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StartseiteCampus & KarriereSparen an der Uni07.04.2008

Sparen an der Uni

Universität Bremen beschließt den Hochschulentwicklungsplan 5

Von Christina Selzer

Das Bremer Wahrzeichen Roland steht vor dem Rathaus der Hansestadt. (AP)
Das Bremer Wahrzeichen Roland steht vor dem Rathaus der Hansestadt. (AP)

Die Universität in Bremen hat sich für den Hochschulentwicklungsplan 5 entschieden. Das bedeutet, die Uni muss bis zum Jahr 2010 mit weniger Geld auskommen - und das obwohl sie im bundesweiten Vergleich bereits unterdurchschnittlich mit Mitteln ausgestattet ist. Kein Wunder also, dass Teile der Studenten und Angestellten verärgert sind.

Die Studierenden des Asta haben es sich auch heute nicht nehmen lassen, ihrem Missfallen über den Hochschulentwicklungsplan 5 Ausdruck zu verleihen. Verkleidet als Henker, mit und ohne Kutten, als mittelalterliche Narren und Mägde, halten Studierende Einzug und überreichen dem Rektor Wilfried Müller eine Krone und ein Zepter.

Der Asta hat zwei Jahre lang dagegen gekämpft, dass der Rektor die Sparvorgaben des Senats umsetzt. Mehrere Sitzungen des Akademischen Senats haben Studierende gesprengt und versucht die Kommilitonen zu mobilisieren. Dass der Plan jetzt ohne den Akademischen Senat beschlossen wurde, ist für sie ein Zeichen mangelnder Demokratie an ihrer Uni. Dagegen war für Wilfried Müller, den Rektor, die Entscheidung der letzte Ausweg, um eingefrorene Professorenstellen überhaupt besetzen zu können:

"Weil eine Universität eine Sicherheit darüber braucht, welche Stellen in den nächsten Jahren besetzt werden und welche nicht. Hätten wir diese Entscheidung nicht getroffen, wären formal alle 30 Stellen die noch im Plan sind, hätten auch besetzt werden können. Auf der anderen Seite hat der Senator für Bildung und Wissenschaft uns mitgeteilt, es gibt keine weiteren Stellenfreigaben, wenn ihr euch nicht zum HEP 5 entscheidet."

Beim Hochschulentwicklungsplan geht es darum, dass die Uni bis zum Jahr 2010 mit viel weniger Geld auskommen muss. Konkret bedeutet das, statt des ursprünglichen Etats von 110 Millionen fällt der neue Etat um 10 Millionen Euro niedriger aus. Angesichts der Tatsache, dass Bremen schon vorher unter dem bundesdeutschen Durchschnitt gelegen habe, seien die jetzigen Einschnitte dramatisch, so Wilfried Müller:

"Ein Verlust von zehn Millionen, das sind etwa 30 Professuren. Der alte Plan. Im Mai Wahlen gehabt, Beschlüsse des Parlamentes. Wir haben erfahren müssen, dass wir den Plan bestätigt bekommen haben."

Flächendeckend werden zehn Prozent der Stellen gestrichen. Für kleine Fächer heißt das: Sie können nicht weiterexistieren. So läuft die Sportpädagogik aus. Die Behindertenpädagogik und die Weiterbildung können nur noch als Masterprogramm aufrechterhalten werden. Mehr Glück hatten dagegen andere Fächer:

"Das war die Zeit der Exzellenzinitiative: Kommission fand es notwendig, dass Geowissenschaften und Politik mehr bekommen, jeweils eine Stelle mehr, um die Chancen in der Exzellenzinitiative zu vergrößern. Das gibt dann immer auch einen Rückfluss in Unihaushalt. Das hat ja wie sie wissen auch geklappt."

Christian Freska, Dekan im Fachbereich Mathematik und Informatik, weist darauf hin, durch die massiven Kürzungen drohe Stillstand. Statt sich weiterzuentwickeln, müsse die Uni auf Drittmittelgelder verzichten, wenn schon an der Grundausstattung gespart werde:

"Das Geld muss beantragt werden, das ist viel Arbeit, dafür braucht man gute Mitarbeiter. Durch die Kürzungen müssen wir mit weniger Mitarbeitern auskommen. Die Folge wird sein, dass unsere Drittmittelwerbung zurückgeht."

Wenn sich eine Universität profilieren wolle, dann sei das genau das falsche Signal. Auch Rektor Wildfried Müller betont: Die grundsätzliche Kritik des gesamten Rektorats an den rigiden Finanzvorgaben des Landes bleibt bestehen. Die positive Entwicklung der letzten Jahre sei nun ausgebremst. Er bezweifelt, ob die Uni Bremen die Qualität in Forschung und Lehre aufrechterhalten könne. Studienprogramme und erfolgreiche Forschungsbereiche sind seiner Meinung nach gefährdet.

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