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StartseiteHintergrundSommer ohne Salat07.06.2011

Sommer ohne Salat

Wie Behörden über EHEC informieren

Die EHEC-Epidemie zeigt vor allem eins: Zu viele Informationen verwirren den Verbraucher. Ob Stadt, Bundesland, private oder staatliche Behörde - jeder veröffentlicht unabhängig seine Sichtweise der Infektionswelle. Eine dringend notwendige Koordination sieht anders aus.

Eine Sendung von Volkart Wildermuth, Axel Schröder und Verena Herb

Das Robert Koch-Institut warnt davor, rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland zu essen. (picture alliance / dpa)
Das Robert Koch-Institut warnt davor, rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland zu essen. (picture alliance / dpa)
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"Verbraucherzentrale, guten Tag. Geht es um EHEC? Ok, ok..."

Armin Valet, Ernährungsexperte der Verbraucherzentrale Hamburg hört aufmerksam zu, was der Anrufer erzählt.

"Und sie haben die Sprossen hier in Hamburg gekauft?"

Seit vergangener Woche haben die Verbraucherschützer eine Hotline geschaltet, um über den EHEC-Erreger zu informieren – vor allem, wie man sich vor ihm schützen kann.

"Also, das Telefon steht nicht still. Wir haben hier zum Teil drei Personen, die wirklich die Anrufe entgegen nehmen. Und das war eigentlich schon die letzte Woche so, dass die Telefone nicht still stehen. Die Verunsicherung ist vorhanden. Es sind vor allem ältere Leute, die sich nicht im Internet erkundigen können, die keinen Internetanschluss haben."

Aber auch viele Eltern, die Angst um ihre Kinder haben, erkundigen sich über die Hotline.
Und wieder klingelt das Telefon. Armin Valet hebt ab: Die Frau am anderen Ende der Leitung hat Senfgurken in ihrem Vorratsschrank gefunden.

"Wir haben ja hier eine ganz aktuelle Situation. Wir haben hier einen aktuellen Keim, der vorhanden ist. Und diese Senfgurken sind ja schon vor längerer Zeit letztendlich geerntet und verarbeitet worden. Und wenn da wirklich was vorhanden gewesen wäre, dann hätte man sicherlich EHEC- Keime schon vor einer längeren Zeit gefunden... Bitte, wiederhören."

Unter den Verbraucherschützern wächst die Kritik am Informationsmanagement der verantwortlichen Stellen: Es sei schwierig, Informationen herauszugeben, wenn sie sich am Ende als halb wahr herausstellten und die Einordnung in das Gesamtgeschehen nicht passiere, so Stefan Etgeton, Leiter des Fachbereichs Gesundheit des Verbraucherzentrale Bundesverbandes gestern im Deutschlandfunk. Der Hamburger Experte Valet sieht das ähnlich.

"Prinzipiell sind wir sehr dafür, wenn Transparenz geschaffen wird. Weil wirklich die Verbraucher verunsichert sind. Wichtig ist natürlich, dass natürlich in den Statements rüberkommt, wie sicher diese Angaben sind. Wer dahinter steht. Welche Probleme dadurch auftauchen können. Hier in diesem Fall ist es ja offensichtlich noch so, dass noch keine EHEC-belasteten Sprossen gefunden wurden. Aber, nichtsdestotrotz wollen es natürlich Verbraucher wissen, wenn so eine heiße Spur vorhanden ist."

Valets Kollegin Claudia Michehl sitzt im Nebenzimmer, auch sie beantwortet als Ernährungs- und Gesundheitsexpertin bereits den ganzen Morgen über Fragen besorgter Anrufer. Die Verbraucherzentralen in den Ländern fungieren als Informationsvermittler – und sind mit den verantwortlichen Institutionen regelmäßig in Kontakt. Claudia Michehl:

"Wir informieren uns natürlich bei den übergeordneten Institutionen wie Robert Koch Institut, oder auch dem Bundesinstitut für Risikoforschung oder auch ganz regional beim Hygieneinstitut Hamburg. Wir haben auch direkte Kontakte zu den Institutionen selber und fragen dann in gegebenen Fällen dort auch direkt an."

Von außen betrachtet wirkt der Informationsfluss zum Thema EHEC nicht gerade geordnet. Bundes- und Landesbehörden melden sich zu Wort, Gesundheitsämter und Lebensmittelschützer. Doch die Vielfalt der Beteiligten hat Methode, betont die Bundesministerien für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ilse Aigner.

" Bund und Länder arbeiten Hand in Hand und zwar rund um die Uhr. Alle notwendigen Maßnahmen wurden getroffen. Die Untersuchungen laufen auf allen Ebenen auf Hochtouren, um die Quelle der Infektion zu finden und die weitere Ausbreitung zu stoppen."

Der Bund unterhält zwei große Forschungsinstitute in Berlin, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit EHEC beschäftigen. Das eine ist das Robert Koch Institut, kurz RKI.

" Wir sind das zentrale Institut des Bundes für Infektionskrankheiten, für andere Gesundheitsrisiken. Also letztlich der Schutz der Bevölkerung vor Infektionskrankheiten, unsere Zielgruppe ist also die Bevölkerung, nicht der einzelne Patient."

So der Präsident des RKI, Prof. Reinhard Burger. Die andere Einrichtung ist das Bundesinstitut für Risikobewertung, das von Prof. Andreas Hensel geleitet wird.

"Das BfR hat einen gesetzlichen Auftrag, eine Warnung zu einem Lebensmittel oder Chemikalienproblem eben auszusprechen."

Die konkrete Arbeit vor Ort, die Lebensmittelüberwachung und die Beobachtung von Krankheitsausbrüchen ist aber zunächst einmal Ländersache, so sieht es das Grundgesetz vor.

"Die Entscheidung, wann das BfR eingeschaltet wird, und das gilt mit Verlaub auch für das RKI, liegt nicht bei uns, sondern die Länder müssen eben sehen, ob nötige Kapazitäten überschritten werden bei sich, und wenn sie dann Hilfe bekommen wollen, fragen sie halt an."

Die Meldung von EHEC-Infektionen an das Robert Koch Institut ist sogar gesetzlich vorgeschrieben, so Reinhard Burger.

"Das sind vorgegebene Meldewege vom einzelnen Gesundheitsamt über Landesstellen bis zum Robert Koch Institut. Das klingt etwas kompliziert, ist auch manchmal etwas kompliziert, sprich, es dauert eine gewisse Zeit. Praktisch ist es aber so, wenn etwas dringend ist und wichtig ist und akuter Handlungsbedarf besteht, dann geht das auch direkt auf kurzem Wege an das Robert-Koch-Institut, also, wenn es brennt, schließt man sich da sehr rasch, sehr rasch kurz und aus unserer Sicht ist die Zusammenarbeit mit den Landesgesundheitsbehörden gut."

Als sich in Hamburg auf den Intensivstationen eigentlich seltene Fälle mit dem hämolytisch-urämischen Syndrom häuften, schickte das RKI direkt ein Team, das in Zusammenarbeit mit dem Land die Patienten nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragte. Sie fanden zwar kein konkretes verdorbenes Lebensmittel, es stellte sich aber heraus, dass die Kranken auffällig oft Tomaten, Gurken und Blattsalate verzehrt hatten.

Ein Verdacht, den das Robert Koch Institut und das Institut für Risikobewertung für sehr ernst hielten und halten. Deshalb warnten beide Behörden gemeinsam vor dem Verzehr von Rohgemüse. Andreas Hensel betont, dass seine Behörde das BfR genau für solche Warnungen bei begründetem Verdacht gegründet wurde.

"Dafür und das ist eine Besonderheit, das hat keine andere Bundesbehörde, haben wir beispielsweise auch keine Fachaufsicht, das bedeutet, dass selbst die Ministerin mich beispielsweise, wenn ich eine Warnung herausgebe, nicht stoppen kann, und das ist auch so gewollt. Das Parlament wollte nach der BSE-Krise eigentlich, dass die unabhängige Stimme der Wissenschaft dann wirklich sagt, wenn es wirklich brennt."

Und bei EHEC brennt es wirklich, es gibt Todesfälle, viele Intensivstationen in Norddeutschland sind an den Grenzen ihrer Kapazität. Zur Warnung sieht auch Ilse Aigner keine Alternative.

"Das ist wirklich bitter, weil es viele Tausend Landwirte und Betriebe betrifft. Die immer verantwortungsvoll gewirtschaftet haben und hochwertige Produkte herstellen. Diese Betriebe brauchen Hilfe."

Die soll jetzt aus Brüssel und aus der Kasse des Bundes kommen. Derweil geht die Suche nach der Quelle der Infektionen mit Hochdruck weiter. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat zum Beispiel Mitarbeiter nach Niedersachsen geschickt.
"Wir haben also alle Kapazitäten woanders runtergefahren, Leute, die bakteriologisch arbeiten könne,n sind ausgewählt und die bilden jetzt die Teams, das ist nicht nur eines, sondern das sind mehrere, die dort hinfahren und in dem Betrieb in Bienenbüttel, den Betrieb von oben bis unten durchproben - und da kommen natürlich Tausende von Proben zusammen, die dann über Tage hinweg auch bearbeitet werden, also die Logistik hinter so einem Einsatz, die ist nicht trivial, das ist schon fast ein Großeinsatz."

Kritiker bemängeln, dass es keinen zentralen Krisenstab gibt, der die unterschiedlichen Aktivitäten koordiniert.

"Was für den normalen Bürger nicht zu erkennen ist, ist die gesamte Kommunikationsstrategie, die hinter der Ausbruchsaufklärung liegt."

Es gibt Treffen und Telefonkonferenzen auf allen Ebenen, einen Mangel an Koordination kann Andreas Hensel nicht erkennen.

"Was jetzt neu dazugekommen ist, weil nach einer gewissen Zeit ja jetzt die Daten erst kommen aus den Bundesländern, die miteinander verbunden werden müssen und darum hat sich eine sogenannte Taskforce gebildet."

Aus der Innensicht der verschiedenen Behörden läuft die Zusammenarbeit gut, von außen betrachtet gibt es aber viele Mitspieler, die sich zum Teil mit unterschiedlichen Botschaften an die Öffentlichkeit wenden. An einem Tag findet sich EHEC an spanischen Gurken, am nächsten stellt sich heraus, es war eine andere Bakterienvariante. Jetzt sind Sprossen unter Verdacht, ein Erreger konnte aber nicht nachgewiesen werden.

" Das ist schon auch die Pflicht eines Ministers, wenn er meint, das ist ein bedenkliches Produkt, dass er sich dazu äußert oder das auch vom Markt nimmt. Was die fachliche Qualität anbelangt, dafür ist dann eben auch das Bundesland in Gänze zuständig."

Früher gab es eine einheitliche Behörde, die mit einer Stimme gesprochen hat, nämlich das Bundesgesundheitsamt. Das aber hatte die Gefahr durch HIV-verseuchte Blutprodukte lange ignoriert. Damit unterschiedliche Perspektiven zu Wort kommen können, wurde die Einheitsbehörde aufgeteilt unter anderem eben in Robert Koch Institut und Bundesinstitut für Risikobewertung.

Gerade bei einem sich noch entwickelnden Ausbruch ist es unvermeidlich, dass Informationen zum Teil eine kurze Halbwertszeit haben. Kein Wunder, dass sich viele Bürger allein gelassen fühlen. Die Telefonzentrale am Robert Koch Institut wird mit Anfragen überhäuft, aber es gibt keine Hotline, die die Anfragen beantwortet. Reinhard Burger verweist auf das Internet und die Homepage RKI.de, über die sich viel mehr Menschen mit Informationen versorgen lassen.

"Man muss auch bedenken, dass eine sachkundige Beantwortung von Fragen sachkundige Antwortgeber erfordert, und die werden bei einem solchen Geschehen auch dringender gebraucht für die Aufklärung der Ursache als jetzt immer wieder die gleichen Fragen zu beantworten."

Die verschiedenen Experten auf Bundes- und auf Landesebene, bei den Gesundheits- und den Lebensmittelbehörden arbeiten fast rund um die Uhr, um die Quelle der EHEC-Infektionen aufzuspüren.

" Um zu verhindern, dass vielleicht in Zukunft erneut zur gleichen Kontamination kommt, die jetzt verantwortlich war für diesen Ausbruch. Es kann aber auch sein, und das passiert häufiger bei solchen Ausbrüchen, dass die Fälle langsam weniger werden und man nie herauskriegt, was war die Ursache."

Auch bei der Patientenversorgung sind die Informationen teilweise verwirrend. Anfang der Woche verkündete der Chef der Hamburger Uni-Klinik eine leichte Entspannung in Sachen EHEC. Die Folgetage haben aber bewiesen: Die Entwarnung kam zu früh. Es erkranken immer noch Menschen an dem gefährlichen Darm-Keim, und bei vielen von ihnen kommt es dann zu lebensbedrohlichen Komplikationen, zum sogenannten HU-Syndrom. Die meisten Erkrankungen gibt es in Norddeutschland, und seit über einer Woche reagieren die Krankenhäuser darauf mit Notfallplänen und Überstunden.

Michaela Kiemes sieht müde aus. Die Leiterin des Pflegeteams auf einer Isolationsstation in Kiel schiebt den Mundschutz ein Stück nach oben. Seit einer Woche gilt eine Urlaubssperre, einige Kollegen haben aus freien Stücken ihre Ferien abgebrochen und helfen auf den Isolationsstationen.

"Das kann man mit nichts vergleichen, was wir vorher mal irgendwann hier erlebt haben. Wir haben Mitarbeiter, die schon 30 Jahre hier am Haus sind, und niemand hat so etwas in der Art erlebt bisher."

Neun, zehn, manchmal sogar 14 Stunden arbeitet das Personal täglich, oft ohne Pause. An warmen Tagen, mit Schutzkitteln und Gummihandschuhen kommen die Mitarbeiter schnell ins Schwitzen. Schlimmer als die körperlichen Belastungen sind beim Kampf gegen EHEC aber die psychischen Belastungen für die Helfer, erzählt Kiemes. Auch für sie, mit ihren 18 Jahren Berufserfahrung:

"Es sind sehr viele junge Patienten. Vor allem Frauen, die sonst gesund sind. Die aus dem prallen Leben kommen. Und viele haben ja diese neurologischen Störungen, Ausfälle. Werden apathisch, werden verwirrt, bekommen Krämpfe bis hin zum Krampfanfall. Und das ist extrem belastend, das zu sehen. Die Konsequenzen, die das hat, für die Patienten."

Die Chefin des Pflegeteams verabschiedet sich. Sie muss los zur täglichen EHEC-Krisensitzung. Die Krankenhäuser mussten auf die EHEC-Krise schnell reagieren: In Kiel räumten zum Beispiel die Orthopädie und die Gynäkologie ihre Stationen und machten Platz für Isolationsstationen. Fünf davon gibt es allein an der Kieler Uni-Klinik.

Neben den Räumlichkeiten müssen die Kliniken auch besondere Apparate bereitstellen, um EHEC- und HUS-Patienten helfen zu können: Es müssen Plätze auf den Intensivstationen frei sein, und es müssen genug Plasmapherese-Geräte zur Verfügung stehen. Mit diesen Maschinen filtern die Ärzte das vergiftete Blutplasma der Patienten aus dem Blutkreislauf und ersetzen es durch gesundes Plasma von Spendern. Zwar hat es erste Appelle an die Bevölkerung gegeben, mehr Blutplasma zu spenden, echte Engpässe gab es aber bisher nicht.

Überhaupt, da ist der Kieler Klinik-Chef, Professor Jens Scholz, sicher: Grund zur Panik gibt es nicht. Die Kieler und auch die Hamburger Uni-Klinik haben die Situation im Griff. Das läge aber auch daran, so Scholz, dass dort niemand nach den Kosten dieses Engagements fragt. In privatisierten Häusern, erklärt der Arzt, sei das anders:

"Das ist so, als wenn ein Haus brennt: Da muss man erstmal den Brand löschen und später muss man gucken, wie es ökonomisch ist. Es ist ein absoluter ökonomischer Schaden für die Krankenhäuser, die sich so committen, die Patienten so zu behandeln."

Seine Kollegin, die Privatdozentin an der Uni-Klinik Dr. Tanja Kühbacher sieht es ähnlich: Natürlich kümmern sich auch privat geführte Häuser um die EHEC-Kranken. Aber dort gilt nicht nur der hippokratische Eid, der zur Hilfe aller Kranken verpflichtet, sondern auch eine strenge Kostenkontrolle, so Kühbacher.

"So eine extreme Situation, wie wir sie jetzt haben, so eine Epidemie, ist sicherlich nur zu händeln in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft. Denn diese Patienten sind unendlich kostenintensiv und auch die Möglichkeiten, so schnell so viel Kapazitäten zur Behandlung der Patienten herzustellen und auch zu sagen, wir verzichten jetzt auf den Profit, indem wir nämlich Privatstationen schließen, indem wir elektive OPs absagen, das wäre sicherlich mit einem privaten Träger so in dieser Art und Weise, wie wir es jetzt tun, nicht möglich."

Widerspruch kommt von Prof. Friedrich Hagenmüller. Er ist ärztlicher Direktor an der privat geführten Asklepios-Klinik in Hamburg-Altona:

"Ich würde das keinem Krankenhaus unterstellen! Die Patienten, die wir aus anderen Krankenhäusern übernommen haben, sind aus medizinischen Gründen übernommen worden – es gibt natürlich kleinere Häuser, an denen keine Plasmapherese durchgeführt wird und keine Dialyse. Und ich kann hier kein wirtschaftliches Motiv erkennen und möchte das auch niemandem unterstellen."

Und immerhin werden am Altonaer Krankenhaus 23 HUS- und 45 EHEC-Patienten behandelt. Vier extra eingerichtete Stationen stehen bereit, um die Betroffenen zu versorgen. Und es wurde zusätzliches Personal eingestellt, erklärt Angelika Steinkopf, stellvertretende Pflegedirektorin in Altona:

"Wir beschäftigen sehr viele Zeitarbeitskräfte. Alles das, was überhaupt am Markt noch zu buchen war. Das sind mindestens 15 bis 20 zusätzliche Pflegekräfte, die wir hier einsetzen. Die unterstützen teilweise die anderen Bereiche im Haus, damit erfahrenes Personal dann hier in den Krisenstationen eingesetzt werden kann. Aber natürlich haben wir auch Urlaubszeit, wir haben ein Brückentagswochenende, wir haben Pfingsten ... Das ist schon eine ganz enorme personelle Herausforderung!"

Auf diese Herausforderungen sind vor allem große Häuser gut vorbereitet, auch wenn die Kräfte, die für die EHEC-Krise eingesetzt wurden, an anderer Stelle dann fehlten, erklärt Steinkopf:

"Die Patienten sind nicht nur sehr pflege-, sondern auch sehr überwachungsintensiv. Man muss ständig auf der Hut sein: Verändert sich was? Verschlechtert sich was? Und hier in der Plasmapherese: Es gibt natürlich nur wenig Pflegekräfte, die dieses Spezialwissen haben, diese Maschinen bedienen zu können. Die arbeiten normalerweise bei uns in der onkologischen Tagesklinik."

... und dort setzt sich nun – für die Dauer der Krise – der Personalmangel fort.
In der Verbraucherzentrale Hamburg geht es nach wie vor um die ganz alltäglichen Fragen. Die meisten Anrufer wollen wissen, wie mit bereits gekauftem Gemüse umgegangen werden soll, welches Obst und Gemüse unbedenklich ist, erläutert Claudia Michehl. Wird jedoch gleich wieder vom Klingeln ihres Telefons unterbrochen.

"Verbraucherzentrale, Michehl, guten Tag. Ja, das haben wir schon öfter gehört. Ob Obst und speziell Erdbeeren betroffen sind. Es gab bisher keine Verdachtsfälle und keine klaren Ergebnisse, dass jetzt Obst und speziell Erdbeeren betroffen sind. Trotz allem raten wir auch hier ganz klar zur Hygiene. Sie müssen jetzt nicht auf die Erdbeeren verzichten. Sie sollten sie gut abwaschen. Wir können aber auch jetzt kein grünes Licht für Obst generell geben. Da jetzt einfach die Informationslage noch sehr ungewiss ist."

Bereits gekauftes Gemüse muss nicht weggeworfen werden, sagt die Verbraucherschützerin. Wichtig sei aber, dass das Gemüse ausreichend erhitzt wird: Mindestens zwei Minuten bei mindestens 70 Grad – dann sind die Erreger abgetötet. Vom rohen Verzehr raten die Experten generell ab. Zudem könne es sinnvoll sein, die Gemüsefächer im Kühlschrank genau zu reinigen.

"Man kann die Gemüsefächer einmal mit Desinfektionsmitteln abreiben und einsprühen. Danach noch mal mit klarem Wasser reinigen. Und dann sollte die Gefahr gebannt sein."

Und so reduziert sich die umfangreiche Daten- und Informationssammlung im aktuellen Fall von Lebensmittelverunreinigung bei der Beratung wieder auf allgemeine Hinweise für den täglichen Umgang mit Nahrungsmitteln. Mindestens bis zum Ende der Woche bleibt die Hotline für besorgte Verbraucher geschaltet.

Weitere Links:
Verbraucherportal dradio.de
EHEC-Info des Robert-Koch-Instituts

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