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StartseiteOn StageDie Kunst des Liedermachens19.08.2016

Songs an einem SommerabendDie Kunst des Liedermachens

Teil 1

Es herrscht wieder Aufbruchstimmung im Land, zumindest was die Liedermacherszene anbelangt. Politisch engagierte Lieder sind nicht mehr randständig, sondern kehren zurück auf die Bühne. Bei den "Songs an einem Sommerabend" trafen sich alte und neue Protagonisten der Szene: von Konstantin Wecker und Band über Dominik Plangger bis zu Claudia Koreck und SOLOzuVIERT.

Am Mikrofon: Thekla Jahn

Blick von einer Anhöhe über die Köpfe von Zuschauern hinweg auf eine große Bühne vor der Kulisse von Kloster Banz. Es spielen SOLOzuVIERT (Thekla Jahn)
Die Band SOLOzuVIERT bei den Songs an einem Sommerabend auf Kloster Banz (Thekla Jahn)

Seit dreißig Jahren lädt das Festival "Songs an einem Sommerabend" ins fränkische Bad Staffelstein auf die Wiesen von Kloster Banz. Ein imposanter Ort, anfangs kommt der Blick kaum zur Ruhe, er verliert sich in das weite Maintal, wird aber auch von dem mächtigen Hauptbau und der Kirche des ehemaligen Benediktinerklosters angezogen – und natürlich von der großen Rundbogenbühne, auf der die Künstler spielen; Liedermacher, um genau zu sein, denn um die geht es bei diesem Festival seit 1987, wie der künstlerische Leiter Ado Schlier sagt.

Lieder, die auch Texte haben

"Wir haben angefangen, um Lieder vorzustellen, die auch Texte haben. Wir wollten, dass die Leute – um ein Lied von Konstantin Wecker zu zitieren – einfach hier schlendern und sich unterhalten lassen und dass sie ein bisschen vom Format der Musikberieselung entlassen werden. Und das hat sich entwickelt."

Das Finale der Songs auf Banz

Die "Songs an einem Sommerabend" gehören mittlerweile zu den Konzerthighlights der Liedermacherszene. Mit der 30. Ausgabe ist jetzt Schluss auf Banz, zumindest für den künstlerischen Leiter und seine Mannschaft. In anderer Form soll es weitergehen mit den Songs. Zum Finale auf den Klosterwiesen hatte Ado Schlier vom 1. bis 3. Juli 2016 natürlich  die Großen der Zunft eingeladen: Konstantin Wecker, Klaus Hoffmann, Bodo Wartke, aber auch wie gewohnt  die nicht ganz so bekannten deutschen Singer/Songwriter und den Liedermachernachwuchs. Drei Tage auf Kloster Banz, fast 18 Stunden Musik. Der Deutschlandfunk sendet in drei "On Stage"-Sendungen Ausschnitte, im ersten Teil aus Konzerten von Dominik Plangger, Claudia Koreck, SOLOzuVIERT und Konstantin Wecker.

Auf einer weiträumigen Bühne sitzt Konstantin Wecker hinter dem Klavier und spielt gemeinsma mit vier Musikern (Thekla Jahn)Ohne Affinität zur Klassik geht es nicht: Konstantin Wecker mit Band auf Kloster Banz (Thekla Jahn)

Konstantin Weckers Songs sind so zeitlos wie er. 69 Jahre ist er alt, aber das sieht man ihm weder an, noch hört man es. Der Komponist, Liedermacher und Autor versprüht auf der Bühne eine Energie, die unter Jüngeren ihresgleichen sucht.

"Ja, das ist erstaunlich. Das wird mir oft gesagt und ich spüre es ja auch auf der Bühne. Ich glaube, es ist einfach die Leidenschaft an der Musik. Ich habe halt als 18-Jähriger angefangen meine Gedichte zu vertonen, an die ich glaube und nicht irgendeine Musik zu machen, um damit schnell berühmt zu werden. Und mit der gleichen Überzeugung bin ich weiterhin auf der Bühne."

Auch seine Grundhaltung ist dieselbe geblieben: die eines überzeugten  Menschenfreundes. Gerade deshalb hält er es für notwendig, heute in unserer neoliberalen Gesellschaft ein widerständiger Humanist zu sein.

Kooperation statt Egoismus

"Es ging immer schon in der Geschichte und Entwicklung der Welt auch um Kooperation und nicht nur darum, dass der Stärke unbedingt den anderen besiegt und fressen muss. Humanismus: ein wunderbarer Gedanke, dass wir für das Zusammenleben aufgrund unseres Geistes unsere eigenen Gesetze machen können, unsere eigene Ethik entwickeln können. Und ich fürchte, dass jetzt in einer Zeit, in der der Neoliberalismus ja total sozialdarwinistisch geprägt ist, dass dort dieser Humanismus wieder verlorengeht."

Als Künstler hält Konstantin Wecker dagegen, mit seinen vertonten Gedichten.

"Ich habe mich nie so drum gekümmert, dass ich musikalisch einen einheitlichen Stil habe. Es gibt lyrische Texte, da ist einfach Klavier und Cello das Allerschönste. Und es gibt andere Texte, die brauchen ein Schlagzeug."

Hoffnungsloser Spätromantiker

Aber alles beginnt bei dem klassisch ausgebildeten Musiker, der neben Klavier auch Geige und Gitarre spielt, mit der Melodie, die sich dem Text andient.

"Die Melodie ist mir zuerst mal das Wichtigste an der Musik. Da bin ich in hoffnungsloser Spätromantiker, nach wie vor Puccini verpflichtet und Gustav Mahler und natürlich auch Mozart – kein Spätromantiker, wie wir wissen - Mozart ist alles für mich. Die Melodie ist ganz entscheidend. Und wenn ich die habe, dann setze ich es am Klavier um, und dann setzen wir uns auch zusammen hin und überlegen die Arrangements."

Zu allererst gehört dazu natürlich Jo Barnikel – seit einer gefühlten Ewigkeit das pianistische Alter Ego, wie Konstantin Wecker ihn gerne nennt, aber auch die anderen Musiker wie Fany Kammerlander am Cello oder Jens Fischer – von der Blue Man Group -  an  Gitarre und Percussion: junge Musiker, die alle ebenso wie Konstantin Wecker eine Affinität zur sogenannten klassischen Musik haben, ohne die er nicht zu denken ist.

SOLOzuVIERT: die steirische Quadriga

Das Festival "Songs an einem Sommerabend" ist in Franken beheimatet und damit nicht allzu weit von den südlichen Nachbarn entfernt. Es wurden immer Musiker aus den unterschiedlichen Ländern des deutschsprachigen Raums eingeladen. Diesmal war das Quartett SOLOzuVIERT darunter:  Eine steirische Quadriga, deren Mitglieder sich vor ein paar Jahren eigentlich nur für einige Konzerte zusammenschließen wollten, sich dann aber nicht mehr voneinander trennen konnten.

Die Sängerin Claudia Koreck (picture alliance / dpa / Andreas Gebert )Die Sängerin Claudia Koreck (picture alliance / dpa / Andreas Gebert )

Bei SOLOzuVIERT aus Österreich gehört der steirische Dialekt einfach dazu, genauso wie bei Claudia Koreck die bayrische Mundart. Claudia Koreck landete vor bald 10 Jahren mit ihrem Stück "Fliang" einen Nummer Eins Hit in Bayern und bundesweit mit ihrem gleichnamigen Debütalbum auf Platz fünfzehn der Musikcharts. Die Musikerin hat Power, eine Vorliebe für Rock, aber auch ein gutes Bluesfeeling. Beim Liedermacherfestival auf Kloster Banz waren es eher die balladesken Stücke, die sie mit einer erfrischend unprätentiösen, natürlichen Art und deshalb natürlich auch im Dialekt vortrug.

"Dialekt ist meine Muttersprache"

"Ich bin so aufgewachsen, Dialekt ist meine Muttersprache, das ist bei mir ganz tief drinnen verwurzelt und das muss natürlich auch in meiner Musik sein, irgendwie brauche ich das auch, ich brauche diesen direkten Weg zu meinem Herzen."

Aus Italien,  genauer aus Südtirol stammt Dominik Plangger.  Auch er ist in jeder Hinsicht heimatverbunden: Er liebt den Südtiroler Dialekt, singt auf Deutsch und Italienisch, verbringt im Sommer auch gerne mal Zeit als Hirte auf einer Südtiroler Alm, lebt ansonsten aber in Großstädten wie Wien und ist gern international  unterwegs. Eine Zeitlang tourte er als Straßenmusiker, unter anderem durch Irland  und Canada. Mittlerweile macht er "transalplantische" Musik.  Mit seiner Wortschöpfung umreißt er die Reise, die er musikalisch unternommen hat und sich im Ergebnis nun an Countrymusik orientiert.

"Country ist weiterentwickelte europäische Volksmusik"

"Gerade Country ist viel verpönt, aber Country hat wunderschöne  Harmonien, und von der Countrymusik kann man Musik spielen lernen und singen lernen. Die ganze Volksmusik in Europa ist halt schon sehr alt und entwickelt sich nicht so weiter. Country ist eine weiterentwickelte Form der europäischen Volksmusik in Amerika, die emotional vorgetragen wird. Und gerade die Emotionalität und dieses den Wert darauf legen, sein ganzes Gefühl reinzulegen, das bringt die Musik zum Leben und das fehlt mir in Europa."  

Aufnahmen vom 2. und 3. Juli 2016 bei den "Songs an einem Sommerabend".

Diese Sendung können Sie nach Ausstrahlung 6 Monate online nachhören.

Der zweite Teil der Konzertausschnitte vom Liedermacherfestival "Songs an einem Sommerabend" wird am 26. August 2016 gesendet, der dritte Teil am 16. September 2016.

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