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Spagat zwischen Schule und Sport

In Dresden werden Spitzenathleten von morgen gefördert

Von Claudia Altmann

Schild mit der Aufschrift: Eliteschule des Sports
Schild mit der Aufschrift: Eliteschule des Sports (picture alliance / dpa)

Nachwuchsathleten finden im Sportelitezentrum Dresden ideale Bedingungen vor. In der Mittelschule und am Gymnasium werden Spitzensportler in 16 Disziplinen herangebildet, vor allem Rudern, Leichtathletik, Kunst- und Turmspringen und Volleyball.

Morgens in der Sportmittelschule Dresden. In den oberen Etagen des hellen Neubaus zwischen Elbe und den weitläufigen modernen Sportstätten am Ostragehege verschwinden die meisten der 230 Schüler in den Klassenzimmern. Nicht so Lisa Stock und Lisa Izquierdo Mocasqui. Für die beiden Zehntklässlerinnen beginnt der Tag mit Dauerlauf und Krafttraining.

"Füße fest, Bauch fest, Hintern hinten raus."

Unter der Anleitung des Trainers stemmt die eine 20 Kilo im Nacken. Die andere arbeitet sich an einer 20-Kilo-Langhantel ab. Wünscht man sich das am frühen Morgen?

Lisa Izquierda Mocasqui:

"Man ist den Tag über auch ein bisschen fitter."

Und fit müssen sie sein. Die beiden 17-Jährigen gehören zu den deutschen Volleyball-Spitzentalenten. Hier im Sportelitezentrum – einem der besten Europas - finden sie ideale Bedingungen. In der Mittelschule und am Gymnasium werden Spitzensportler in 16 Disziplinen herangebildet, vor allem Rudern, Leichtathletik, Kunst- und Turmspringen und Volleyball. Die Schüler müssen sich strecken, wollen sie in die riesigen Fußstapfen der bisherigen Absolventen treten: Seit 1960 hat die einstigen DDR-Kinder- und Jugendsportschule bei Olympischen Spielen 49 Gold-, 27 Silber- und 18 Bronzemedaillengewinner hervorgebracht. In London gehen zwei ehemalige Schüler im Ruder-Doppelvierer an den Start. Sechs weitere noch oder ehemalige Schüler stehen gerade in den Qualifikationen in Kunst- und Turmspringen, Kanu und Leichtathletik. Auch Lisa Stock und Lisa Izquierdo Mocasqui wollen ganz nach oben und spielen schon jetzt in der Erstligistmannschaft des Dresdner Sportclubs DSC und in der Jugendnationalmannschaft. Sie kommen beide aus der Gegend von Magdeburg und gehören seit mehreren Jahren zu den 46 Internatsschülern.

Lisa Stock sucht ihre Schulsachen zusammen. Heute stehen Deutsch, Bio und Englisch auf dem Programm.

"Naja, Schule muss halt auch sein."


"Gut. Morgen Gedicht. Is klar, zum Thema Sturm und Drang."

Wenig später sitzen beide im Deutschunterricht. Jeder Tag ist straff durchorganisiert: von acht bis zehn Uhr Training. 10.45 Uhr bis 14.20 Uhr Schule, nachmittags Hausaufgaben und kurze Ruhephase, abends noch mal zwei bis zweieinhalb Stunden Training. Um halb neun ist der Tag vorbei. Das hohe Pensum verlangt auch Barbara Makowska Respekt ab. Einst Kapitän der polnischen Nationalmannschaft, dann Profi und heute DSC-Trainerin gibt sie ihre Erfahrungen an die Mädchen der Sportschule weiter.

"Eigentlich sind sie nur beim Lernen beim Trainieren. Sie trainieren mittlerweile so viel zeitlich wie die erste Liga. Also das heißt über 20 Stunden pro Woche. Das ist sehr hart."

Dabei haben sportliche Höchstleistungen denselben Stellenwert wie ein erfolgreicher Schulabschluss. Der Lehrplan ist derselbe wie an einer normalen Mittelschule. Bei manchmal wochenlanger Abwesenheit ist das eine echte Herausforderung. Aber die beiden Lisas fühlen sich nicht alleine gelassen.

"Also die Lehrer erwarten schon, dass wir lernen. Ausreden gibt's da meistens nicht so."

"Aber sie helfen uns auch in vielen Situationen. Also wenn wir jetzt zum Beispiel lange nicht da sind, dann sagen die auch schon mal: Ja, wenn Ihr was braucht, kommt ruhig zu uns. Und dann helfen die uns. Also es ist jetzt nicht so, dass wir ins kalte Wasser geworfen werden, wenn wir dann wieder da sind."

Um beides unter einen Hut zu bekommen, wird hier der Unterricht gedehnt: Was normale Schüler in zwei Jahren lernen, wird hier auf drei Jahre verteilt. Hinzu kommt Förderunterricht an den Wochenenden und in den Ferien. Bei Auswärtsspielen und Trainingslagern, die die Schüler auch oft ins Ausland führen, sind zudem auch immer die Aufgaben der Lehrer mit im Gepäck. Schuldirektor Gernot Zeller stellt zufrieden fest.

"Diese Schülerinnen und Schüler, die sportlich sehr hoch angebunden und belastet sind, haben in der Regel auch relativ gute oder sehr gute schulische Leistungen, weil sie eben sehr bewusst an die Planung ihres Unterrichtstages herangehen."

Grundlage für die Ausbildung an der Schule ist die Verbandsempfehlung, die alle zwei Jahre erneut geprüft wird. Die enge Zusammenarbeit zwischen Schule und Verbänden wird als Erfolgsrezept noch aus Zeiten der Kinder- und Jugendsportschulen in der DDR weitergeführt.

"Wir treffen uns regelmäßig zur Absprache über die Entwicklung der einzelnen Schüler, um dort zu prüfen, ob die Trainings- und Unterrichtszeiten optimal auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmt sind."

Aber nicht alle halten das Niveau. Etwa ein Zehntel der Schüler muss die Schule jährlich wieder verlassen. Die psychologische Betreuung übernehmen die Sportvereine. Aber mit Höhen und Tiefen haben auch so erfolgreiche Spielerinnen wie die beiden Lisas zu kämpfen. Zum Beispiel, wenn man nicht mit zu einem Wettkampf fahren darf.

"Man fällt erstmal in ein Loch, denke ich mal, aber man versucht dann halt weiter zu kämpfen."

"Also eigentlich müsste man das schon selber hinkriegen. Na ja, weil die anderen können halt nicht so viel dazu beitragen. Ist ja seine eigene Sache so."

Weiterführende Inforamtionen zu den Eliteschulen des Sports auf der Homepage des DOSB

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