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StartseiteMusikjournal"Die Oper wird überleben"16.04.2018

Soziologe Reuband"Die Oper wird überleben"

Die Mehrheit der Operngänger zählt zur älteren Generation. Eine Ursache liege im Wandel des Musikgeschmacks, sagte der Soziologe Karl-Heinz Reuband im Dlf. Es bestehe die Gefahr, dass die junge Generation in der Zukunft der Oper fernbliebe. Doch könnten die Institutionen gegen diese Entwicklung vorgehen.

Karl-Heinz Reuband im Gespräch mit Susann El Kassar

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Plakate des Pina Bausch Tanztheater hängen im Foyer des Opernhauses in Wuppertal. (dpa / picture alliance / Marius Becker)
In Deutschland gibt es mehr als 80 Operhäuser, mit jeweils eigenem Ensemble. Kein anderes Land der Welt kann da mithalten. (dpa / picture alliance / Marius Becker)
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Deutschland ist reich an Opernhäusern: Mehr als 80 gibt es, mit jeweils eigenem Ensemble. Kein anderes Land der Welt leistet sich eine solche Fülle. Doch leben die Häuser von der öffentlichen Finanzierung, die ebenso schrumpfen kann wie der gesellschaftliche Rückhalt, wenn beispielsweise die Sanierung eines Opernhauses zu einem finanziellen Fass ohne Boden wird.

Die Oper werde in Deutschland überleben, "aber es werden sicherlich Probleme auftreten - auch im zunehmenden Maße", sagte der emeritierte Professor für Soziologie an der Universität Düsseldorf. Eine Ursache liege auch in der Veränderung des Musikgeschmackes. "Die jüngere Generation ist weniger aufgeschlossen für klassische Musik." Auch wenn sie mit zunehmendem Alter einen gewissen Musikgeschmack für Klassik und Oper entwickeln würde, "ist doch die Gefahr, dass die Generation in der Zukunft nicht so häufig mehr in die Oper geht".

Musikgeschmack und kulturelles Interesse

Der eine Aspekt sei der Musikgeschmack, der zweite das kulturelle Interesse: "Insgesamt ist das kulturelle Interesse bei den Jüngeren geringer ausgeprägt als bei den Älteren. Das ist ein Generationeneffekt." Ähnliche Entwicklungen gebe es auch in den Bereichen Museum und Theater, sagte Reuband.

Maßnahmen, um Interesse für Klassiche Musik zu wecken

Gegen diese Entwicklung könne schon etwas unternommen werden, so Reuband. "Zum einen ist es wichtig, dass man die jüngere Generation dazu bringt, ein gewisses Interesse oder Aufgeschlossenheit für klassische Musik zu entwickeln. Da gibt es eine ganze Reihe von Maßnahmen." Etwa Projekte wie "Jedem Kind ein Instrument". "Wie erfolgreich das sein wird, wird sich erst in der Zukunft zeigen."

Opernbesucher 1970er-Jahre und heute

In den 70er-Jahren sei es eher typisch gewesen, dass auch die Jüngeren in die Oper gegangen sind. Heutzutage verhalte es sich umgekehrt, stellte der Soziologe fest. Warum diese "gewaltige Veränderung" eingetreten sei, wisse man gar nicht genau. Das zu untersuchen, sieht Reuband als Aufgabe der Forschung.

Eintrittspreise senken und Besucher in die Oper locken

"Die Kosten spielen sicherlich eine Rolle", sagte Reuband. Viele würden die Kosten und Zeitmangel als Grund angeben, nicht häufiger in die Oper zugehen. Durch sinkende Preise könnten laut Reuband unter Umständen Publikum für die Oper gewonnen werden. Doch würden dadurch wiederum die finanziellen Probleme der Opernhäuser sich verschärfen. Er betonte, dass "Gelegenheitsbesucher" eine wichtige Gruppe seien, die man langfristig als Opernbesucher gewinnen könnte.

"Oper, Publikum und Gesellschaft", Reuband, Karl-Heinz (Hrsg.)
Sammelband, Springer VS 2018, 392 Seiten.

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