier: "Wir bekommen ein ständiges Feedback von unserer Stimme, das ziemlich bedeutend für unser tägliches Leben sein könnte. Wenn
jemand etwa depressiv ist und die Stimme einen traurigen oder negativen Ausdruck hat, dann könnte der Klang dieser Stimme ja die negative emotionale Situation, in der sich der Patient befinden, verstärken. Wir könnten nun versuchen, das zu kontrollieren und zu verändern: Wie reagiert ein depressiver Mensch, wenn seine Stimme glücklich klingt?"

Ob eine glücklichere Stimme tatsächlich langfristig glücklich macht, wissen die Forscher allerdings nicht. Die in jahrelanger Arbeit entwickelte Software steht aber frei zum Download zur Verfügung. Selbstversuche – vielleicht am nächsten Montagmorgen – sind also möglich.

Weitere Informationen zum Thema Stimme und die Software zum Download finden Sie unter diesem Link.

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