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StartseiteCorsoSongs aus dem Hotelzimmer21.02.2013

Songs aus dem Hotelzimmer

Cécile Verny Quartet veröffentlicht aktuelles Album "Fear & Faith"

Das Jazzquartett um die in Frankreich aufgewachsene Sängerin Cécile Verny kann inzwischen auf mehr als zehn LPs und über 20 Jahre Bühnenerfahrung zurückblicken. Für die Combo kein Grund, sich zu wiederholen. Auf ihrem neuen Album geben sich die Musiker aus Freiburg verspielter als je zuvor.

Von Dirk Leukroth

Spontane Jam-Sessions prägen die Stücke des neuen Albums vom Cécile Verny Quartet (Ellen Schmauss)
Spontane Jam-Sessions prägen die Stücke des neuen Albums vom Cécile Verny Quartet (Ellen Schmauss)

Das neue Album des Cécile Verny Quartetts ist in mehrerlei Hinsicht eine Sollbruchstelle in der Karriere der Band: Denn die Arrangements der neuen Songs wurden nicht wie bisher haarklein vor dem Gang ins Studio ausgearbeitet. Stattdessen wurde aus der Zeitnot zwischen den vielen Live-Auftritten eine Tugend gemacht: Auf Tour haben die vier Musiker zwischendurch ihre Ideen festgehalten und weiterentwickelt - in Hotelsessions sozusagen.

"Dann hat jemand von uns einen Groove vorgelegt, hat angefangen zu spielen und dann hieß es: So Cécile, jetzt sing was! Das kann man nur machen mit Leuten, zu denen man ein gewisses Vertrauen hat. Entweder haben die Jungs dann mit der Stirn gerunzelt - und dann habe ich gewusst: ok, das kam jetzt nicht so gut an. Und wenn die Augen auf einmal angefangen haben zu glänzen, dann habe ich gewusst: ok, wir bleiben bei der Richtung!"

Cécile Verny war auf dem Album "Fear & Faith" nicht nur Sängerin oder Interpretin, sondern war mehr denn je in die Entstehung der eigenen Songs eingebunden. Und diese unmittelbare Nähe spürt man. Auch was die Texte betrifft, von denen die meisten aus der Feder der 44-Jährigen selbst stammen. Darin schimmert durch - sie steckt nicht unbedingt in der klassischen Midlife Crisis, aber eine Zeit des Umbruchs sei schon angebrochen.

"Freunde trennen sich, andere kommen wieder zusammen. Die Kinder werden größer, die Eltern, also die Leute der Generation davor, sterben - man selbst fängt an zu überlegen, dass man vielleicht gut die Hälfte seines Lebens bereits hinter sich hat. Was nun? Dann kamen mir die Gedanken über Spiritualität. Angst und Glaube sind in unserem Leben, in unserer Gesellschaft, die sich neu formiert, mit der wir alle lernen müssen neu umzugehen. Wir sind in so einer Zeit, wo alles ein bisschen im Umbruch ist."

All diese fast philosophischen Gedanken sind gleich in mehrere Songs eingeflossen, zum Beispiel im Stück "Lord have mercy". Daneben finden sich noch zwei Lieder in Cécile Verny´s Muttersprache auf dem neuen Album "Fear & Faith" - in Französisch.

Cecile Verny gilt als eine der wandlungsfähigsten Musikerinnen Deutschlands (Ellen Schmauss)Cecile Verny gilt als eine der wandlungsfähigsten Musikerinnen Deutschlands (Ellen Schmauss)Im Alter von zwölf Jahren ist Cécile Verny mit ihren Eltern schweren Herzens von der Elfenbeinküste nach Europa umgesiedelt. Sechs Jahre später kam dann in Straßburg die Initialzündung für die professionelle Musikerkarriere - ausgelöst durch den Besuch in einem Jazzclub, wo sie, die damalige BWL-Studentin, eher zufällig bei einem Vorsingen teilgenommen hatte. Am Ende hatte die Musik Cécile Verny schließlich so gepackt, dass sie 1989 ihr eigenes Quartett gründete - bestehend aus Bernd Heitzler am Bass, Andreas Erchinger an den Tasten und einem Drummer, der mittlerweile Lars Binder heißt.

"Wir sind alle gleich wichtig - die Jungs haben alle einen festen Platz. Und wenn einer nicht kann, ist es eher so, dass wir dann einen Gig nicht machen, anstatt ihn zu spielen mit irgendjemandem, nur damit er stattfindet."

Dieser feste Bandzusammenhalt spielt sicher eine wichtige Rolle dabei, solche Musik mit Tiefgang hervorzubringen - wie zu hören auf dem Album "Fear & Faith" - eine spannenden Mixtur aus Jazz, Pop plus einem gehörigen Schuss Soul - oder in Cécile Verny´s eigenen Worten:

"In einer Welt, in der sehr viel oberflächlich ist und alle nur 'chillen' wollen und auf 'Cool' machen - ich glaube, ich bin gar nicht cool! - Oberflächlichkeit mag ich nicht, in meiner Arbeit erst recht nicht! Ich denke, dass Kunst in irgendeiner Art bewegen soll, eventuell Fragen mit sich bringen soll. Ich muss nicht unbedingt Lösungen haben, aber es muss ein Denkanstoß sein oder einen Moment, in dem man kurz innehält - zwei bis drei Sekunden für sich nimmt zu reflektieren - all das kann man ohne Tiefe nicht machen."

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