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StartseiteCorsoSo politisch wie lange nicht18.03.2017

"South by Southwest" Festival 2017So politisch wie lange nicht

2.200 Bands liefern dieses Jahr beim South by Southwest-Festival in Texas ein Bild der aktuellen Musikszene. Und werfen Fragen auf: Können nur noch Kinder reicher Eltern Musik machen? Taugt kubanischer Hiphop als Waffe gegen Trumps Isolatio­nismus? Kann sich Mercedes-Benz bei coolen Indiebands ein hippes Image borgen?

Von Florian Schairer

Der syrisch-amerikanische Sänger Bassel Almadani performt mit seiner Neo-Soul und Funk Band "Bassel and the Supernaturals" auf dem ContraBanned: MusicUnites South by Southwest (SXSW). (Suzanne Cordeiro / AFP)
Der syrisch-amerikanische Sänger Bassel Almadani performt mit seiner Neo-Soul und Funk Band "Bassel and the Supernaturals". (Suzanne Cordeiro / AFP)
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"Das ist wahrscheinlich das erste Mal, dass wir bei der SXSW (sprich: "South by Southwest”) nicht draufzahlen. Und das liegt daran, dass wir auf solchen Events wie diesem hier bei Smart spielen. Das ist natürlich cool, denn für viele ist SXSW echt hart und ich bin froh, dass wir jetzt einen Schritt weiter sind."

Adam Jones ist Teil der Synthie-Band SURVIVE. Seit sie den Soundtrack für den Überraschungsserienhit "Stranger Things” komponiert haben sind sie genau den Schritt weiter, den eine Band bei der SXSW in Austin braucht um auch ein bisschen Geld zu verdienen. Heute haben sie ihre Analog Synthesizer-Burg im "House of Smart” aufgebaut. Wie viele Firmen will auch Daimler Benz die Technik- und Musikmesse nutzen, um das eigene Image mit der Coolness von angesagten Bands aufzujazzen und gleichzeitig die Tekkis zu treffen, die Autos Zukunfts-fähig machen können. Selbst die Business-Leute kommen hier ganz leger daher. Zwischen BBQ und Open Air trägt keiner einen Anzug: Dieter Zetsche hat sogar seine Cowboyboots ausgepackt

"Man sieht, dass das was hierher kommt offensichtlich die Avantgarde ist. Und insofern müssen wir schon nach wenigen Stunden sagen: Hier gibt’s irgendwelche Vibes, hier geht was ab und deshalb bin ich jetzt schon froh, dass wir hierhergekommen sind.”

Das Problem der Gentrifizierung

In den letzten Jahren gab es immer wieder Kritik, dass die spannenden Bands nur noch in den Pop-Up locations von Samsung, YouTube, Amazon, Sony oder eben Smart zu sehen sind. Bei free drinks vor Messefuzzis. Aber das Musikbusiness hat eben kein Geld mehr und die Musiker auch nicht. Für einen Gig im offiziellen Musikprogramm der SXSW gibt es keine Gage. Und oft auch nicht die erhoffte Aufmerksamkeit - bei über 2.200 Bands, verteilt auf unzählige Bühnen in der Stadt. Da mache manche lieber Straßenmusik

In den verschlafenen 70ern fing es an. Wohnen war billig, Austin ein liberaler Sammelpunkt im konservativen Texas. Und so entstand eine großartige Musikszene in der selbsternannten "World Capital of Live Music”. Und genau das wird Austin nun zum Verhängnis - Stichwort Gentrification. Jeff Klein von der Band My Jerusalem.

"Jetzt reißen sie hier schon einen Starbucks ab um dann einen neuen Starbucks zu bauen. Aber im Ernst - das wird für alle zum Problem. Früher hatte man als Kreativer noch eine Chance, aber heute ist alles so teuer, dass die Hälfte aller Bands verwöhnte Kinder reicher Eltern sind. Und das muss man auch sein, um es sich noch leisten zu können hier als Musiker oder Künstler zu leben."

Widerstand gegen den Einreisestopp

Die einst etwas heruntergekommen Downtown wird inzwischen von teuren Apartment-Hochhäusern dominiert. Die Macher des SXSW-Festivals versuchen deshalb die lokale Musikszene wieder mehr zu unterstützen.

Die Band Spoon aus Austin hat deshalb sogar eine eigene Bühne im Main bekommen, passend zum Album-Release. Es ist ein warmer Abend. T-Shirt Wetter. Wie in den meisten Klubs ist nur die Bühne überdacht. Der Rest ähnelt einem aus schwarzen Paletten zusammengezimmerten Bretterverschlag. Open Air. Aber so voll wie hier ist es nicht überall, denn wegen des Schneesturms im Norden wurden viele Flüge abgesagt. Und ein paar Musiker waren auch vom neuen Einreisestopp betroffen. Etwa Massive Scar Era, eine Metal Band aus Kairo und Vancouver. Der Rapper Kayem weiß wie sich das anfühlt. Er durfte zwei Jahre nicht fliegen. Sein Vater war aus Libyen in die USA geflohen.

Der US-amerikanische Comedian und Moderator Azhar Usman hält während des ContraBanned: MusicUnites South by Southwest (SXSW) ein T-Shirt mit der Aufschrift "Alien of extraordinary ability" hoch. Der Begriff klassifiziert im Allgemeinen die Visa-Vergabe an Menschen mit speziellen Eigenschaften oder Talenten.  (Suzanne Cordeiro / AFP)Protest gegen das Einreisedekret? Der US-amerikanische Comedian Azhar Usman hält ein T-Shirt mit der Aufschrift "Alien of extraordinary ability" hoch. (Suzanne Cordeiro / AFP)

"Erst stand ich auf der no-fly list, dann wurde ich als potentielle Gefahr für die innere Sicherheit bezeichnet. Mir wurde gesagt: wenn ich das Land verlasse, darf ich nicht mehr einreisen. Und das obwohl ich Amerikaner bin, der hier geboren und aufgewachsen ist. Die Xenophobie greift immer weiter um sich und gegen diese Angst hilft nur eine persönliche Verbindung. Deshalb finde ich es so wichtig, dass Künstler unterschiedlicher Herkunft sich äußern. Denn sie können einer breiteren Öffentlichkeit zeigen, wer wir sind, als Menschen."

Kayem ist der Main Act beim Contra-Banned Showcase. Hier kommen alle Musiker aus den Ländern, die vom Einreisestopp betroffen sind. 

Musik verbindet

Der kulturelle Isolationismus, Donald Trump, die Mauer, die nur wenige Stunden südlich verlaufen soll. Das alles liegt in diesen Tagen wie ein dunkler Schatten über Austin. Lateinamerikanische Musik, Kultur, TexMex, das gehört schon so lange zu Texas. Doch jetzt geht die Angst geht um unter den vielen Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis. Und so fühlt sich die SXSW 2017 so politisch an, wie seit langem nicht. Hier trifft sich das weltoffene, liberale Amerika und feiert Acts wie la Dame Blache. Die Sängerin stammt aus Kuba, lebt in Paris und hat klassische Querflöte studiert. ihr Vater ist Posaunist und Leiter des legendären Buena Vista Social Clubs.

"Musik ist eine Waffe die wir benutzen können um gegen faschistische Tendenzen zu kämpfen. Und das ist jetzt sehr, sehr wichtig. Denn Musik, Kunst, Poesie haben die Kraft die Menschen zusammenzubringen - über alle Unterschiede hinweg."

Mit Zigarre in der Hand und einem selbstbewussten Lächeln vermischt sie völlig selbstverständlich und über alle Grenzen hinweg Hip-Hop, Cumbia, Klassik und kubanische Musik zu einem urbanen Sound, den das Publikum bejubelt. Sind ihre Songs doch mal wieder ein Beweis dafür, dass die spannendste Musik durch die Verbindung unterschiedlicher Einflüsse und Kulturen entsteht. Das wird in diesem Jahr auf der SXSW in Austin Jahr besonders gefeiert.

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