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StartseiteForschung aktuellSparsamer salzfrei16.02.2012

Sparsamer salzfrei

Neue Technologie verbessert Meerwasserentsalzung

Technik. - In vielen Ländern der Erde wird Süßwasser mit Hilfe der Meerwasserentsalzung gewonnen. Doch die Technik ist energieaufwendig, bis zu zehn Kilowattstunden kostet ein Kubikmeter Süßwasser. Eine neue Technologie senkt den Energieaufwand auf ein neues Rekordminimum.

Von Konstantin Zurawski

Trinkwasser ist in vielen Gegenden der Welt ein kostbares Gut. (AP)
Trinkwasser ist in vielen Gegenden der Welt ein kostbares Gut. (AP)

Die Meerwasserentsalzung ist etabliert, sie funktioniert gut, aber: Sie ist energieaufwändig. Das am wenigsten effiziente Verfahren, bei dem das Meerwasser verdampft und dann wieder kondensiert wird, braucht rund zehn Kilowatt-Stunden Strom pro Kubikmeter Wasser. In Saudi-Arabien, wo die größte Meerwasserentsalzungsanlage steht, und wo eine Person durchschnittlich 500 Liter Wasser am Tag verbraucht, heißt das umgerechnet: Ein Wasserkocher läuft pro Person drei Stunden am Tag auf voller Leistung – nur, um Süßwasser zu erzeugen. Doch damit soll bald Schluss sein. Siemens hat eine Technik entwickelt, die nur 1,5 Kilowattstunden pro Kubikmeter verbrauchen wird, das ist halb so viel Energie wie das bisher effizienteste Verfahren. Rüdiger Knauf, Entwicklungsleiter im Bereich Wasser-Technik bei Siemens:

"Und das wird also einen Boost für Meerwasserentsalzungsanlagen bedeuten, d.h. mit dieser Technologie werden in vielen Standorten der Welt, wo Meerwasserentsalzung bis heute kein Thema war aus Energiegründen, dann auf einmal Meerwasserentsalzung eine attraktive Lösung werden und durchaus auch zur Wasserversorgung der Bevölkerung beitragen können."

Noch ist die neue energiesparende Meerwasserentsalzungstechnik in der Entwicklungsphase – aber eine Pilotanlage gibt es schon. Sie steht in Singapur und erzeugt 50 Kubikmeter Süßwasser am Tag. Das ist noch viel zu wenig, um eine ganze Stadt mit Wasser zu versorgen. Aber es zeigt, dass die Technik prinzipiell funktioniert. Der Clou: Die neue Anlage erhitzt das Meerwasser nicht, wie bei der Verdampfertechnik, die zum Beispiel in Saudi-Arabien zum Einsatz kommt. Auch muss das Wasser nicht mit hohem Druck durch eine Membran gepresst werden, die Wasser hindurchlässt und Salz zurückhält, dieses Verfahren ist das bisher effizienteste. Bei der neuen Siemens-Technik sorgt vereinfacht gesagt eine Stromquelle für die Trennung von Salz und Wasser. Denn Salz liegt im Wasser in Form von Ionen vor: positiv geladene Natrium-Ionen und negativ geladene Chlorid-Ionen schwimmen darin herum. Legt man nun über zwei Elektroden ein Spannung an, wandern die positiven Natrium-Ionen zum Minus-Pol, die negativen Chlorid-Ionen zum Pluspol. Der Prozess wird mehrfach wiederholt und die Salzkonzentration nach und nach gesenkt. Am Schluss bleibt in der Mitte Süßwasser übrig und wird abgeführt. So weit, so gut. Doch Meerwasserentsalzungsanlagen sind keine Patentlösung für alle Wasserprobleme auf der Welt. Denn das Verfahren hat ökologische Nebenwirkungen, sagt Ann-Kathrin Schneider vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland.

"Es gibt schon in den Regionen, wo es schon viele Meerwasserentsalzungsanlagen gibt, zum Beispiel vor der spanischen Küste oder vor der israelischen Küste, da ist es so, dass manche Lebewesen und auch Pflanzen, die es im Meer gibt, dass die dort überhaupt nicht mehr überleben können, weil das Meer mittlerweile so salzhaltig geworden ist, dass ein Überleben für Pflanzen und Tiere gar nicht mehr möglich ist."

Und der WWF, der Worldwide Fund for Nature, weist darauf hin, dass gerade in trockenen Ländern viel Wasser verschwendet wird, etwa im Mittelmeerraum und Australien. Man könnte viel Wasser sparen, zum Beispiel durch dichte Rohrleitungen, effizientere Bewässerung und Pflanzen, die mit weniger Wasser auskommen. Dennoch ist effiziente Meerwasserentsalzung besser als der verschwenderische Umgang mit Energie. Durch die energiesparenden Anlagen könnte Mehrwasserentsalzung auch für ärmere Länder erschwinglich werden. Der Nachteil: Reiche Länder können dadurch umso mehr Anlagen bauen, statt Wasser zu sparen - mit den zu erwartenden Folgeschäden für die Umwelt. In zwei bis drei Jahren will Siemens in Singapur eine Demonstrationsanlage im Originalmaßstab errichten.

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