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StartseiteKommentare und Themen der WocheSomalia entwickelt sich - und leidet weiter11.05.2017

Somalia-Konferenz in LondonSomalia entwickelt sich - und leidet weiter

Ein als hoffnungslos gescheitert geltender Staat gerät wieder in den Blick. Bei der Somalia-Konferenz in London herrschte verhaltener Optimismus, die Lage im Land könne sich wandeln. Zugleich stockte die UNO die Hilfen auf - nicht zuletzt aus Angst vor Flüchtlingen und Terror, kommentiert Friedbert Meurer.

Von Friedbert Meurer

Eine Bewohnerin des Flüchtlingslagers Hilac mit ihren Kindern in Baidoa in Somalia: Sie schaut dem Besuch des deutschen Außenministers Sigmar Gabriel am 1. Mai 2017 zu. (picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa)
Eine Bewohnerin des Flüchtlingslagers Hilac mit ihren Kindern in Baidoa in Somalia: Sie schaut dem Besuch des deutschen Außenministers Sigmar Gabriel am 1. Mai 2017 zu. (picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa)

Schon wieder eine Somalia-Konferenz. Wieder kamen Delegationen aus halb Afrika, Somalia, seinen Nachbarstaaten, China, USA oder der EU nach London zum großen diplomatischen Auflauf. Und die Nachrichten aus Somalia selbst sind auch schon oft gehört worden: Dürre, Terror, Hungersnot.

Dennoch darf man nicht verkennen, dass sich in Somalia einiges verändert hat. Wäre nicht die Dürre mit ihren drohenden katastrophalen Folgen, dann stünden diese positive Entwicklungen im Vordergrund.

Die internationale Staatengemeinschaft verbindet mit der Wahl des neuen Präsidenten Mohamed, oder Farmajo, so sein geläufigerer Name, einige Hoffnungen. Farmajo hat lange in den USA gelebt, er zählt auch auf die Unterstützung der großen somalischen Gemeinde in Großbritannien. Bis zu 500.000 Somalia-stämmige Briten leben auf der Insel, 200.000 davon in London.

Eine Milliarde Dollar wird bis zum Jahresende gebraucht

Aktuell zu Recht im Vordergrund steht, dass die Vereinten Nationen ihre humanitären Hilfsaktionen für Somalia verstärken. Großbritannien und Deutschland steuern 130 beziehungsweise 140 Millionen Euro bei. Fast eine Milliarde Dollar werden bis zum Jahresende gebraucht. Aber trotzdem ist ein Thema genauso wichtig wie die Bekämpfung der Dürre: Es ist die Sicherheit des Landes. Ohne diese Sicherheit werden Hilfslieferungen blockiert und hat Somalia keine Zukunft.

Viele Beobachter sprechen von Fortschritten. Das Land stellt sich föderal neu auf, die Macht wird geteilt. Mogadischu soll die Armee aufbauen, die Teilstaaten die Polizei. Für UNO-Generalsekretär Antonio Guterres wird ein neues Kapitel in der Geschichte Somalias aufgeschlagen. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel ist verhalten optimistisch, obwohl es ihm schwer falle angesichts von immer mehr Cholera-Erkrankungen in somalischen Flüchtlingslagern.

Angst vor Flüchtlingswellen, Piraten und islamistischem Terror

In Wahrheit ist der Westen natürlich getrieben von der Angst vor Flüchtlingswellen, Piratenattacken und einem neuen Brutherd für den islamistischen Terrorismus. Die Hilfe, die daraus erwächst, ist aber vielleicht sogar mehr von Dauer. Somalische Piraten haben der Weltwirtschaft in der Spitze einen jährlichen Schaden von sieben Milliarden Dollar zugefügt. Das ist Grund genug, humanitär zu helfen, bei der Finanzierung der afrikanischen militärischen Friedensmission und auch bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Somalias Präsident möchte Zugang zu den internationalen Banken und eine Schuldentilgung. 

Nichts animiert mehr zur Hilfe, als Erfolge zu sehen. Die Meldungen über Not und Hunger lassen die Menschen in den Geberländern oft abstumpfen. Somalia entwickelt sich aber, bei aller akuten Not. Deswegen braucht das Land jetzt vor allem eins: Aufmerksamkeit, die einem vormals als hoffnungslos gescheitert geltenden Staat eher vorenthalten wurde.

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