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StartseiteEuropa heuteSchwierige Zeiten für Obst- und Gemüsehändler 17.02.2017

SpanienSchwierige Zeiten für Obst- und Gemüsehändler

Heftige Regenschauer, Unwetter und eine Kältewelle haben Spanien in den letzen Monaten zugesetzt. In vielen Teilen des Landes ist die Obst- und Gemüseernte verdorben. Die Folgen sind auf den Märkten zu spüren. Für Händler wird es immer schwieriger, einen angemessenen Preis auszuhandeln.

Von Hans-Günter Kellner

Obst- und Gemüsehändler Miguel Jándulas beim Einkauf auf dem Großmarkt Mercamadrid. (Deutschlandradio/ Hans-Günter Kellner)
Obst- und Gemüsehändler Miguel Jándulas beim Einkauf auf dem Großmarkt Mercamadrid. (Deutschlandradio/ Hans-Günter Kellner)
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"Was kostet der Porree heute, komm, erschreck‘ mich!", fragt Miguel einen der Händler. 1,80 Euro, antwortet der. Daneben liegen Zucchini, dafür will der Großhändler vier Euro haben. Miguel geht weiter, er sucht nach besseren Preisen. Aber er weiß, es wird schwer:

"Alles ist sehr teuer und viele Gemüsesorten gibt es überhaupt nicht. Seit einer Woche schon kaufe ich keine Salatköpfe mehr. Die sind wahnsinnig teuer geworden. In ganz Europa hat es einen Kälteeinbruch gegeben, ein großer Teil der Ernte ist zerstört. Was übrig bleibt, geht in den Export, dort wird besser bezahlt. So steigen dann auch hier die Preise."

Miguel ist nicht sehr groß und hat einen langen Pferdeschwanz. Seit 20 Jahren verkauft er Obst und Gemüse auf dem Markt von Vallecas. Mit einem Handkarren schlurft er müde durch den Großmarkt - seine übliche Route. Bei 150 Großhändlern in sechs Hallen könnte er auch gar nicht alle abklappern.

"Sonst wirst Du verrückt. Manchmal muss man suchen, aber ich habe 20, 25 Artikel auf meiner Liste. Da kann ich nicht nach jeder Sorte bei jedem Stand suchen. Mit der Zeit weißt Du, wer Dir gute Ware zu guten Preisen verkauft."

Ständiger Preiskampf

Miguel geht zu einem der Großhändler, fragt kurz nach dem Preis und holt sich zwei Kisten Orangen. Die schiebt er auf eine im Boden eingelassene Waage. Heben versucht er zu vermeiden, dem 49-Jährigen schmerzt der Rücken.

Er fragt nach Endiviensalat und Kiwis, der Großhändler blickt in eine Richtung, schon weiß Miguel Bescheid. Dann zeigt er auf Kisten voller Artischocken: "Ein bisschen verwelkt sehen die schon aus." "2,20", nennt der Händler seinen Preis. Viel gesprochen wird auf dem Großmarkt nicht. Was sollten sie sich auch sagen, Käufer und Verkäufer sehen sich jeden Morgen.

"Mein Gott, gib mir eine Kiste für 1,80", schimpft Miguel. Der Händler murmelt etwas, Miguel kauft die Kiste am Ende für zwei Euro. Ganz frisch sieht hingegen der Mangold aus. Der Großhändler erklärt:

"Den schickt mir ein Landwirt aus Toledo. Normalerweise liefert der täglich, aber das ist die erste Lieferung seit einer Woche. Die müssen dort Decken auf das Gemüse legen, damit es wächst. Es ist sonst zu kalt. Das zeigt, wie wenig Produkte wir derzeit reinbekommen."

Trotz der Versorgungsprobleme steht Miguel drei Stunden später mit einem sympathischen Lächeln hinter seinem bunt gefüllten Obst- und Gemüsetand in der Markthalle des Madrider Stadtteils Vallecas. Hier gibt es zahlreiche solcher Stände. Doch nicht nur wegen der Konkurrenz kann er die hohen Einkaufspreise nicht einfach weitergeben. Er kennt seine Kunden, viele Rentner mit niedrigem Einkommen sind dabei, Familien mit Schwierigkeiten, die Wohnungsraten zu bezahlen:

"Das gute Verhältnis zu den Kunden ist wichtig. Wenn Du sie gut kennst, Freundschaften schließt, ist die Arbeit schöner, als wenn Du Dir denkst: ‚Diese alte Hexe will jetzt die Tomaten billiger haben.‘ Wir sind fast eine Familie. Ich weiß, dass sie nicht bei mir einkaufen, weil ich der billigste Obst- und Gemüsehändler im Viertel bin, sondern weil sie mich schätzen. Die Frage ist, wer mag wen mehr?"

Konkurrenz aus den Supermärkten

Der Marktanteil der Markthallen in Spanien ist im europäischen Vergleich enorm, er liegt bei 36 Prozent. Aber die großen Handelsketten sind auf dem Vormarsch und bereiten den traditionellen Händlern wie Miguel zunehmend Probleme. Und obwohl er selbst nach 20 Jahren seiner Arbeit auch ein wenig müde ist, warnt Miguel vor einer Dominanz der Supermärkte:

"Am Ende müssen wir die Äpfel essen, die sie uns vorschreiben. Und genau so die Gurken oder Tomaten. In diesen Konsumtempeln ist es doch heute schon so: Da haben sie dann nur die Apfel-Sorten Starking und Golden. Da gibt es dann keine Verde Doncella oder Reinette mehr - oder nur in der Gourmetabteilung. Hier auf dem Markt kannst Du zwischen vielen Sorten und Qualitätsklassen wählen. Hier findet jeder die Ware, die er sucht, zum Preis, den er sucht."

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