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Sophie Hungers Revolutionen

Das neue Album der Schweizer Musikerin "The Danger of Light"

Von Luigi Lauer

Die Schweizer Musikerin Sophie Hunger beim Blue Balls Festival in Luzern (picture alliance / dpa / Sigi Tischler)
Die Schweizer Musikerin Sophie Hunger beim Blue Balls Festival in Luzern (picture alliance / dpa / Sigi Tischler)

Vor zwei Jahren erschien ein Album mit dem Titel 1983. Das ist das Geburtsjahr der Schweizer Sängerin und Textdichterin Sophie Hunger. Jetzt hat Sophie Hunger mit "The Danger of Light" nachgelegt. Die Musik scheint ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu folgen, sie klingt reifer und selbstbewusster.

"Nichts, eigentlich, ich möchte nichts damit sagen. Ich war auf der Straße, und dann hat der Vertrieb gesagt, ok, du musst jetzt sagen, wie dein Album heißt, weil die mussten das abgeben und so. Und dann stand ich da, hab die Sonne angeguckt und da hab ich gesagt "Danger of Light". Und jetzt muss ich damit leben."

Immerhin hat Sophie Hunger dem Albumtitel nicht nachträglich Bedeutungschwangerschaft verordnet. Es hätte durchaus funktioniert, denn ein Kernthema ihres neuen Albums sind Revolutionen. "The Danger of Light" als Sinnbild für die Gefährlichkeit des Erkennens – warum nicht. Die Songs heißen ins Deutsche übersetzt unter anderem Revolution, Soldat, Heilige Höllen oder Täter.

"Das interessiert uns ja wahnsinnig, diese Revolutionen, zum Beispiel im Nahen Osten, in der arabischen Welt. Wir sind ja große Fans von diesen Revolutionen. Es scheint uns wirklich so richtig zu gefallen, dieses ganze Revolutionsding. Und das ist ja eigentlich schon merkwürdig, dass das so ist, oder? Ich meine, ich seh' nicht ganz, warum wir das so verherrlichen, eben so weit, dass man sich vorstellen kann, dass wir uns fast schon selbst wünschen würden, es würde hier auch so eine Revolution geben und wir wären dann alle, keine Ahnung, auf dem Alex. Ich will das gar nicht groß kommentieren, aber es fällt mir halt auf. Es ist fast wie so ein Neid."

Wie sich das anfühlt, in einem Land zu leben, in dem das Volk unterdrückt wird, das weiß Sophie Hunger. Iran war eine Station ihres Vaters als Schweizer Botschafter.

"Das vorletzte war Iran, da war ich fünf Jahre, und das war eigentlich für die ganze Familie der intensivste Aufenthalt irgendwo. Wir haben uns alle ganz arg verliebt in dieses Land und er ist uns allen sehr nahe gegangen, dieser Aufenthalt."

Iran sei wie ein Dampfkessel gewesen, sagt Sophie Hunger, unglaublich talentierte Menschen, die brutal unterdrückt würden. Schon auf ihrem letzten Album besang sie den größten aller Poeten, der am Hindukusch lebt und den wir nie kennenlernen werden. Dafür sorgten allerdings nicht nur die Mechanismen in totalitären Systemen, sondern auch eine westliche Ignoranz und Arroganz.

"Sicher, ein wichtiger Eindruck, aber den habe ich eigentlich immer, wenn ich Europa verlasse, ist, aus was für einer kleinen Region wir kommen, Europa, wie klein das ist, und wie wenig es zu tun hat mit wie die Welt sonst funktioniert. Unsere Realität ist so weit weg von dem, was die meisten Menschen erleben oder erleben müssen. Das fällt mir immer auf, wenn ich nach Asien oder Amerika gehe."

An dem Album "The danger of light" fällt vor allem die Intensität auf. Dichter, kräftiger, irgendwie auch lauter klingt es, eine Entwicklung, die ihre Entsprechung in Sophie Hungers Wesen findet. Sie ist längst nicht mehr so scheu, wie sie zumindest Journalisten gegenüber noch vor zwei Jahren war. Hartnäckige Detailarbeit am neuen Album habe zu den Verbesserungen geführt, sagt sie. Und auch ihre Stimme sei jetzt intensiver, vor allem, weil sie gelernt habe:

"Dass ich für mich mehr Zeit nehmen muss, weil ich hab vorher immer geguckt, dass mit den Instrumenten alles gut ist und habe immer gedacht, ja, und später sing ich das dann mal noch. Das mache ich nicht mehr. Also ich versuche immer, mir viel mehr Platz zu geben und mich auch ein bisschen ernster zu nehmen innerhalb der Aufnahme. Ja, zu akzeptieren, dass es nun mal das Zentrum ist, leider Gottes."

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