Dienstag, 12.12.2017
StartseiteSport AktuellDer unwissende Herr Niersbach 31.01.2017

Sommermärchen-AffäreDer unwissende Herr Niersbach

Neue Erkenntnisse über DFB-interne Vorgänge in der Sommermärchen-Affäre werfen Fragen auf. Es geht um entlarvende Mails, um die Löschung von Dateien, und um die Frage, wann wer Kenntnis hatte vom brisantesten Papier der Affäre: dem Warner-Vertrag.

Von Thomas Kistner

Wolfgang Niersbach während der Präsidiumssitzung in Frankfurt am Main am 09.11.2015. (picture alliance / dpa / Arne Dedert)
Ex-DFB-Präsident Wolfgang Niersbach trat im November 2015 als DFB-Präsident zurück. (picture alliance / dpa / Arne Dedert)
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Es gibt neue Erkenntnisse zur Sommermärchen-Affäre, die die Ermittlungsarbeit des DFB und seiner mit Millionen bezahlten Kanzlei Freshfields in Zweifel ziehen. Wichtige Mails und beim DFB gelöschte Dateien, die im Schlussbericht der Untersuchung gar nicht erwähnt werden, zeigen, dass die Ermittlungen insbesondere die Rolle des damaligen Verbandschefs Wolfgang Niersbach nur sehr oberflächlich beleuchten.

So zitierte Freshfields zwar Teile einer Mail Niersbachs am Tag nach der Spiegel-Veröffentlichung zum mutmaßlichen Stimmenkauf an seinen Vertrautenkreis. Unerwähnt blieb aber, dass der DFB-Chef darin mehr Insiderwissen offenbarte, als er zu der Zeit angeblich hatte.

Niersbach blies zum Angriff gegen Zwanziger 

Gar nicht vermeldet wurde, dass Niersbach in dieser Mail zum Angriff auf seinen Vorgänger Theo Zwanziger blies, den er als Buhmann aufbauen wollte: "Medial wäre hinter den Kulissen vielleicht noch etwas gegen Zwanziger zu lancieren", schrieb er. "Irgendwelche Ideen?" Heute distanziert sich der DFB von diesem Vorschlag. Warum er im Report nicht einmal erwähnt wird, erklärt er nicht.

Unerwähnt blieb auch Niersbachs Mail drei Tage später, in der er sich seinen Vertrauten gegenüber als "Mitwisser" bezeichnet, der "zudem verspätet informiert habe". Weitere zwei Tage darauf, gleich nach einer Pressekonferenz Niersbachs, bei der er fast jedes Wissen um die WM-Vorgänge abstritt, kam es zu Dateilöschungen beim DFB. Auch das wird im Bericht nicht erwähnt. Der DFB erklärt, solche Löschungen seien ihm nicht bekannt. Freshfields schweigt zu allen Vorhaltungen.

Warner-Vertrag früher bekannt

Auch zu der Frage, wie mit einem früh bekannten, massiv korruptionsverdächtigen Vertrag verfahren wurde, den der damalige WM-Bewerberchef Franz Beckenbauer vier Tage vor der WM-Vergabe mit Fifa-Skandalfunktionär Jack Warner unterzeichnete, gibt es neue Erkenntnisse. Der Vertrag, der Warner Leistungen in Millionenhöhe zusichert, war Niersbach vor Ausbruch der Affäre bekannt. Das gab er intern aber erst am 9. November zu, danach trat er zurück. Auch dieser Sachverhalt wurde so nicht dargestellt. Stattdessen belobigte die neue DFB-Spitze Niersbach damals für sein verantwortungsbewusstes Handeln und beließ ihn in all seinen internationalen Ämtern.    

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